Wirtschaft : Staatsanwaltschaft in Bochum spricht im Fall Roland Ernst von Millionenbetrug und Untreue

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Der Heidelberger Bauträger Roland Ernst ist bereits am Sonnabend wegen des Verdachts des Millionenbetruges verhaftet worden. Der Sprecher des Staatsanwaltschaft für Wirtschaftskriminalität in Bochum, Eduard Güroff, bestätigte am Montag, der Investor werde des Betrugs und der Untreue in mindestens drei Fällen beschuldigt. Der Haftbefehl sei wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr ergangen. Weitere Einzelheiten nannte Güroff nicht. Dem Vernehmen nach soll es aber um Schmiergeldzahlungen in Millionenhöhe gehen. Zu diesem Zweck seien "Scheingeschäfte" abgeschlossen worden.

Auch der Sprecher der Ernst-Gesellschaft Adler Real Estate AG in Frankfurt (Main), Jörg Bretscheider, konnte auf Anfrage in Hamburg keine Einzelheiten nennen. Er habe den Haftbefehl nicht gesehen, so Bretschneider. Ihm sei nur bekannt, dass dem Unternehmer Unregelmäßigkeiten bei der Abwicklung von früheren Immobilengeschäften vorgeworfen würden. Die Anwälte von Ernst seien in Bochum, um mit der Staatsanwaltschaft zu verhandeln und eine Haftverschonung zu erreichen. Der Aufsichtsrat von Adler habe Ernst auf eigenen Wunsch als Vorstandsvorsitzenden der Gesellschaft beurlaubt.

In die Adler Real Estate hatte Roland Ernst zum Ende des vergangenen Jahres einen Großteil seiner Projekte aus der Roland-Ernst-Unternehmensgruppe eingebracht. Ernst gehören 48 Prozent an Adler. Knapp 51 Prozent gehören der HB AG in Hamburg, der Rest freien Aktionären. Zu den Großprojekten zählen die Bebauung der ICE-Platte in Frankfurt (Main) (hier entfallen auf Adler, die IVG und Bilfinger und Berger jeweils ein Drittel), der fast fertiggestellte Neubau der Deutsche Börse in Frankfurt (Main) und ein Stadteilzentrum am Rande des neuen Messegeländes in München-Riem. An diesem Projekt sind Adler und die Philip Holzmann AG mit jeweils einem Drittel beteiligt. Inzwischen verkauft worden ist das ehemalige Adler-Projekt, der Neubau am Kranzler-Eck in Berlin.

Immer wieder war Ernst in der Öffentlichkeit mit Unregelmäßigkeiten in Verbindung gebracht worden. Bereits im Juni vergangenen Jahres war der Unternehmer im Zusammenhang mit dem 289 Millionen Mark teuren Verkauf des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit in Bonn an eine Käufergemeinschaft bestehend aus Baeyrischer Beamtenversicherung, Deutscher Pfandbriefanstalt und der Veba Immobilien AG in die Schlagzeilen geraten. Bei dem Verkauf des von Ernst zusammen mit dem Bonner Bauträger Kaaf errichteten Bonner Bürohauses waren Schwarzgelder in Höhe von rund sechs Millionen Mark geflossen.

Ebenfalls in Haft sitzt in Bochum der Heidelberger Rechtsanwalt Thomas Gatzka, der auch für Roland Ernst tätig geworden sein soll. Der "Focus" bezeichnete Gatzka als Schlüsselfigur einer Schmiergeld-Connection", die sich in ganz Deutschland selkbst bedinet habe. Zu den Projekten, die in diesem Zusammenhang untersucht werden, gehört auch das Potsdam Center und das ehemalige Entwicklungshilfeministerium in Bonn. Im letzteren Fall soll Ernst allerdings selbst zu den Geschädigten gehört haben.

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