Wirtschaft : Springer wird Kirch nicht los

NAME

Von Henrik Mortsiefer

Alle hatten gedacht, dass am Dienstag die Fronten im Streit zwischen Leo Kirch und dem Springer Verlag geklärt würden und viele hatten vermutet, dass Kirch den letzten Akt im Verkaufsdrama um sein 40-Prozent-Paket am Medienhaus Springer verlieren würde. Springer hatte Kirchs Wunschkäufer, die Essener WAZ-Gruppe, abgelehnt. Die Gespräche mit der Schweizer Verlegerfamilie Ringier dagegen laufen prima.

Doch alle haben sich getäuscht. Pleitier Kirch wird seine Ankündigung wahr machen und versuchen, Springer mit in den Abgrund zu reißen. Er will Schadenersatz vom Springer-Verlag, dem er vorwirft, sein Medienreich mutwillig ruiniert zu haben.

Während hinter den Kulissen alles auf eine Allianz Springer-Ringier hinausläuft, bringt Kirch die WAZ noch einmal ins Spiel. Seine Strategie: Springer muss Kirch die Erlaubnis verweigern, seine Aktien an die WAZ zu verkaufen. Die unmögliche und im Grunde von allen ungewollte Offerte dient einzig dem Zweck, Springer zu schwächen und in einen Schadenersatzprozess zu zwingen. Die Gelassenheit, mit der der Verlag einem Einstieg Ringiers entgegen sieht, könnte verfrüht sein. Denn: Die neue Allianz wird, sollte sie tatsächlich zu Stande kommen, Leo Kirch so schnell nicht los.

Kirch hat eines deutlich gemacht: Er bleibt im Spiel. Die Springer-Beteiligung ist der Joker, mit dem der Unternehmer, dem immer vorgeworfen wurde, mit der letzten Karte hoch zu pokern, das Spiel noch einmal wenden will. Nur eine Posse? Vielleicht mehr. Denn solange Springer den Wütenden nicht befriedet, wird auch das Verlagshaus um Mathias Döpfner und Friede Springer nicht zur Ruhe kommen. Und nötig wäre das.

0 Kommentare

Neuester Kommentar