Wirtschaft : Staatssekretär Mosdorf zieht Bilanz (Interview)

Herr Mosdorf[Sie kommen gerade aus der Unctad-Abs]

Mit Siegmar Mosdorf, dem Staatsekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie, sprach Bernd Hops. Mosdorf leitete die deutsche Delegation bei der 10. Unctad-Ministerkonferenz.

Herr Mosdorf, Sie kommen gerade aus der Unctad-Abschlusskonferenz. Ist es Ihnen gelungen, Ihre Forderung nach einer stärkeren Einbeziehung der Entwicklungsländer in die Globalisierungsdiskussion durchzusetzen?

Ich bin durchaus zufrieden mit der Abschlussveranstaltung. Die Unctad ist eine Plattform für offene Dialoge. 160 Länder haben mitgewirkt. Und hier in Bangkok konnten wir den Geist der Welthandelskonfernz von Seattle, die ja gescheitert ist, verscheuchen.

Inwiefern?

Es gibt zwei Hauptbotschaften aus Bangkok. Zum einen wurde die Frustration von Seattle überwunden. Alle Länder sind bereit, einen multilateralen Handelsweg zu gehen, begrüßen die Globalisierung also prinzipiell. Zum anderen werden die Schwellen- und Entwicklungsländer stärker in die Globalisierungsdebatte einbezogen.

Es gab also ein Umdenken?

Ja, denn viele Schwellen- und Entwicklungsländer sehen inzwischen, dass es Entwicklung nur durch ausländische Direktinvestitionen geben kann. Diese Meinung fand ich in vielen bilateralen Gesprächen bestätigt. Das ist eine Erkenntnis, die früher nicht bestand. Direktinvestitionen sind wesentlich wichtiger als staatliche Entwicklungshilfe.

Gab es größere Probleme auf der Konferenz?

Nein, eigentlich nicht. Die Diskussionen waren sehr offen, auch bei heiklen Themen. Dies ist ein großer Vorteil der Unctad.

Wurden wirtschaftliche Initiativen ergriffen?

Ein wirtschaftliches Problem stellt sich bei den 48 am wenigsten entwickelten Ländern, die zusammen nur ein Prozent des Weltsozialprodukts erzeugen. Sie fallen im Verhältnis zu den übrigen Staaten immer weiter zurück. Daher wird 2001 speziell für diese eine eigene Konferenz veranstaltet. Außerdem schlug Supachai Panitchpakdi, der 2002 die Führung der Welthandelsorganisation übernehmen wird, die Gründung eines Beschäftigungsrates für diese Länder vor.

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