Wirtschaft : Staatsanwalt beantragt fast acht Jahre Haft

ROLF OBERTREIS

Haike: Wegen schweren Betrugs und Kreditbetrugs sieben Jahre und neun Monate für SchneiderVon ROLF OBERTREIS

FRANKFURT/MAIN. Jürgen Schneider soll wegen schweren Betrugs und wegen Kreditbetrugs sieben Jahre und neun Monate hinter Gitter.Für diese Gesamtstrafe plädierte am Freitag Staatsanwalt Dieter Haike.Schneider habe die Banken "mit VorsatzÒ getäuscht und sich mit gefälschten Bauplänen, falschen Angaben zu Mieteinnahmen und mit Scheinrechnungen Millionenkredite verschafft.Der ehemalige Immobilienunternehmer habe mit "allen TricksÒ gearbeitet.Daß die Banken ihm sein Vorgehen nicht schwer gemacht hätten, spiele bei der rechtlichen Bewertung der Taten keine Rolle, meinte Haike.Der Staatsanwalt hält Schneider allerdings seine Geständnisse zugute und die Tatsache, daß er im Prozeßverlauf die alleinige Verantwortung übernommen hat. Haike hielt am 38.Verhandlungstag des Prozesses um die größte Immobilienpleite in der Bundesrepublik dem 63jährigen Angeklagten vor, schon in den achtziger Jahren seine Betrugspläne geschmiedet zu haben."Muß Firmen bescheißen, durch Finanzierungsbeschiß verdienen, Flächen hochjubeln, Banken schröpfen, wo es und so schnell es gehtÒ, all das habe sich Schneider bereits 1986 notiert.Er sei in keinem einzigen Fall in Gesetzesverstöße "hineingerutschtÒ, sondern habe es darauf angelegt. Ende 1988 hat Schneider nach Ansicht der Staatsanwaltschaft mit der Zeilgalerie in Frankfurt begonnen.Dort ergatterte er sich durch gefälschte Unterlagen bis Anfang 1993 rund 370 Mill.DM an Krediten von der Deutschen Centralboden, einer Tochter der Deutschen Bank.Im Prozeß ging es allerdings nur um einen weiteren Kredit über 45 Mill.DM, der Schneider im August 1992 ausgezahlt wurde.Hier habe er Mieterlisten und -verträge und Unterschriften zum Teil so geschickt gefälscht, daß sie selbst von Experten im Gerichtssaal kaum erkannt wurden.Schneider habe mit Vorsatz agiert und "darauf vertraut, daß die Banken zu dumm und zu faul sind.Ò Der Schaden in diesem Fall belaufe sich auf 45 Mill.DM.Im Zusammenhang mit der Zeilgalerie beantragte Haike für Schneiders mitangeklagten ehemaligen Bauzeichner Heinrich Küpferle eine Strafe von neun Monaten auf Bewährung verbunden mit einer Geldstrafe von 5000 DM. Im Fall des Leipziger Meßpalastes habe Schneider 1991 ebenfalls gefälschte Dokumente über angebliche Auffindungszahlungen vorgelegt, um einen Kredit von 121 Mill.DM zu erlangen.Den Schaden beziffert Haike auf 28 Mill.DM.Durch falsche Angaben bei einem Kredit für die Mädler-Passage in Leipzig habe Schneider einen Schaden von 32 Mill.DM verursacht.Im Zusammenhang mit einem Kredit von 131 Mill.DM von der NordLB für das Objekt Tauentzienstraße 7b/c in Berlin hält Haike Schneider vor, einen gefälschten Vertrag über 68 Mill.DM zwischen zwei seiner eigenen Firmen vorgelegt zu haben.Den zuständigen Kreditsachbearbeiter habe er dabei "vollgeschwätztÒ und mit "Tricks aus dem VariéteÒ reingelegt.Den Schaden bezifferte Haike auf 48 Mill.DM.Auch beim Objekt Kurfürsteneck in Berlin habe Schneider falsche Angaben über Abfindungen von 160 Mill.DM präsentiert und dadurch einen Kredit von 325 Mill.DM von der Dresdner Bank bekommen. Haike, der in seinem zweistündigen Plädoyer äußerst sachlich argumentierte, betonte, es gehe es ihm nicht darum, "die Fehler der Banken zu beschönigen.Ò Aber nach den Erkenntnissen aus dem Prozeß hätten sie von Schneiders Betrügereien nichts gewußt.Auch lückenhafte Kontrollen würden Betrug in besonders schwerem Fall nicht ausschließen.Haike kritisierte mit deutlichen Worten das Bundesaufsichtsamt für das Kreditwesen in Berlin.Nur mit schwammigen Worten und in "PostwurfsendungenÒ habe man den Banken nach der Schneider-Pleite Vorhaltungen gemacht."Die haben laut geschrien, aber nichts getanÒ, meinte Haike. Eckart Hild, einer der drei Verteidiger Schneiders, bezeichnete das Plädoyer Haikes als sehr sachlich.Er und seine Kollegen sähen allerdings keinen schweren Betrug.Zur möglichen Strafe sagte Hild nichts.Er gönne es Schneider aber, wenn er Weihnachten zuhause sein könne.Hilds Kollege Christoph Rückel hat da noch Zweifel.Mit Blick auf Schneiders für kommenden Mittwoch geplantes Schlußwort meinte er gestern zu seinem Mandanten: "Sie müssen aus Ihrer Seele raus.Ò

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