Wirtschaft : Staatliche Sicherheitsgarantien: Die Spargroschen sind fast so sicher wie bisher

mo/dr

Die deutsche Bankenlandschaft verändert sich. Die staatlichen Sicherheitsgarantien für Landesbanken und Sparkassen entfallen. Die Institute sind in Zukunft stärker dem Wettbewerb ausgesetzt. Damit herrscht auf dem deutschen Bankenmarkt Chancengleichheit. Was bedeutet das für den Sparkassen-Kunden? Bleibt das Sparbuch attraktiv? Werden Kredite teurer? Die jüngste Brüsseler Entscheidung vom Dienstag wirft viele Fragen auf. Wir beantworten die wichtigsten.

Wie attraktiv bleibt das Sparbuch?

Auf die Sparzinsen hat die Entscheidung von Brüssel keinen Einfluss. Sie bleiben so hoch beziehungsweise so niedrig wie bisher. Die Sparkassen und Landesbanken müssen sich wie die private Konkurrenz nach dem Markt richten.

Sind meine Ersparnisse sicher?

Die Spargroschen sind fast so sicher wie bisher. Zurzeit gibt es schon regionale Einlagensicherungsfonds, die im Ernstfall von in Bedrängnis geratenen Instituten angezapft werden können. Der Deutsche Sparkassen- und Giroverband arbeitet zudem an neuen/zusätzlichen Sicherungsinstrumenten. So soll die bisherige Staatshaftung kompensiert werden. Allerdings fehlt in Zukunft der Vollschutz durch den Staat, wenn einem Institut Konkurs droht.

Werden die Kredite teurer?

Voraussichtlich nicht. Zwar haben die Sparkassen und Landesbanken bisher von ihren staatlichen Sicherheiten finanziell profitiert. Sie konnten sich am Kapitalmarkt billiger als die privaten Banken refinanzieren. Wie hoch der Vorteil im Einzelfall tatsächlich ist, ist zwischen Privatbanken und Sparkassen umstritten. Wo Vorteile bislang bestehen, wird die Refinanzierung für die Sparkassen teurer. Ihre höheren Kosten kann die Bank aber nicht in jedem Fall auf den Kunden abwälzen. Der zunehmende Wettbewerb dürfte dies verhindern. Schon heute sind Sparkassen-Konditionen in aller Regel nicht attraktiver als die der Konkurrenten.

Was wird aus den Konten für sozial Schwache?

Die so genannten Guthabenkonten, Pflichtkonten für mittellose Bürger, sind nicht in Gefahr.

Kommt es zu einer Fusionswelle?

Wie im privaten Bankgewerbe gibt es auch im öffentlich-rechtlichen Bankensektor aus Rentabilitätsgründen den Trend zu größeren Einheiten. Bisher scheiterten Fusionsabsichten meist an politischen Widerständen. Durch den Brüsseler Kompromiss müssen die Sparkassen wettbewerbsfähiger werden. Das verstärkt die Bemühungen um größere Verbünde.

Werden Filialen geschlossen?

Die Sparkassen werden sich aus der Fläche nicht zurückziehen. Sie sind zur Aktivität in der Region durch das so genannte Regionalprinzip verpflichtet. Allerdings gibt es auch bei den Sparkassen eine Konzentration auf wichtigere Standorte. Geldautomaten und Electronic Banking geben die Richtung an. Schon heute wickeln beispielsweise 15 Prozent der Kunden der Stadtsparkasse Köln ihre Geschäfte über das Internet ab. 75 Prozent aller Geldabhebungen erfolgen hier am Automaten.

Droht der Abbau von Arbeitsplätzen?

Bei zunehmendem Wettbewerb kann es zu einem Abbau von Arbeitsplätzen kommen. Berichte über den bevorstehenden Abbau von 10 000 bis 20 000 Stellen werden von den Sparkassen aber als Unsinn bezeichnet.

Werden die Mitarbeiter weniger verdienen?

Die Höhe der Gehälter wird wie bisher im Tarifvertrag geregelt.

Werden die Institute jetzt privatisiert?

Das ist nicht vorgesehen. Kommunen, Länder und Sparkassenverbände bleiben weiterhin öffentliche Träger von Sparkassen und Landesbanken. Allerdings wird verschiedentlich an die Öffnung des Eigentümerkreises gedacht. Die Bayern etwa planen ihre Landesbank einer Finanzholding AG unterzuordnen. Die Holding ließe Platz für neue Eigner. Das können im Prinzip auch private Banken oder Versicherungen sein.

Bleibt der Name Sparkasse erhalten?

Ja, aber die Gesellschaftsform kann sich ändern.

Was heißt eigentlich staatliche Sicherheitsgarantie?

Sparkassen und Landesbanken haben mit dem Staat eine starke Sicherheit im Rücken. Er muss die nötigen Mittel für den Betrieb garantieren (Anstaltslast) und im Falle einer drohenden Pleite (Gewährträgerhaftung) einspringen.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben