Wirtschaft : Springer in Zeitnot

Verlag sucht Käufer für Pro 7, um das Kartellamt umzustimmen. Jeder Tag zählt– Zinsen und Steuern drücken

Ulrike Simon

Berlin – Dem Springer-Konzern drohen hohe finanzielle Belastungen, sollte sich die geplante Übernahme der Fernsehgruppe Pro Sieben Sat 1 aus Kartell- und medienrechtlichen Gründen weiter verzögern. Anfang kommender Woche wird der US-Medienunternehmer Haim Saban aus Los Angeles anreisen, um sich mit Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner zu treffen. Gegenstand der Gespräche dürften unter anderem die im Kaufvertrag vereinbarten Zinszahlungen sein, die Springer vom 23. Januar an leisten muss. Exakt 823 258,77 Euro pro abgelaufenem Tag müsste Springer zahlen, sollte die Übernahme bis dahin nicht in trockenen Tüchern sein. Die täglichen Überweisungen würden erst nach zwei Monaten enden, wenn die Summe von 49 395 525,98 Euro erreicht ist.

Saban und Döpfner werden aber vor allem über die Frage verhandeln, ob, wann und wie Pro 7 aus der Senderfamilie zu trennen wäre und unter welchen Bedingungen Springer die restliche Gruppe kaufen könnte.

Kaufinteressenten für den Sender Pro 7 gibt es eine ganze Reihe. Mehrere Gespräche fanden bereits statt. So hat sich Döpfner am Donnerstag in Berlin mit Patrick Le Lay, dem Vorstandschef der französischen Fernsehgruppe TF 1 getroffen. Auch der Chef des Abofernsehens Premiere, Georg Kofler, der einst Pro 7 gründete, ist an einem Kauf interessiert. „Grundsätzlich, zu vernünftigen Konditionen, könnte er sich das vorstellen“, sagte ein Premiere-Sprecher am Freitag. Das Bundeskartellamt wird Springer spätestens am Freitag die vorläufige Freigabe der Übernahme von ProSieben Sat 1 schicken – mit der Bedingung, dass Pro 7 vor Vollzug der Fusion verkauft sein wird.

Abgesehen von aktienrechtlichen Fragen gilt es auch, ein Steuerproblem zu lösen: Bei der Fusion von Pro 7 und Sat 1 zur ProSieben Sat 1 Media AG wurde eine Sperrfrist vereinbart, die am 31. Dezember 2006 endet. Würde Pro 7 also noch in diesem Jahr verkauft, müssten die Alteigentümer um Saban auf den Erlös die volle Gewerbe- und Körperschaftsteuer zahlen: eine hohe dreistellige Millionensumme.

Saban wiederum will nicht nur eine schnelle Lösung für ProSieben Sat 1, sondern bei den anstehenden Neuverhandlungen im Zweifel noch bessere Konditionen erzielen. Der Wert des Senders Pro 7, an dem Springer aktuell mit 13 Prozent beteiligt ist, wird von den konzerneigenen Experten auf 2,4 Milliarden Euro geschätzt. Gelänge es Springer, die restliche Sendergruppe zu erwerben, entfiele ein Großteil der Kreditlast. Der Konzern würde finanziell flexibler. Es bliebe die Frage, wie sich die Fusion mit der teils in Unterföhring, teils in Berlin sitzenden TV-Gruppe effizient konstruieren lässt.

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