Wirtschaft : Springer kauft ProSieben für vier Milliarden Euro

„Operation Shalom“ sorgt für neue Kräfteverhältnisse auf dem Medienmarkt / Verlagschef Döpfner hat „Googles und Yahoos“ im Visier

Ulrike Simon

Berlin - Am Freitagmorgen gegen sieben Uhr wurde das Verhandlungsergebnis mit einer Umarmung besiegelt. Mathias Döpfner, der Vorstandschef des größten deutschen Zeitungsverlags, schloss Haim Saban, seit zwei Jahren Hauptaktionär des größten deutschen Fernsehkonzerns, in die Arme. Die Axel Springer AG mit Sitz in Berlin hatte nach monatelangen Verhandlungen den Kaufvertrag für die Pro Sieben Sat 1 Media AG unterzeichnet und damit eine Transaktion von mehr als vier Milliarden Euro eingeleitet.

Unter Vorbehalt der Genehmigungen durch Kartellamt und Medienaufsicht erhöht Springer seinen bisher zwölfprozentigen Anteil auf 100 Prozent der Stimmrechte und 62,5 Prozent des Kapitals an der Fernsehgruppe.

Im zweiten Schritt wird Springer den freien Aktionären ein Angebot von voraussichtlich 14,10 Euro je Aktie unterbreiten oder die Papiere im Zuge einer Kapitalerhöhung in neue Vorzugsaktien am fusionierten Unternehmen umwandeln.

Die Milliarden-Transaktion sei „solide finanziert“, betonte Döpfner bei der eilig einberufenen Pressekonferenz im feinen Münchner Hotel Bayerischer Hof. Zur Finanzierung dienen Kredite der Deutschen Bank und Credit Suisse First Boston in Höhe von drei Milliarden Euro. 1,1 Milliarden soll eine Kapitalerhöhung bringen, dazu kommen 290 Millionen Euro Finanzverbindlichkeiten. „Die Investition rechnet sich, auch ohne auf Synergien angewiesen zu sein“, sagte Döpfner. Deutschland stehe vor einem Aufschwung: „Es ist die richtige Investition zum richtigen Zeitpunkt.“

Nach der Verschmelzung des TV- und des Printunternehmens wird die Axel Springer AG mit einem Jahresumsatz von 4,2 Milliarden Euro zum größten Medienunternehmen nach Bertelsmann (17 Milliarden Umsatz) aufrücken. Döpfners Vision besteht nicht nur darin, sich von der Anzeigenabhängigkeit des Printverlags unabhängiger zu machen. Vielmehr gehe es darum, „den Googles, Yahoos und Ebays dieser Welt Paroli zu bieten“. Der Printverlag mit Titeln wie „Bild“ und „TV Digital“ und die Fernsehfamilie (Pro Sieben, Sat 1, N24, Kabel 1, Neun Live) seien selbst in der momentan werbeschwachen Phase hochprofitable Unternehmen. Noch wichtiger werde jedoch die digitale Zukunft mit neuen Wettbewerbern, für die Springer nun gerüstet sei. Information und Unterhaltung in Wort und Bild auf allen Vertriebswegen sowie den Zugang zu Kunden seien die Voraussetzungen, um in der digitalen Medienwelt zu bestehen.

Die Übernahme war unter dem Tarnnamen „Operation Shalom“ verhandelt worden, und so begann Döpfner seine Erklärung mit den Worten „Guten Tag, liebe Gäste, Shalom“, um Haim Saban direkt danach auf Englisch anzusprechen. Der US-Milliardär war die schillernde Figur des Tages, seine Frau Cheryl fing zwischen den dicht gedrängten Reihen im Königssaal mit einer Kamera Schnappschüsse ein.

Für sie und ihren Mann bedeutet der Deal einen Gewinn, den Haim Saban „not bad“ (nicht schlecht) nannte. Gemeinsam mit Partnern hatte er sich vor zwei Jahren für 525 Millionen Euro ins deutsche Fernsehen eingekauft, hinzu kamen Investitionen in ähnlicher Höhe für eine Kapitalerhöhung. Etwa 2,4 Milliarden Euro schöpfen die German Media Partners um den ägyptischstämmigen Unternehmer nun ab. Saban bleibt dem deutschen Konzern nach der Fusion erhalten und wird Vorsitzender eines neu zu schaffenden Fernsehbeirats. Auch erwirbt er Anteile an der künftigen Axel Springer AG: zunächst 820000 Aktien für 75 Millionen Euro. Die Kontrollmehrheit ist und bleibt jedoch bei Verlegerwitwe Friede Springer. Daran werde sich auch nach einer eventuellen Kapitalerhöhung nichts ändern, versicherte Döpfner.

Aus Sicht der Aktionäre erscheint das Angebot von 14,10 Euro pro Aktie als zu niedrig, so dass wohl viele einer Umwandlung zu Vorzugsaktien der neuen Axel Springer AG zustimmen werden. „Sie investieren in eine attraktive Medienaktie und partizipieren am Wertsteigerungspotenzial des fusionierten Unternehmens“, warb Vorstandschef Döpfner.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben