Sri Lanka : An der maritimen Seidenstraße

Sri Lanka stellt sich mit viel Schwung und Perspektiven in Berlin als Investitionsstandort vor.

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Zwischen Tourismus und Handel. Urlauber spazieren am Strand von Colombo in Sri Lanka, während im Hintergrund an der großen Hafen-City gebaut wird.
Zwischen Tourismus und Handel. Urlauber spazieren am Strand von Colombo in Sri Lanka, während im Hintergrund an der großen...Foto: REUTERS

Hat die blonde Enddreißigerin Drogen genommen? Ist ihr die Hitze der Tropen nicht bekommen? Mancher der rund 300 Teilnehmer des deutsch-sri-lankischen Wirtschaftsforums in Berlin fühlte sich in eine Märchenwelt versetzt, als Annette Heimlicher, Chefin des Schweizer Positionssensorenherstellers Contrinex, von ihren Ansiedlungs-Erfahrungen mit der neuen Regierung der Insel im Indischen Ozean schwärmte. Anfang 2015 suchte das 550 Mitarbeiter zählende Hightech-Unternehmen, das bereits in China und Ungarn produziert, dringend einen weiteren Standort. Im Februar sei die Entscheidung für eine Produktion in Sri Lanka gefallen, im April öffnete die Fabrik, im Mai wurden die ersten Produkte ausgeliefert. 120 Mitarbeiter haben sie dort, Sri Lanka biete einen unvergleichlichen Pool gut ausgebildeter Talente.

„Das ist in keinem anderen Land auf der Welt möglich“, schloss Heimlicher ihre Erfolgsstory mit Dank ans Ansiedlungsteam der Regierung. Für die setzte der Minister für Entwicklung und Handel, Malik Samarawickrama, noch einen drauf: Sie selbst seien mit dem Tempo noch nicht zufrieden. Ob das jemand vom Berliner Senat gehört hat?

Neue Regierung, neue Pläne

Sri Lanka, das lange vor allem mit dem blutigen Bürgerkrieg im Norden sowie dem autokratisch regierenden Präsidenten Rajapaksa international auffiel und entsprechend isoliert war, hat unter der neuen Regierung ehrgeizige Pläne; und zwar weit darüber hinaus, nur noch mehr Touristen anzuziehen. Der private Sektor soll die Lokomotive sein. Das bilaterale Handelsvolumen mit Deutschland betrug 2014 insgesamt 691,4 Millionen Euro, davon entfielen 473,3 Millionen auf deutsche Importe aus Sri Lanka, 218,1 Millionen Euro auf Exporte auf die Insel. Gummi, Fisch, Obst, Früchte, Gewürze und für die Pharmaindustrie interessante Pflanzen hat das Land zu bieten – und einen riesigen Bedarf an Infrastruktur.

Foto: Tsp

Und so schauten denn auch mehrere Minister für eine Diskussion und auch Präsident Maithripala Sirisena persönlich im traditionellen weißen Gewand mit Sarong für ein halbes Stündchen beim Wirtschaftsforum Ende der vergangenen Woche vorbei. Im Rausch seiner paradiesischen Schilderung ließ das Finanzministerium wohl das eine oder andere Land außer Acht, als es mit 15 Prozent kurzerhand die „niedrigsten Steuersätze der Welt“ versprach.

Deutsche Entwicklungsgelder für Fachkräfteausbildung

Über den seit einem Jahr regierenden Hoffnungsträger Sirisena und seinen neuen Kurs ist offenkundig auch die Bundesregierung froh, wie bei seinem ersten offiziellen Besuch deutlich wurde. Bundeskanzlerin Angela Merkel nannte seinen Weg ermutigend, machte aber auch deutlich, dass sie erwartet, dass der Versöhnungsprozess mit den Tamilen „unumkehrbar und nachhaltig“ sein werde. Im Mai wird eine deutsche Wirtschaftsdelegation nach Colombo reisen, im Fokus dabei: Erneuerbare Energien, Wasserkraftwerke, industrielle Produktion. Mit deutschen Entwicklungsgeldern wird bereits die Ausbildung von Hotelfachkräften unterstützt. Merkel will nun auch darüber reden, wieder Sonderpräferenzen für die Textilwirtschaft zu gewähren.

Der deutsche Entwicklungs-Staatssekretär Uwe Beckmeyer lobte Sri Lankas Neuorientierung Richtung Westen, ließ aber durchblicken, dass die Regierung noch einige Reformen auch zum Wohle der eigenen Bevölkerung angehen müsse, um das Vertrauen zu rechtfertigen und auch deutsche Firmen noch mehr dort investierten. Wenn es gut laufe, könnte es indes wohl bald auch ein Handelskammerbüro dort geben.

Hafen-City in Colombo geplant

Minister Samarawickrama hatte zuvor das Hohelied auf Deutschland als das Vorbild seines Landes gesungen, das er als aufstrebenden Standort sieht. Auch wegen der Lage an der „maritimen Seidenstraße“, wodurch eine Verbindung mit Indien, Pakistan und China entstehe und damit ein Markt mit drei Milliarden Menschen. Die neue „Megapolis“ Colombo sei mit guten Schulen, schöner Landschaft, Leuten und der Luftqualität sehr familienfreundlich, lächelte er ins Publikum, das die Anspielung auf den ständigen Smog von Delhi und Peking verstand.

Während der Präsident im Wahlkampf noch heftig gegen die von den Vorgängern mit China geplante sogenannte Hafen-City in der Hauptstadt und das Hafenprojekt in Rajapaksas Heimat im Süden gewettert hatte, werden nun beide Projekte weitergeführt. Die Hafen-City in Colombo sei umweltfreundlicher abgespeckt worden und die Konditionen in den Verträgen zugunsten Sri Lankas geändert worden, hieß es nun.

Sorgen um Tourismus und Energie

Dem einen oder anderen Vertreter kleinerer Start-ups, die auf anspruchsvolle Individualtouristen auf der Suche nach einer gewissen Ursprünglichkeit setzen, wurde angesichts der Pläne angst und bange. Wird Sri Lanka in zehn Jahren noch die liebenswerte Insel sein, die deutsche Urlauber so schätzen? Und einige Geschäftsleute mit Produktionsinteressen sorgten sich, ob die Energieversorgung trotz neuer Kraftwerke Schritt halten kann und die Strompreise bezahlbar bleiben.

Aber nicht nur die Mittelständlerin Heimlicher glaubt an gute Geschäfte. Auch Siemens, das bereits seit 50 Jahren in Sri Lanka ist, rechnet mit lukrativen Investments aufgrund der neuen Goldgräberstimmung. Der Leiter der Stadtentwicklungssparte des Konzerns verteilte auf dem Forum frohen Mutes Hochglanzbroschüren zur technischen Unterstützung der Megapolis-Pläne. „Jetzt wird es in Sri Lanka wirklich spannend“, glaubt der Siemens-Manager.

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