Wirtschaft : Springer tröstet sich mit Rekordgewinn

Vertrag von Vorstandschef Döpfner trotz geplatzter TV-Expansion verlängert

Ulrike Simon

Berlin - Mathias Döpfner, seit Januar 2002 Vorstandsvorsitzender der Axel Springer AG, hat vor wenigen Wochen seinen Vertrag um fünf weitere Amtsjahre an der Spitze des Konzerns verlängert. Passend dazu teilte der 43-Jährige am Donnerstag mit: „Wir haben 2005 das beste Konzernergebnis aller Zeiten erreicht“. Das zeige: „Axel Springer ist auf der Basis des heutigen Geschäftsmodells kerngesund und für Wachstum und Investitionen bestens gerüstet.“

Vor zwei Wochen hatte sich Springer von seinem medien- und kartellrechtlich untersagten Plan, die Sendergruppe Pro Sieben Sat 1 zu übernehmen, verabschiedet. Jetzt muss sich Europas größter Zeitungsverlag darauf einstellen, auf mühsamere und wohl auch langsamere Weise zu wachsen. Döpfners Strategie für diesen Weg lautet: „Marktführerschaft im deutschsprachigen Kerngeschäft, Internationalisierung und Digitalisierung.“

Ergeben sich sinnvolle Gelegenheiten, sind Zukäufe im europäischen Ausland denkbar. Daneben verfolgt Springer die Strategie, aus eigener Kraft zu wachsen. So denkt der Verlag nach dem Erfolg mit der mittlerweile auflagenstärksten polnischen Boulevardzeitung „Fakt“ über die Einführung einer zweiten Tageszeitung in Polen nach. Dem Vernehmen nach dreht es sich um eine Qualitätszeitung im handlichen Tabloid-Format. Geplant sind zudem weitere internationale Lizenzausgaben von Titeln der „Bild“-Gruppe („Audio Video Foto Bild“, „Auto-Bild“).

Für die Expansion stehen Springer nach eigenen Angaben nun zusätzliche Investitionsspielräume zur Verfügung. Sie ergeben sich aus der 2005 erzielten Ebita-Rendite von 14,1 Prozent (Vorjahr: 10,1 Prozent). Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebita) betrug 2005 rund 338 Millionen Euro. Das sind zwei Millionen Euro mehr als 2004, wobei das Vorjahresergebnis den Effekt aus dem Vergleich mit der zusammengebrochenen Kirch Media mit einschloss. Um den Kirch-Vergleich bereinigt betrug das Vorjahresergebnis 243 Millionen Euro.

Zur positiven Geschäftsentwicklung hat nach Springer-Angaben unter anderem die Entwicklung des deutschen Werbemarktes im zweiten Halbjahr 2005 beigetragen. Der Konzernumsatz stagnierte trotz wachsender Anzeigen- und Vertriebserlöse allerdings bei 2,392 Milliarden Euro (Vorjahr: 2,4 Milliarden). Dabei sind nach Springer-Angaben die Umsätze des gemeinsam mit Bertelsmann betriebenen Tiefdruckunternehmens Prinovis noch bis Ende Juni 2005 konsolidiert worden.

Der Jahresüberschuss erreichte „den historischen Höchststand“ von rund 231 Millionen Euro. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Anstieg um 56 Prozent. Vorbehaltlich der Zustimmung des Aufsichtsrats schlägt der Vorstand vor, die Dividende zu erhöhen. Beabsichtigt sind 1,70 Euro pro Aktie. 2004 wurden 1,20 Euro sowie eine Sonderdividende in Höhe von 25 Cent pro Aktie ausgeschüttet.

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