Staatshilfe : Schaefflers Chancen steigen

Am Montagabend hat die Schaeffler-Führung der bayerischen Staatsregierung ihre Sanierungspläne vorgestellt. Bayerns Ministerpräsident Seehofer reagiert "positiv" - und verweist den Autozulieferer nach Berlin.

Herzogenaurach/LuckenwaldeDie Chancen der angeschlagenen Schaeffler- Gruppe auf die dringend benötigten Staatshilfen sind gestiegen. „Wir haben den Eindruck, dass sich die Dinge in die richtige Richtung bewegen“, sagte Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) am Dienstag dem „Handelsblatt“. Das Rettungskonzept der Schaeffler-Führung sei in seinem aktuellen Entwurf durchaus überzeugend, es müsse aber noch „wesentlich verfeinert“ werden.

Die bayerische Staatsregierung will allerdings keinen eigenen finanziellen Beitrag zur Schaeffler-Rettung in Aussicht stellen. Schließlich zahlten die Länder ja beim Bundesschirm mit, sagte Zeil. Er sehe daher keinen Ansatzpunkt, einzelne Länder mit in die Pflicht zu nehmen.

Damit liegt der Ball nun in Berlin. Das Sanierungskonzept, das Voraussetzung für Staatshilfen ist, werde von Bundeswirtschaftsminister Karl Theodor zu Guttenberg geprüft, sagte Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (beide CSU).

Am Montagabend hatte die Schaeffler- Führung der bayerischen Staatsregierung ihre Sanierungspläne vorgestellt. Über die Inhalte wurde Stillschweigen vereinbart. „Wir haben die Überlegungen der Firma Schaeffler positiv aufgenommen“, sagte Seehofer lediglich. Auch Schaeffler wollte sich nicht zu Details des Konzepts äußern. Dieses müsse erst mit allen Beteiligten abgestimmt werden. Vor allem die Gläubigerbanken haben ein gewichtiges Wort mitzureden. Die Schaeffler-Gruppe hatte sich mit der Übernahme des dreimal größeren Konkurrenten Conti übernommen. Mitinhaber Georg Schaeffler bezifferte den Kapitalbedarf auf bis zu sechs Milliarden Euro. Einen größeren Stellenabbau wird es in jedem Fall geben. Am Dienstag informierte die Konzernführung den Wirtschaftsausschuss des Unternehmens über die Pläne. Weltweit sollen laut Branchenkreisen bis zu 8000 Stellen wegfallen, davon rund 5000 in Deutschland. Zuletzt hatte Schaeffler noch 66 000 Beschäftigte.

Im brandenburgischen Luckenwalde beschäftigt der Konzern 500 Leute in der Fertigung von Motorelementen. Der dortige Betriebsratschef Frank Hildebrandt zeigte sich von den Kürzungen „völlig überrascht“. Um rund ein Drittel musste die Produktion aufgrund der eingebrochenen Nachfrage gedrosselt werden. Seit März gilt Kurzarbeit. Den Schaeffler-Mitarbeitern versuchte Hermann von Schuckmann von der IG Metall Ludwigsfelde Mut zu machen. „Das ist ein hoch produktiver, moderner und gewinnbringender Standort“, sagte er. Die Gefahr einer Schließung der Fabrik sehe er nicht. Für den Fall betriebsbedingter Kündigungen hat die IG Metall bereits öffentliche Protestaktionen angekündigt. ax (HB)/mat

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