• Staatsbesuch Chatamis: Teppiche und Südfrüchte - Im letzten Jahr erreichte der Handel mit Iran seinen Tiefststand

Wirtschaft : Staatsbesuch Chatamis: Teppiche und Südfrüchte - Im letzten Jahr erreichte der Handel mit Iran seinen Tiefststand

cvm

Im Fall des Iran lässt sich der Vorwurf, die Bundesregierung sehe aus Rücksicht auf die Wirtschaftsinteressen über schwere Menschenrechtsverletzungen hinweg, zahlenmäßig nicht belegen. Das Land rangiert nur auf Platz 50 der deutschen Außenhandelsstatistik, obwohl es mit 60 Millionen Einwohnern einer der potenziell attraktivsten Märkte im Mittleren Osten ist. Das iranische Rohöl ist mit einem Anteil von 0,8 Prozent an der deutschen Versorgung unerheblich. Wenn ökonomische Abhängigkeiten eine politische Rolle spielen könnten, dann umgekehrt: Für Iran ist Deutschland der wichtigste Lieferant (Maschinen, Elektrotechnik, Chemie-Erzeugnisse) und zugleich der größte Abnehmer iranischer Nicht-Öl-Produkte (Teppiche und Südfrüchte).

In der politischen Eiszeit durch den Mykonos-Prozess und den Fall Hofer ging der Handel drastisch zurück und erreichte 1999 mit 3,1 Milliarden Mark einen langjährigen Tiefstand - ein Drittel des Werts von 1992. Darunter litt vor allem das Ausmaß des traditionellen deutschen Exportüberschusses, die Ausfuhren sanken von acht Milliarden Mark 1992 auf 2,2 Milliarden Mark 1999, die deutschen Importe aus Iran pendeln seit Jahren um eine Milliarde Mark. Gleichwohl blieb die Bundesregierung restriktiv bei Hermes-Krediten und der Exportkontrolle sensibler Güter. Anders als die USA verfolgte sie aber keine Embargo-Politik. Parallel zur politischen Entspannung wächst der Handel nun wieder: im ersten Quartal 2000 um 40 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Nach der Freilassung Hofers Anfang Januar wurde die Hermes-Politik leicht geöffnet. Die von Iran gewünschte Wirtschaftsförderung kam bei Außenminister Fischers Besuch in Teheran noch nicht ausführlich zur Sprache.

Ausländische Investitionen hat Iran seit 1994 wieder zugelassen, 19 deutsche Unternehmen haben inzwischen Beteiligungen in den Branchen Elektrotechnik, Luftfahrt und Chemie. An der Expo 2000 nimmt Iran teil.

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