Spritpreise : Wie die Konzerne Kasse machen

Auch wenn der Rohölpreis sinkt, das Benzin bleibt weiterhin teuer. Die Konzerne geben die Ersparnis nicht an die Autofahrer weiter, sondern erhöhen ihre Margen.

Kevin Hoffmann

Berlin - Mineralölexperten gehen davon aus, dass Konzerne die seit Wochen sinkenden Ölpreise dazu genutzt haben, ihre Margen an den deutschen Tankstellen zu erhöhen. Die sinkenden Preise wurden somit nicht in vollem Umfang an die Autofahrer weitergegeben.

Während die Preise für den Grundstoff Rohöl der Nordseesorte Brent in den vergangenen Wochen stetig gesunken sind und auch die Einkaufspreise für die Produkte Benzin und Diesel in Rotterdam im selben Zeitraum (auch währungsbereinigt) in der Tendenz nachgaben, erlebten die Autofahrer an den Tankstellen zuletzt deutlich schwankende und zum Teil sogar steigende Preise.

Im Juli hatte der Rohölpreis sein Rekordhoch erreicht, da zogen die Preise für Superbenzin und Diesel schnell nach und pendelten sich von Mitte Mai bis Mitte Juli deutlich über der Marke von 1,50 Euro ein (siehe Grafik). Diesel war im Mai sogar erstmals ein halbes Euro- Cent teuerer als Benzin. „Damals haben die Konzerne die Preise an den Zapfsäulen wahrscheinlich noch nicht genug erhöht. Die Marge war sicher rot“, sagt Rainer Wiek vom Energie Informationsdienst EID in Hamburg. Während des Hochsommers habe – entgegen populärerer Annahmen – niemand in Deutschland an der Tankstelle vom Rekordölpreis profitiert. „Aber ich nehme an, das versuchen die jetzt nachzuholen“, sagt Wiek.

Derzeit herrsche unter den Konzernen große Hektik im Markt, sagt der Experte. Der EID habe registriert, dass die Unternehmen im gesamten Jahr 2007 genau 125 Versuche unternahmen, die Preise an den Tankstellen anzuheben. In diesem Jahr habe es allein bis Ende Juli schon rund 100 Versuche gegeben – wovon freilich einige Preisrunden schnell zurückgenommen werden mussten. In Deutschland können Spritverkäufer nicht ohne Ende an der Schraube drehen, weil der Wettbewerb hier so intensiv ist. Das geht aus einem aktuellen Bericht der Beratungsgesellschaft Wood Mackenzie Opal hervor: Demzufolge verdiente ein Tankstellenbetreiber im ersten Halbjahr 2008 im Schnitt 7,22 Cent mit dem Verkauf eines Liters Superbenzin und 7,99 Cent bei Diesel. Nur in Schweden sei die Marge für die Unternehmen noch etwas geringer. In Norwegen können sie dagegen 17,24 Cent pro Liter Superbenzin und 20,11 Cent bei Diesel erlösen. „Das ist das Paradies für die Konzerne“, sagt Wiek. In Deutschland ist die Tankstellendichte viel höher.

Sigrid Pook vom Bundesverband Tankstellen und Gewerbliche Autowäsche (BTG) sagt, dass der Sommer vor allem für die freien Tankstellen extrem schwierig war – besonders im gesamten Norden Deutschlands. Dort habe vor allem der polnische Konzern PKN Orlen, der die „Star“-Tankstellen betreibt, den Wettbewerb verschärft. „Da mussten die Kleineren den Sprit teilweise zum Einkaufspreis abgeben.“ Jetzt dagegen, wo der Ölpreis etwas runtergeht, entspanne sich die Lage. Genaue Zahlen über die aktuellen Margen bei ihren rund 4500 Mitglieder im Verband habe sie nicht, sagt Pook. „Aber die letzten zwei Wochen habe ich keine Klagen am Telefon gehabt. Das ist meist ein gutes Zeichen.“

Dass es auch bei den großen Konzernen bei fallendem Ölpreis zuletzt besser lief, bestätigt auch Barbara Meyer-Bukow vom Mineralölwirtschaftsverband (MWV). „Das mit der Margenerhöhung hat ein paar Tage funktioniert. Aber jetzt zieht der Ölpreis ja wieder an.“ Sie verweist darauf, dass es ja auch der Euro zum Dollar stark geschwankt sei. Unterm Strich würden nur ein bis zwei Cent pro Liter beim Mineralölunternehmen bleiben. Sigrid Pook vom BTG glaubt aber: „Am Ende des Jahres werden alle auf ihre Kosten gekommen sein.“

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