Staatshilfe : GM und Chrysler fordern weitere Milliarden

Der US-Autohersteller General Motors fordert in seinem Sanierungskonzept insgesamt bis zu 30 Milliarden Dollar an Staatshilfen von der US-Regierung. Die Pläne für Opel ließ der Konzern offen. Weltweit will GM 47.000 Mitarbeiter entlassen.

Detroit/Washington/HamburgDer US-Autobauer General Motors (GM) benötigt in seinem Überlebenskampf neue enorme Milliardenkredite und bringt die deutsche Tochter Opel immer mehr in Gefahr. In seinem der US-Regierung vorgelegten Sanierungsplan verlangt GM insgesamt bis zu 30 Milliarden Dollar (23,7 Milliarden Euro).

30 Milliarden Dollar seien der schlimmste Fall, legte GM in seinem Sanierungsplan für das US-Finanzministerium dar. Bei einer weniger schlechten wirtschaftlichen Entwicklung würden nur 22,5 Milliarden Dollar benötigt. Bislang hatte GM zwei Kredite von rund 13,4 Milliarden Dollar zugesagt bekommen, nun fordert der Konzern zur Überbrückung bis 2011 bis zu weitere 16,6 Milliarden Dollar. Ein Insolvenzverfahren würde dagegen laut GM viel teurer werden und bis zu 100 Milliarden Dollar kosten.

Auch Wettbewerber Chrysler will weitere Milliardenhilfen - über die bisherigen vier Milliarden Dollar hinaus weitere fünf Milliarden. Ohne weiteres Geld drohe die rasche Pleite, warnten beide Hersteller. Der zweitgrößte US-Autobauer Ford will trotz Milliardenverlusten ohne Staatsgelder auskommen. Chrysler gehört überwiegend dem US-Finanzinvestor Cerberus. Knapp 20 Prozent hält noch der deutsche Daimler-Konzern, der sich von seinem Anteil aber so schnell wie möglich trennen will.

Zukunft von Opel offen - "Wir sind mitten in Gesprächen"

Die Zukunft der deutschen Tochter Opel ließ GM-Chef Rick Wagoner bei einer Pressekonferenz am Dienstagabend (Ortszeit) in Detroit offen. "Wir sind mittendrin, mit verschiedenen Seiten zu sprechen, darunter auch die deutsche Regierung", sagte er. GM höre sich alle Optionen an. Zu Spekulationen über eine Trennung von Opel sagte Wagoner lediglich, bisher sei niemand an GM wegen eines Verkaufs herangetreten. Zu möglichen Werkschließungen in Deutschland wollte sich Wagoner nicht äußern. In dem Sanierungsprogramm werden "mehrere mögliche Schließungen/Verkäufe von Produktionsstätten an Standorten mit hohen Kosten" in Europa genannt, allerdings ohne weitere Details.

Zu Spekulationen über eine Trennung von Opel sagte Wagoner, bisher sei niemand an GM wegen eines Verkaufs herangetreten. Die Diskussion um eine Herauslösung von Opel aus dem Konzern schlägt derzeit hohe Wellen.

Unionspolitiker: Länder müssen Beteiligung an Opel prüfen

Zu möglichen Werkschließungen in Deutschland wollte sich Wagoner nicht äußern. Laut Medienberichten erwägt GM, die Opel-Fabriken in Bochum und im belgischen Antwerpen zu schließen und das Werk Eisenach zu verkaufen. Mit der Bundesregierung verhandelt Opel wegen der GM-Schieflage über eine Bürgschaft von bis zu 1,8 Milliarden Euro.

Unionsfraktionschef Volker Kauder sprach sich gegen staatliche Beteiligungen am Autobauer Opel aus. "Eine direkte Staatsbeteiligung an Opel lehne ich ab", sagte er der "Financial Times Deutschland" vom Mittwoch. Er rief Opel auf, die Möglichkeiten für eine Bürgschaft der Bundesregierung zu nutzen. Der wirtschaftspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Laurenz Meyer, sagte der "Leipziger Volkszeitung", die Länder müssten eine Beteiligung in eigener Zuständigkeit prüfen. Opel hat Standorte in Hessen, Thüringen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen.

Auch GM setzt auf staatliche Hilfe von den Regierungen ausländischer Standorte. Der Konzern hoffe dabei auf sechs Milliarden Dollar in Deutschland, Kanada, Großbritannien, Schweden und Thailand, "um die Liquidität speziell für die Produktion in diesen Ländern sicherzustellen".

Weltweit sollen 47.000 Mitarbeiter entlassen werden

Der Sanierungsplan von GM sieht die Streichung von weltweit 47.000 weiteren Stellen binnen dieses Jahres vor, davon 26.000 außerhalb der USA. Außerdem sollen fünf US-Werke geschlossen werden. Die Marken Saab in Schweden sowie Hummer und Saturn in den USA stehen zum Verkauf.

GM und Chrysler müssen ihre Überlebensfähigkeit auf Basis ihrer Sanierungspläne nun konkret bis Ende März beweisen. Die US-Regierung macht davon weitere Hilfen abhängig. Sie werde die Pläne über die nächsten Tage genau prüfen. Außerdem verlangt sie von allen beteiligten Parteien - Gläubigern, Zulieferern, Händlern, Gewerkschaften und Management - ein weiteres Entgegenkommen. Erste geforderte Zugeständnisse der Gewerkschaften wurden bereits erreicht. Weitere Verhandlungen laufen - unter anderem auch mit Gläubigern zur Umschuldung. (jnb/dpa/AFP)

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