Wirtschaft : Springer und Ringier weitgehend einig

Gericht gibt Kirch mehr Zeit zum Verkauf seiner Springer-Aktien/Leo Kirch pokert mit der WAZ

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Berlin (mot/usi). Die Verhandlungen über die 40-Prozent-Beteiligung von Leo Kirch am Axel Springer Verlag nähern sich dem Ende. Springer und der Schweizer Ringier-Verlag sind sich, wie zu hören ist, weitgehend einig. Es herrsche Einvernehmen, die Finanzierung sei gesichert, selbst die Forderungen von Ringier hält Springer für angemessen. Das gilt etwa für Ringiers Wunsch, einen Posten im Springer-Aufsichtsrat zu übernehmen. Auch die Deutsche Bank, bei der Kirchs Aktienpaket mit 720 Millionen Mark besichert ist, begrüßt Ringier als Käufer. „Wir bemühen uns um eine Lösung im Einklang mit den Interessen des Hauses Springer", sagte ein Sprecher der Deutschen Bank.

Der Plan: Ringier soll zunächst das gesamte Paket von 40,33 Prozent übernehmen. Sobald es um Springer finanziell besser bestellt ist und sich die Börse erholt hat, würde die Beteiligung auf eine Sperrminorität von 25,1 Prozent zurückgeführt. Verlegerwitwe Friede Springer könnte weitere fünf Prozent übernehmen, der Rest würde an die Börse gebracht. Die Erlöse kämen der Bank zugute.

Damit es zu einem Abschluss mit Ringier kommen kann, fehlt noch die Zustimmung der Kirch-Insolvenzverwalter – und von Leo Kirch persönlich. Mit Ringier scheint jedoch ein Käufer gefunden zu sein, der allen Verhandlungspartnern genehm ist, selbst Kirch. Ihm geht es jetzt vor allem um die Höhe des Kaufpreises. Sollte er 720 Millionen Euro für das Aktienpaket bekommen, könnte er nämlich nur die Deutsche Bank bedienen. Erzielt er mehr, kann er jedoch auch die Ansprüche der Formel-1-Banken bedienen. Sie haben ein zweitrangiges Pfandrecht auf das Aktienpaket und versprechen Kirch bei Rückzahlung eine Provision.

Alles scheint also ein gutes Ende zu nehmen. Wäre da nicht Leo Kirchs „hohes Maß an Rachepotenzial und zerstörerischem Machtwillen“, wie es bei Springer heißt.

Am 13. September soll der Springer-Aufsichtsrat über einen Antrag von Kirch entscheiden, in dem er die Zustimmung zum Verkauf seines Anteils verlangt, erklärte Kirch-Anwalt Wolf-Rüdiger Bub am Dienstag in München. Der Antrag liegt Springer bereits vor. Darin ist jedoch nicht von dem Käufer Ringier die Rede – sondern von der WAZ-Gruppe. Die ist zwar längst nicht mehr interessiert an den Springer-Anteilen. Wieso Kirch dennoch den Verkauf an die WAZ beantragt, lässt sich laut Springer nur damit erklären, dass sich Kirch ein „Hintertürchen offen halten will“. Damit ist die angedrohte Schadenersatzklage von Kirch gegen Springer gemeint.

Es ist davon auszugehen, dass der Aufsichtsrat Kirchs Antrag am kommenden Freitag abschmettern wird. Kirch kann dann sein Drohszenario aufrechterhalten. Seine Anwälte Wolf-Rüdiger Bub und Peter Gauweiler (Springer-Slang: „Spitzbub und Gauleiter“) werden sich wohl vorbehalten, Springer zu verklagen, weil das vermeintlich bessere WAZ-Angebot dem Verlag genutzt hätte. Der Vorwurf würde lauten, Springer schädige die Aktionäre.

Springer nimmt die Drohung jedoch nicht ernst. Erstens, weil sich WAZ-Gesellschafter öffentlich geäußert haben, dass sie den Kauf der Springer-Anteile ablehnen. Das Votum der Gesellschafter müsste aber einstimmig ausfallen. Zweitens hat Springer aufgrund der Vinkulierung nun mal das Recht, ungewollte Käufer abzulehnen. Drittens hält es Springer für unmöglich, dass Kirch einfach die Print Beteiligungs GmbH verkaufen könnte, um die Vinkulierung zu umgehen. Diese GmbH hält Kirchs Anteile. Auf die GmbH, jedoch nicht auf das Springer-Aktienpaket haben wiederum die Hollywood-Studios Universal ein Anrecht, denn auch dort steht Kirch in der Kreide.

Am Dienstag hatte Kirch vor dem Münchner Landgericht im Streit mit der Deutschen Bank eine Fristverlängerung für die Verwertung seiner Aktien beantragt. Die Richter verschoben ihre Entscheidung auf den 20. September, weil sich eine außergerichtliche Einigung Kirchs mit der Deutschen Bank abzeichnet. „Beide Seiten haben bekannt gegeben, dass sie eine Vereinbarung treffen wollen, die noch der Zustimmung der Insolvenzverwalter bedarf“, sagte ein Gerichtssprecher. Welchen Inhalt diese Einigung hat, sagte er nicht.

Rein rechtlich dürfte die Deutsche Bank zwar jetzt selbst einen Käufer suchen. Ihr Anwalt Peter Heckel stellte am Dienstag jedoch klar: „Die Bank beabsichtigt nicht, bis zum 20. September zu verwerten.“ Das Ganze wirkt wie ein Scharmützel, darauf ausgelegt, dass Kirch sein Gesicht wahren kann: Er wäre es, der letztlich bestimmt, wem er das Springer-Paket verkauft. Insider rechnen damit, dass es auch in diesem Fall auf Ringier hinauslaufen wird.

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