Wirtschaft : Stadtsparkasse dreht den Geldhahn zu

Geldautomaten in Dresden für Kundschaft der Deutschen Bank gesperrt

DRESDEN."Gemeinsam für Dresden", lautet das Motto der Stadtsparkasse Dresden.Für die Privatkunden der Deutschen Bank gilt das seit Montag nicht mehr.Kunden der Deutschen Bank und der mit ihr verbundenen Bank 24 warten seit Wochenbeginn an den 115 Geldautomaten der Stadtsparkasse Dresden vergeblich auf Geldzahlungen.Das Geldfach bleibt leer, die Stadtsparkasse hat ihre Geldautomaten für die Deutsche Bank gesperrt.Der Grund sind Gebührenforderungen.Bislang hat die Stadtsparkasse Dresden von Fremdkunden ein Prozent des abgehobenen Geldbetrages, mindestens aber vier DM und maximal zehn DM als Gebühr verlangt.Grundlage war das Geldautomatenabkommen von 1993.Nun werden pauschal sieben DM verlangt. Das Geldautomatenabkommen war vom Deutschen Sparkassen- und Giroverband im Dezember 1996 mit Wirkung vom März 1997 an gekündigt worden.Seinerzeit hatte sich der Verband noch zu einer Friedenspflicht bis zum 11.Juli 1997 verpflichtet, um sich in dieser Zeit im Zentralen Kreditausschuß mit den Privatbanken neu zu einigen.Tatsächlich gelang es, einen Konsens auszuhandeln, doch dem Abkommen verweigerte das Bundeskartellamt die Zustimmung.Die erhöhten Kosten seien seinerzeit nicht nachgewiesen worden, hieß es dazu von der Behörde.Die Folge davon ist, daß es praktisch keine einheitliche Gebührenregelung mehr gibt.Das zumindest ist die Auffassung des Deutschen Sparkassenverbandes und ihres Sprechers Löber.Seinen Worten zufolge kann nun jede Sparkasse je nach den örtlichen Gegebenheiten ihre Gebühren selbst festlegen - wie in Dresden. Dem wird von der Deutschen Bank heftig widersprochen.Banksprecher Walter Schumacher sieht die neue Gebühr durch nichts gerechtfertigt.Die Deutsche Bank beabsichtige nicht, diesen Preis zu zahlen.Die Rede ist von Vertragsbruch.Strittig ist zum einen die Kündigungsfrist.Nach Auffassung der Bank müsse mindestens eine zweijährige Kündigungsfrist gelten.Zum anderen wird geltend gemacht, daß der Sparkassenverband nicht das Geldautomatenabkommen in seiner Gesamtheit, sondern nur die Gebührenordnung gekündigt habe.Jene Gebührenordnung aber sei integraler Bestandteil der Gesamtvereinbarung, mit der eine flächendeckend freie Verfügbarkeit aller Automaten für EC-Kunden gewährleistet werden solle.Mit der Sperrung von Geldautomaten sei diese freie Verfügbarkeit für die Kunden der Deutschen Bank nicht mehr gewährleistet.Solange keine neue Gebührenordnung verbindlich vereinbart worden sei, müsse deshalb die alte Gebührenordnung weiter gelten.Schuhmacher mutmaßt hinter der Preispolitik der Sparkasse einen Angriff auf die Direktbankkunden.Die Bank 24, ein Tochterunternehmen der Deutschen Bank, habe in erheblichem Umfang Sparkassenkunden abgezogen.Eigenen Angaben zufolge zählt die Bank 24 derzeit deutschlandweit 250 000 Kunden, die zu 60 Prozent von den Sparkassen und Genossenschaftsbanken kommen.Sabine Grothues von der Bank 24 glaubt, daß der Sparkassenverband die Unterhaltungskosten für das eigene Automatennetz auf Fremdkunden abwälzen will, denn Sparkassenkunden könnten sich überall in Deutschland gebührenfrei an den Sparkassenautomaten bedienen. Die Dresdner Sparkasse erklärt die neue Gebührenpauschale mit den hohen Investitionen.Allein ein Geldautomat koste 120 000 DM, zuzüglich 50 000 DM laufender Kosten pro Jahr.Die Stadtsparkasse wolle den Kosten- und Personalaufwand für ein Fremdinstitut, das in Dresden nur 14 eigene Geldautomaten betreibe, nicht tragen, sagt Herbert Süß, der Vorstandsvorsitzende. Außer der Deutschen Bank seien die Preise von allen anderen Geschäftsbanken akzeptiert worden.Dresden ist übrigens bereits der zweite Fall dieser Art in Ostdeutschland.Schon seit dem 12.Dezember 1997 sind die Sparkassenautomate von Chemnitz für die Kunden der Deutschen Bank gesperrt.

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