Wirtschaft : Springt das Jump-Programm für junge Leute zu kurz?

BERLIN (wik).Auch in Berlin ist das neue Job-Programm für 100 000 Jugendliche der Bundesregierung voll angelaufen.Nach Angaben des Landesarbeitsamtes Berlin-Brandenburg sind in der Region bereits 11 000 Stellen für Jugendliche beispielsweise in den Bereichen Weiterbildung, Jobtraining und überbetriebliche Aubildungen eingerichtet worden.Das kurz mit Jump ("Jugend mit Perspektive") bezeichnete Programm könnte allerdings zu kurz springen, denn echte Ausbildungsplätze in den Betrieben sind weiterhin rar.Bisher fand innerhalb des Programms nur eine Handvoll Jugendlicher einen betrieblichen Arbeitsplatz.An der generellen Außbildungsmisere wird das Programm, so der Tenor der Experten, wenig ändern.

Von den zwei Milliarden Mark, die der Bund in das Jump-Programm steckt, erhalten die Länder Berlin und Brandenburg 291 Mio.DM.Bei der Besetzung der Stellen hat die Region bundesweit die Nase vorn.Nach Angaben von Klaus Clausnitzer, Präsident des Landesarbeitsamtes Berlin-Brandenburg, befinden sich von den 5700 besetzten Stellen in den Bundesländern 2300 in der Region."Wir sind da sehr frühzeitig eingestiegen", sagt Clausnitzer.Prinzipiell wolle man jedem Jugendlichen unter 25 Jahren, so Clausnitzer, ein entsprechendes Ausbildungsangebot machen.So befinden sich beispielsweise im Bereich des Arbeitsamtes Ost (Marzahn, Hellersdorf, Hohenschönhausen), in dessen Einzugsbereich derzeit über 4100 Jugendliche arbeitslos gemeldet sind, schon 200 Jugendliche in einer überbetrieblichen Ausbildung, die zumeist von freien Bildungsträgern angeboten wird.Weitere 1000 Stellen sollen nach Angaben dieses Arbeitsamtes noch im Bereich Qualifizierung und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen geschaffen werden.Ähnlich sieht es im Bereich des Arbeitsamtes Süd (Neukölln, Treptow, Köpenick, Tempelhof) aus, das mit 43 Mio.DM die höchste Förderung für ein Arbeitsamt in ganz Deutschland erhalten hat.Dort sind nach Angaben des Sprechers Uwe Mählmann bisher unter anderem 550 überbetriebliche Ausbildungsplätze geschaffen worden, von denen rund 450 schon mit Jugendlichen besetzt worden sind.

Die Werbung "richtiger" Arbeitsplätze für Jugendliche in Betrieben ist allerdings dort wie überall äußerst mühselig und weitgehend erfolglos.Ein Betrieb, der einen Arbeitnehmer unter 25 Jahren einstellt, kann innerhalb des Jump-Programms Lohnkostenzuschüsse von bis zu 60 Prozent erhalten.Bisher hat im Bereich des Arbeitsamtes Süd nach Angaben von dessen Direktor Dietmar Koeppen nur ein einziger Betrieb diese Förderung in Anspruch genommen.Weitere 12 Anträge liegen dem Arbeitsamt vor.Insgesamt hat das Arbeitsamt jedoch rund 400 Betriebe angeschrieben.

Ähnlich düster sieht es in anderen Arbeitsämtern aus, im Arbeitsamt Ost konnten bisher 11 Jugendliche in Betriebe vermittelt werden, im Arbeitsamt Südwest (Kreuzberg, Schöneberg, Wilmersdorf, Steglitz, Zehlendorf) noch keiner.Beide Ämter kündigten an, durch Werbeaktionen und "Runde Tische" künftig verstärkt auf die Arbeitgeber zuzugehen.Nichtsdestotrotz sind nach Angaben des Landesarbeitsamtes durch die Lohnkostenzuschüsse innerhalb des Jump-Programms landesweit erst 22 betriebliche Arbeitsplätze für junge Menschen entstanden.

Damit ist die Crux auch dieses Programms deutlich: Zwar werden genügend Jugendliche überbetrieblich ausgebildet, qualifiziert und weitergebildet, doch die Schwelle Richtung erster Arbeitsmarkt bleibt zu hoch.Das liegt hauptsächlich am grundsätzlichen Mangel an Ausbildungsplätzen, denn nur zwischen 25 und 30 Prozent der Betriebe, die ein Ausbildungs-Zertifikat besitzen, beschäftigen tatsächlich Lehrlinge.Aufgrund der demographischen Entwicklung wird diese Ausbildungsmisere nach Schätzung von Arbeitsamtspräsidenten Clausnitzer bis zum Jahr 2004/2005 anhalten.

Außerdem drängen mit den Schulabgängern immer mehr unversorgte Jugendliche auf den Arbeitsmarkt; nach Angaben des DGB-Landesverbandes sind rund 40 Prozent der Jugendlichen, die sich um einen Arbeitsplatz bemühen, Altbewerber.In den achtziger Jahren wurden laut DGB noch rund 70 Prozent der Lehrlinge nach dem Ende der Ausbildung vom Betrieb übernommen.Hinzu kommt auf Seiten der Arbeitgeber offenbar ein Informationsdefizit.Bei der Fülle der Förderprogramme würden die Betriebe oft nicht mehr durchblicken, meint Manfred Kern-Nelle, bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Leiter der Stabsstelle Volkswirtschaft.Außerdem würden die Unternehmen auf neue Programme immer verspätet reagieren.

0 Kommentare

Neuester Kommentar