Wirtschaft : Springer will Mirror nun doch nicht kaufen

BERLIN/HAMBURG/KÖLN (dpa/rtr).Der Axel Springer Verlag will die britische Mirror-Verlagsgruppe doch nicht übernehmen."Nach eingehender Prüfung und unter Abwägung aller verlegerischen Aspekte" habe sich das Verlagshaus entschlossen, kein Kaufangebot für die Mirror-Verlagsgruppe abzugeben, teilte der Verlag am Montag in Berlin mit.Details zu den Gründen wurden nicht genannt.

In den vergangenen Wochen war mehrfach über eine Übernahme der Mirror Group Plc (London) spekuliert worden.Der Axel Springer Verlag hatte dazu lediglich verlautbaren lassen, daß er an Kooperationen interessiert sei und "eine Anzahl von Möglichkeiten, einschließlich der Mirror-Gruppe", prüfe.Die Mirror-Gruppe steht mit einem Auflagenanteil von 26 Prozent am britischen Zeitungsmarkt an zweiter Stelle.An erster Stelle liegt Rupert Murdochs News International.

Zur Mirror-Gruppe gehören das Boulevardblatt "Daily Mirror" mit einer Auflage von 2,4 Mill.Exemplaren, die Sonntagszeitung "People" und das Regionalblatt "Daily Record".Das Unternehmen zählte zur Gruppe des 1991 unter mysteriösen Umständen gestorbenen Medienunternehmers Robert Maxwell.Maxwell soll illegal mehr als eine Mrd.DM aus der Mirror-Pensionskasse abgezweigt haben.

Der Hauptkonkurrent des "Daily Mirror" ist Murdochs "Sun" mit einer Auflage von mehr als vier Mill.Exemplaren.Im "Spiegel" hatte Murdoch gesagt, seine News Corporation werde alles tun, um ihre Position in Großbritannien zu verteidigen: "Es wird einen blutigen Kampf geben." Pläne für einen Einstieg in den deutschen Zeitungsmarkt bestritt er.

Der neue Vorstandsvorsitzende des Axel Springer Verlags, August Fischer, will das Verlagshaus in den kommenden zehn Jahren zu einem großen internationalen Medienhaus ausbauen.Springer ist der größte Zeitungsverlag Europas.Der Verlag mit seinen 12 300 Mitarbeitern erwirtschaftet aber nur 13 Prozent seines Umsatzes im Ausland.Er erzielte im vorigen Jahr bei 4,6 Mrd.DM Umsatz einen Jahresüberschuß von 210 Mill.DM.

Unterdessen hat der Medienkonzern Bertelsmann mitgeteilt, er führe keine Gespräche mit Rupert Murdoch über eine Neuordnung beim Privatsender Vox."Es gibt keine Verhandlungen", sagte Bertelsmann-Sprecher Manfred Harnischfeger am Montag in Köln."Wir gehen davon aus, daß die Verhältnisse bei Vox bleiben, wie sie sind." Murdoch, der am Wochenende ein umfangreiches Engagement bei Vox angekündigt hatte, habe seine Vorstellungen dargelegt."Er hat in den Wald hineingerufen, aber es wird kein Echo herauskommen", sagte Harnischfeger.

Murdoch hält über seinen Medienkonzern News Corp 49,9 Prozent an Vox.Die Bertelsmann-Beteiligung CLT-Ufa ist ebenso wie das französische Rundfunkunternehmen Canal Plus mit jeweils 24,9 Prozent an dem Kölner Sender beteiligt.Aus Anlaß seines ersten öffentlichen Auftritts in Deutschland hatte Murdoch angekündigt, er wolle Vox zu einem der führenden Sender ausbauen und dafür mehrere hundert Mill.DM bereitstellen.

Wenn Murdoch besondere Pläne habe, könne er sie im Gesellschafterkreis von Vox vortragen, sagte Harnischfeger dazu.Was der Mitgesellschafter Canal Plus mache, sei dessen Sache.Für den Fall, daß Canal Plus sich von Vox trennen wolle, müsse das Medienunternehmen aber Anteile zuerst an Bertelsmann abgeben."Wir haben ein Vorkaufsrecht", sagte Harnischfeger.

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