Stabwechsel : Opel hat eine neue Führung

Nick Reilly rückt an die Spitze, Rita Forst wird Chef-Entwicklerin. Das neue Führungsteam muss nicht nur die Sanierung von Opel endlich auf den Weg bringen.

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Nick Reilly. Der Brite sitzt jetzt offiziell am Steuer von Opel. -Foto: dpa

Rüsselsheim - Opel will mit einem neuen Führungsteam den Weg aus der Krise schaffen. Der Brite Nick Reilly, seit November Chef der Europa-Sparte von General Motors (GM), löst wie erwartet Hans Demant als Vorsitzenden der Opel- Geschäftsführung ab. Dessen Rolle als Entwicklungschef legte der Aufsichtsrat am Freitag in die Hände einer Frau: Die 54-jährige Rita Forst verantwortet künftig bei Opel den Bereich Entwicklung. Für den Vertrieb bleibt weiter Alain Visser verantwortlich, der Brite Mark James kümmert sich um die Finanzen. Das neue Führungsteam muss nicht nur die Sanierung von Opel endlich auf den Weg bringen. Das Unternehmen wird zudem von erheblichen Absatzproblemen geplagt: Im Januar und Februar muss rund die Hälfte der 25 000 Opel-Mitarbeiter in Deutschland kurzarbeiten.

Der bisherige Opel-Chef Hans Demant, der fast sechs Jahre an der Spitze des Unternehmens stand, trat am Freitag zurück. Er hatte immer im Schatten des GM-Europa-Chefs Carl-Peter Forster gestanden, der allerdings ähnlich glücklos agierte und GM im Oktober verließ. Demant ist künftig als Vice President für die Produktrechte von GM weltweit verantwortlich und soll sich auch um neue Geschäftsfelder und Allianzen kümmern.

Mit Rita Forst rückt eine Vertraute und langjährige enge Mitarbeiterin von Demant in das Führungsteam von Opel auf. Erstmals verantwortet damit eine Frau die weltweite Entwicklungssparte eines Automobilherstellers. Die Maschinenbau–Ingenieurin stammt wie Demant aus Wiesbaden und arbeitet seit 34 Jahren für Opel. Seit November 2008 leitet die Mutter von zwei Söhnen im Entwicklungszentrum in Rüsselsheim die Abteilung Fahrzeugsysteme und Integration. In Fachkreisen genauso wie unter den Opel-Mitarbeitern genießt Forst hohes Ansehen, sie gilt als unkompliziert und bodenständig. Vor 20 Jahren war sie maßgeblich an der Entwicklung des L 850 beteiligt, des weltweit ersten für eine Großserie reifen Vier-Zylinder- Leichtmetall- Motors.

Forsts Fähigkeiten werden weiter stark gefragt sein, schließlich setzt der neue Opel-Chef Reilly bei der Sanierung des Unternehmens auf neue Autos mit fortschrittlichen, sparsamen Motoren. Er muss sich neben der Ausarbeitung des Sanierungskonzeptes aber auch mit dem schwachen Automarkt befassen. Opel hat im vergangenen Jahr massiv von der Abwrackprämie profitiert und die Verkäufe um 31 Prozent auf fast 339 000 Pkw steigern können. Im Dezember allerdings gab es bereits einen Einbruch um fast 15 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. In Deutschland wurden in dem Monat nur 17 000 Opel-Pkw neu zugelassen.

Reilly hatte Anfang der Woche auf der Motor-Show in Detroit eingeräumt, dass Opel angesichts des schwierigen Marktes auch 2010 „keinen Cent“ verdienen werde. Weder 2008 – bislang liegt noch kein Abschluss vor – noch 2009 hat GM mit Opel und Vauxhall in Europa schwarze Zahlen geschrieben. Der Absatz in Europa schrumpfte im vergangenen Jahr von 1,4 auf nur noch 1,2 Millionen Autos. 2008 dürfte Opel rund eine Milliarde Euro verloren haben, 2009 rechnet GM selbst mit einem Verlust von zwei Milliarden Euro. Frühestens 2011 sieht Reilly die Chance, wieder einen Gewinn einzufahren. Rolf Obertreis

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