Staatsfonds : Araber verlangen mehr deutsches Engagement

Arabische Staatsfonds wollen künftig ihre Beteiligungen an deutschen Unternehmen verstärkt an Investitionen im Nahen Osten knüpfen.

Abu Dhabi -  „Wir hoffen, dass sich deutsche Firmen mehr am Persischen Golf engagieren und hier auch produzieren“, sagte Mohamed Badawy al Husseiny, Finanzchef des Daimler-Großaktionärs Aabar, dem „Handelsblatt“. Al Husseiny besuchte am Wochenende mit Vertretern weiterer Staatsfonds aus Abu Dhabi einen Investment-Workshop, an dem auch Bundeswirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) und eine Delegation deutscher Unternehmer teilnahmen.

Attraktive Schlüsselbranchen in Deutschland seien die Sektoren Auto, Energie, Finanzen und Immobilien, sagte al Husseiny. „Sobald sich Gelegenheiten ergeben, werden wir einen Einstieg prüfen“, sagte der Aabar-Manager. Alle weiteren Autoinvestitionen in Deutschland – auch bei Zulieferfirmen – liefen über Daimler. Aabar würde es begrüßen, wenn Daimler ein Entwicklungszentrum in Abu Dhabi, dem Sitz des Fonds, bauen könnte.

Gegenwärtig haben die fünf größten Staatsfonds aus dem Nahen Osten rund 16 Milliarden Euro in europäische Unternehmen investiert. Dabei liegt Großbritannien mit 57 Prozent auf Platz eins, gefolgt von Deutschland (19 Prozent) und der Schweiz (18 Prozent). Die Schlüsselbranchen sind Finanzen, Energie und Automobil. Die Gesellschaft mit dem größten Anlagevolumen in Europa ist die Kuwait Investment Authority, die Anteile an Daimler, BP und Vodafone hat. Die Qatar Investment Authority ist an der Credit Suisse und an Barclays beteiligt. Aabar aus Abu Dhabi hat Kapital in Daimler und in die AIG Private Bank in der Schweiz gesteckt.

Deutsche Teilnehmer des Workshops sprachen von einer Trendwende im Anlageverhalten der Araber. „Investoren gehen in deutsche Unternehmen, um in der Region einen Industrialisierungsprozess in Gang zu setzen“, sagte Michael Pfeiffer von Germany Trade and Invest. Das sei vor einem Jahr noch nicht so gewesen. Arabische Staatsfonds seien in Deutschland besonders an den Bereichen erneuerbare Energien, Petrochemie, Gesundheit und Ausbildung interessiert.

Wirtschaftsminister Guttenberg ermunterte die arabischen Staatsfonds zu mehr Anlagen in Deutschland. „Ausländische Investoren und Shareholder sind bei uns herzlich willkommen“, sagte der Minister. Deutschland werde gestärkt aus der Finanzkrise hervorgehen.

Deutsche Firmen, die auf der arabischen Halbinsel aktiv sind, bestätigten die gestiegene Erwartungshaltung der Scheichs. „Wir werden künftig erheblich mehr zur lokalen Wertschöpfung beitragen müssen“, sagte Erich Kaeser, Siemens-Chef für den Nahen Osten.

Nach Einschätzung deutscher Unternehmer ist die Investitionsbereitschaft der Öl- und Gas-Großmächte aufgrund der Rohstoffeinnahmen der vergangenen Jahre ungebrochen. So wollen die VAE bis Ende 2012 rund 600 Milliarden Dollar in Infrastruktur-Projekte stecken, Saudi-Arabien hat 400 Milliarden Dollar angekündigt. bac (HB)

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