Wirtschaft : Springer und Bauer wollen gemeinsam Kirch Media

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Düsseldorf (hps/HB). Der Axel Springer Verlag plant zusammen mit dem Hamburger Verlagshaus Bauer die Übernahme der insolventen Kirch Media. Damit tritt Europas größter Zeitungskonzern in Konkurrenz zur bisherigen Investorengruppe, die aus der Commerzbank, dem Essener Zeitungskonzern WAZ und der Sony-Tochter Columbia Tristar besteht.

Eine Verlagssprecherin bestätigte am Sonntag indirekt einen Bericht des „Spiegel“, dass Springer und Bauer eine gleichberechtigte Investorengruppe bilden wollen. „Das Hauptinteresse bei Springer gilt der Senderfamilie Pro Sieben Sat 1“, sagte ein Brancheninsider. Der Zeitungskonzern wolle eine Sperrminorität von mindestens 25 Prozent bei der Kirch Media. In der Kirch Media sind der 52,52-prozentige Anteil am Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 Media AG und der Film- und Sportrechtehandel gebündelt.

Im April war das aus Filmrechten und Sendern gezimmerte Imperium des Medienunternehmers Leo Kirch wegen Milliardenschulden aus dem Pay-TV-Geschäft zusammengebrochen. Jetzt werden die stark verflochtenen Teile des Medienkonzern getrennt und verkauft. Auch die Kirch-Beteiligung an Springer steht zum Verkauf.

Das Investorenduo Springer/Bauer versucht offensichtlich, weitere Interessenten mit ins Boot zu holen. „Wir sind offen für weitere Partner“, hieß es gestern in Unternehmenskreisen. Im Gespräch seien eine Bank und weitere Medienunternehmen. Der Preis für Kirch Media bewegt sich nach Meinung von Experten um 1,9 Milliarden Euro. Probleme bei der Finanzierung gibt es für Springer offenbar nicht. „Wir haben genug Spielraum und können uns das notwendige Kapital besorgen“, hieß es selbstbewusst in Unternehmenskreisen.

„Die Finanzierung eines Einstieg bei Kirch Media ist nicht abhängig von der Put-Option“, hieß es am Sonntag. Springer brachte durch seine Verkaufsoption über Beteiligungen in Höhe von 767 Millionen Euro an der Pro Sieben Sat 1 Media Ende Januar Leo Kirch in eine Liquiditätskrise. Später wollte der Zeitungskonzern seinen bisherigen Anteil von 11,48 Prozent an der Pro Sieben nicht mehr verkaufen, sondern sogar auf 25 Prozent aufstocken.

Auch Bauer interessiert sich vor allem für den börsennotierten TV-Konzern Pro Sieben Sat 1. Bereits letzte Woche erklärte Andreas Fritzenkötter, Sprecher der Heinrich Bauer Verlag KG: „Unser Hauptinteresse gilt vor allem einer Beteiligung bei Pro Sieben Sat 1 Media.“ Bisher ist Bauer am Fernsehgeschäft nur über eine 31,5-prozentige Beteiligung an RTL 2 beteiligt.

Der von der Investmentbank UBS Warburg organisierte Bieterwettbewerb gewinnt jetzt an Fahrt. Erst am Donnerstag hatte sich die Commerzbank mit der WAZ geeinigt, jeweils 40 Prozent an der Kirch Media zu kaufen. Die restlichen 20 Prozent will Columbia, die Filmtochter des Elektronikriesen Sony, erwerben. Die Commerzbank drängt darauf, Kirch Media als Aktiengesellschaft an der Börse zu platzieren. Das scheint jedoch nicht im Interesse der WAZ-Gruppe zu sein. Bei der Führung des fünftgrößten Medienkonzerns in Deutschland stehen die hohen Gewinnchancen im Vordergrund.

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