Wirtschaft : Spritztour mit dem "Kanzler aller Autos"

STUTTGART .Die beiden großen Männer der deutschen Politik und Wirtschaft, Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) und Daimler-Chrysler-Vorstandschef Jürgen Schrempp, gaben sich entspannt, als sie den Journalisten gegenübertraten.Der Daimler-Konzernchef hatte allen Grund zur Freude.Endlich will auch Schröder einen Wagen mit dem Stern in seinen Fuhrpark aufnehmen.Bisher hielt er als einziger deutscher Bundeskanzler beharrlich daran fest, Audi, die Marke seines niedersächsischen Heimatkonzerns Volkswagen, zu fahren.Das nächste Auto, das angeschafft werde, sei ein Daimler, erklärte der Kanzler am Freitag bei seinem Besuch in der Zentrale des größten deutschen Industriekonzerns in Stuttgart.

Bisher habe er den Audi bevorzugt, weil es das einzige Auto sei, das in seinem Emblem vier Ringe habe, sagte er.Damit spielte der Kanzler schmunzelnd auf die Zahl seiner Ehen an.Er hoffe, daß VW-Chef Ferdinand Piëch nun nicht zu traurig sei.Ganz im Sinne seiner schwäbischen Gastgeber gab er sich aber bewußt sparsam: Er werde kein zusätzliches Auto anschaffen, aber wenn Ersatz her müsse, dann sei ein Daimler an der Reihe."Ich bin Kanzler aller Autos", sagte er lachend.Als besondere Geste des Konzerns durfte Schröder als erster in der neuen gepanzerten S-Klasse fahren.Der Daimler-Chrysler-Konzern will die Neuentwicklung im Frühjahr auf dem Genfer Automobilsalon präsentieren, sie ist noch nicht im Handel.Möglicherweise sollte das schon ein geschickter Schachzug sein, um den Kanzler auf den Geschmack der Luxus-Limousine zu bringen.Schrempp fuhr alles auf, was Daimler zu bieten hat: Eine Besichtigung des größten inländischen Pkw-Werkes in Sindelfingen und auch ein Modell des ersten Daimlers, eines dreirädrigen Benz-Patent-Motorenwagens von 1886.

Mit Lob sparte Schröder denn auch nicht.Er würdigte die Fusion von Daimler und Chrysler zum weltgrößten Industriekonzern als mutige Entscheidung."Man spürt hier im Unternehmen, daß Mut auch zu Erfolg führen kann".Es seien nicht nur zwei Unternehmen, sondern zwei Kulturen zusammengeführt worden.Das spezifisch Deutsche an Daimler müsse aber beibehalten werden, mahnte der Kanzler mit Blick auf die Mitbestimmung im Unternehmen.

Entgegenkommen auch bei Schrempp: Nur ein ertragsstarkes Unternehmen sei ein soziales Unternehmen, sagte der Konzernchef."Wir unterstützen daher das Bündnis für Arbeit sehr und hoffen auf entsprechende Ergebnisse."

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