Staatsanwaltschaft Bochum : Spezialität: Große Fische

Die Bochumer Staatsanwälte haben schon eine Reihe von Steuerhinterziehungsfällen aufgeklärt. Sie gelten als sehr hartnäckig und kennen nicht etwas wie einen Promibonus.

Jan Keuchel (HB)

Bochum - Ihre Namen stehen bereits in Verbindung mit der Aufklärung zahlreicher großer Steuerhinterziehungsfälle. Eduard Gürhoff und Margit Lichtinghagen, die im Verfahren gegen Post-Chef Klaus Zumwinkel federführend sind, Hans-Ulrich Krück und Bernd Bienioßek: Die Arbeit der Bochumer Staatsanwaltschaft brachte dem deutschen Fiskus schon mehrere Milliarden Euro ein. Der Fall Zumwinkel nun könnte der Coup ihres Lebens werden – auch wenn sie schon geübt im Umgang sind mit großen Fischen. Da waren zum Beispiel die Batliner-Fälle.

Herbert Batliner, fintenreicher Treuhänder aus Liechtenstein, hatte vor Jahren deutschen Drückebergern in 200 Fällen Beihilfe zur Steuerhinterziehung geleistet, indem er ihr Geld in heimischen Stiftungen verschwinden ließ. Das Geld und mit ihm die Namen der Sünder tauchten erst wieder auf, als bei den Bochumer Verfolgern eine CD-Rom mit allen Daten im Briefkasten lag. Batliner selbst musste eine siebenstellige Summe zahlen, damit sein Verfahren eingestellt wurde. Zumwinkels Fall habe aber nichts mit Batliner zu tun, sagt Bienioßek. „Diese Verfahren sind abgearbeitet.“

Vor allem Lichtinghagen und Bienioßek gelten als harte und hartnäckige Ermittler, die weder Verhaftungen noch das Rampenlicht scheuen. Die 53-jährige Lichtinghagen bezeichnet Steuerhinterzieher schon mal medienwirksam als „Sozialschädlinge“. Und wenn es sein muss, rückt sie auch Prominenten mit Durchsuchungsbeschlüssen auf die Pelle, etwa der TV-Ärztin Antje-Katrin Kühnemann.

Bienioßek, der stets entspannt wirkende Bartträger, hat ebenfalls schon eine Menge Elend erlebt. Den Niedergang von Markus Scheer, dem Moorhuhn-Erfinder, etwa oder den Selbstmord des wegen Betrugs inhaftierten ehemaligen Oberstadtdirektors von Bonn, Dieter Diekmann. Derzeit kümmert sich Bienioßek um Strafanzeigen gegen Nokia wegen angeblichen Subventionsbetrugs.

Warum der lange so blitzsauber wirkende Zumwinkel, der seinen Millionenbetrug bereits zugegeben haben soll, nicht von der vor Jahren möglichen Steueramnestie Gebrauch gemacht hat? Dazu will Strafverfolger Bienioßek nichts sagen. Schließlich habe er noch nicht einmal den Namen Zumwinkel in den Mund genommen. Aber, mal so ganz abstrakt: „Manche agieren halt nach dem Motto: Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Jan Keuchel (HB)

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