• „Springers Pläne sind nicht genehmigungsfähig“ Kartellamt: Fusion mit Pro Sieben bremst Wettbewerb

Wirtschaft : „Springers Pläne sind nicht genehmigungsfähig“ Kartellamt: Fusion mit Pro Sieben bremst Wettbewerb

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Herr Böge, Sie haben Bedenken wegen der Absicht der Axel Springer AG, ProSieben Sat1 zu kaufen. Warum sichern Sie Bertelsmann den Status quo als größter Medienkonzern, zu dem Springer nicht aufrücken darf?

Natürlich ist ein solches Aufrücken möglich. Allerdings nur, wenn es nicht zur Verstärkung marktbeherrschender Stellungen kommt. Dies wäre durch die Fusion aber auf drei Märkten der Fall: auf dem TV-Werbemarkt, dem Lesermarkt für Straßenverkaufszeitungen und dem bundesweiten Anzeigenmarkt für Zeitungen. Bertelsmann und Springer sind ja bereits miteinander verflochten: im Hörfunk (Radio Hamburg, Antenne Bayern), im Pressevertrieb, etwa in Leipzig, Berlin und in der Pfalz, sowie im Bereich Tiefdruck mit dem Unternehmen Prinovis. Die Erfahrung lehrt, und die Wettbewerbstheorie bestätigt, dass es innerhalb eines miteinander verflochtenen Duopols keinen Wettbewerb mehr gibt.

Es heißt, Springer wäre bereit, sich von Prinovis, den Radios und TV-Heften zu trennen. Würde Ihnen das reichen?

Ich werde heute sicherlich nicht über Überlegungen diskutieren können, die aus Sicht der Unternehmen zu einer möglichen Genehmigung unter Auflagen führen könnten. Ich möchte jedoch darauf hinweisen, dass wir es in diesem Fall mit drei Märkten zu tun haben, in denen wir Bedenken haben. Und genau in diesen drei Märkten müssen alle Bedenken ausgeräumt werden.

Das heißt, selbst dann blieben Ihre Bedenken in Bezug auf „Bild“ bestehen?

Das ist der logische Schluss, ja.

Warum sollte sich Springer entgehen lassen, mit Bertelsmann um den größtmöglichen wirtschaftlichen Erfolg zu konkurrieren?

Die Fusion mag betriebswirtschaftlich sinnvoll sein, volkswirtschaftlich wäre sie schädigend, also nicht genehmigungsfähig.

Erstmals betrachten Sie den Gesamtmarkt. Warum haben Sie das nicht früher getan?

Da besteht ein grundsätzliches Missverständnis. Wir müssen immer den relevanten Markt betrachten. Im Fall Springer mussten wir zu einer anderen Abgrenzung kommen, weil erstmals durch crossmediale Wirkungen bereits marktbeherrschende Positionen abgesichert werden könnten. Bei Straßenverkaufszeitungen hat Springer mit „Bild“ 80 Prozent Marktanteil. Diese Position darf nicht durch redaktionelle oder werbliche Unterstützung des Fernsehens verstärkt werden.

Im Anzeigenmarkt vergleichen Sie „Bild“ mit Blättern wie der „FAZ“. Springer sagt, etwa um die Anzeigen der Discounter konkurriere „Bild“ eher mit Regionalzeitungen.

„Bild“ und „Welt“ erreichen im bundesweiten Anzeigenmarkt einen Anteil von 40 Prozent. Das ist ein erheblicher Marktanteil, der nicht verstärkt werden dürfte.

Springer muss den Deal zügig verwirklichen, sonst werden zusätzliche Zahlungen fällig. Ändert sich etwas am Zeitplan?

Nein. Die Frist endet am 27. Dezember – es sei denn, Springer will eine Verlängerung.

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