Städteranking des Weltwirtschaftsinstituts : Nur noch München toppt Berlin

Beste Standorte gesucht: Im Ranking der 30 größten deutschen Städte liegt die Hauptstadt auf Platz zwei.

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München führt das Ranking der 30 größten deutschen Städte an. Berlin setzt seine Aufholjagd als Wirtschaftsstandort fort, der BER könnte allerdings ein Hindernis für die Stadt werden.
München führt das Ranking der 30 größten deutschen Städte an. Berlin setzt seine Aufholjagd als Wirtschaftsstandort fort, der BER...Foto dpa

München, Berlin und Leipzig holen auf, Frankfurt rutscht ab. In der Bewertung der 30 größten Städte Deutschlands hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Bedeutung, der Lebensbedingungen und ihrer Zukunftsfähigkeit haben sich in den vergangenen beiden Jahren deutliche Verschiebungen ergeben. Das betont das Hamburgische WeltWirtschaftsinstitut (HWWI) in seiner neuen Studie zum Städteranking, erstellt im Auftrag der Berenberg Bank. Frankfurt, die bisherige Nummer eins, hat vor allem wegen der Finanzkrise an Attraktivität verloren.

Die Aufsteiger Berlin und Leipzig haben Arbeitsplätze geschaffen

Der neue Spitzenreiter München sowie die Aufsteiger Berlin und Leipzig gewinnen, weil die Städte wachsen, mehr Arbeitsplätze geschaffen, ihre Hochschulen nach vorne gebracht und die Internationalität gesteigert haben. Für alle vier seien die Zukunftsaussichten hervorragend bis sehr gut, sagt HWWI-Direktor Henning Völpel. Auch für Stuttgart (Nummer 5 der Rangliste), Aachen (12) und Nürnberg (14) seien die Chancen gut, betonte der Ökonom am Donnerstag in Frankfurt. Dagegen ist er mit Blick auf Mannheim vorsichtiger, ohne dies im Detail begründen zu können. Er sieht zwar auch in kleineren Städten sehr positive Entwicklungen, erwartet aber trotzdem, dass die Kluft zu den größten Städten in Zukunft wächst. Mit Blick auf Dresden fürchtet er, dass die Stadt, die eigentlich auf einem guten Weg sei, durch die Pegida-Demonstrationen an Attraktivität verlieren könnte.

2008 rangierte Berlin in dem Ranking noch auf Platz 25

München und Berlin sieht Völpel auf einem guten Weg. „In der Hauptstadt geht der Aufholprozess weiter. Der Wachstumsmotor Berlin läuft. Gute Standortfaktoren, Internationalität und Erreichbarkeit tragen zur Entwicklung bei.“ Etwa im Blick auf Innovationen und das Gründergeschehen. 2008 noch stand Berlin nur auf Rang 24. Allerdings sieht der HWWI-Chef die Stadt in den nächsten fünf Jahren in einer entscheidenden Phase. „Das große Manko ist der neue Flughafen. Unternehmen werden ihre Standortentscheidung von der Eröffnung abhängig machen.“ Wenn Berlin dabei noch mehr Zeit verliere, sei das nicht nur teuer, die Stadtentwicklung würde auch an Dynamik und Momentum einbüßen, warnt Völpel.

München hat den größten Anteil an Arbeitsnehmern mit Hochschulabschluss

Damit könnte die Hauptstadt ihren zweiten Platz als attraktiver Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort wieder verlieren, der Abstand zu München würde noch größer. „München hat weite Teile des Strukturwandels hin zu wissensintensiven Dienstleistungsbranchen und forschungsintensiven Industrien bereits vollzogen und gehört zu den herausragenden Wissensmetropolen.“ Nirgendwo sonst sei der Anteil von Arbeitnehmern mit Fach- und Hochschulabschluss mit rund 29 Prozent so groß wie in München.

Die Entwicklung der Städte hängt von ihrer Digitalisierung ab

Generell hält Völpel für entscheidend, dass die Städte die Digitalisierung und damit die Chance für die Vernetzung für Unternehmen, Hochschulen, Wissenschaft und die Bürger weiter vorantreiben. „Wer den Anschluss an die digitale Transformation verpasst, wird den Anschluss verlieren.“ Dass Zukunftsfähigkeit kein Schicksal ist, zeige die Entwicklung der einstigen US-Autostadt Detroit, die sich vom drohenden Verfall erhole und als Wirtschaftsstandort mittlerweile wieder attraktiv sei. Im nach 2008, 2010 und 2013 vierten Städteranking bewertete das HWWI die Städte mit Blick auf ihre wirtschaftliche Dynamik, die Entwicklung der Bevölkerung und die demografischen Aussichten (als positiv gilt unter anderem ein hoher Anteil junger Menschen) und die Standortbedingungen. Dazu zählen unter anderem die Ausbildung der Arbeitnehmer und der Anteil ausländischer Arbeitnehmer.

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