Wirtschaft : SSV: Bitte mehr vom Schlussverkauf (Kommentar)

Margarita Chiari

Der Streit kehrt mit Regelmäßigkeit wieder - wie der Schlussverkauf. Pünktlich dann, wenn die Schnäppchenjäger die Läden stürmen, taucht die Frage nach dem Sinn des Schlussverkaufs auf. Ein "wichtiger Umsatzfaktor" sei er, sagen die einen, "Dummenfang" nennen ihn die anderen. Und beide haben irgendwie Recht. Denn in der Tat dürfte es sich mittlerweile herumgesprochen haben, dass längst nicht alles, was da unter dem Motto "Abverkauf des Lagerbestandes" angeboten wird, auch als solcher zu bezeichnen ist. Viele Billigwaren werden von den Händlern speziell für die beiden Schlusswochen geordert, und so manches hart eroberte Schnäppchen entpuppt sich später doch als teurer Nepp. Die besten Angebote, das wissen die Kundigen, gehen in der Regel schon Wochen vor dem offiziellen Schlussverkauf über den Ladentisch. Das Nachsehen haben die, die den Terminen noch vertrauen. Und welchen Sinn hat ein Schlussverkauf noch, wenn die gleichen Waren schon jetzt billiger im Internet zu finden sind - und zwar das ganze Jahr über? Was sollen noch die starren Regeln, wenn mit dem sicheren Wegfall von Rabattgesetz und Zugabeverordnung das Feilschen in deutschen Landen ohnedies legal Einkehr halten wird? Der Schlussverkauf zu festen Terminen, zweimal im Jahr, ohne Rücksicht auf Wetter und Ferientermine hat sich überlebt. Nichts wie weg also mit dem alten Dummenfang?

Ein Blick auf das alljährliche Schauspiel sollte die Kritiker belehren. Allen Warnungen zum Trotz lassen sich die Verbraucher vom Erlebnis Schlussverkauf nicht abhalten. Sicher ist manche Regel für den Schlussverkauf unsinnig, wie etwa die Beschränkung auf so genannte Saisonwaren. Doch statt ihn abzuschaffen, sollte man vielmehr darüber nachdenken, den Schlussverkauf zu erweitern. Mehr davon, bitte. Warum denn nicht auch vier Mal im Jahr? Ein bisschen Spaß muss erlaubt sein.

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