Städtevergleich : Berlin holt auf

Im Vergleich der Großstädte macht die Hauptstadt Boden gut – die Wirtschaft ist weniger krisenanfällig.

Carsten Brönstrup
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Berlin, im vergangenen Jahr noch auf dem letzten Platz, hat sich auf Rang 44 vorgekämpft. München hält sich an der Spitze. Foto:...ddp

Berlin - Im Vergleich der dynamischsten und wohlhabendsten Großstädte der Bundesrepublik ist Berlin nicht mehr das Schlusslicht, liegt aber immer noch auf einem der hinteren Plätze. Unter den 50 Kommunen mit mehr als 200 000 Einwohnern belegt die Hauptstadt Platz 44 – im Vorjahr war es noch der 50. und damit letzte Rang. Berlin sei „offenbar dabei, eine Trendwende zum Besseren einzuleiten“, sagte Dieter Rath, Geschäftsführer der arbeitgeberfinanzierten Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft (INSM), am Freitag in Berlin. Sie hatte zusammen mit dem Magazin „Wirtschaftswoche“ die Städte miteinander verglichen. Auf den ersten Plätzen landeten München, Münster und Hamburg.

Für die Studie verglichen Wissenschaftler 96 Indikatoren aus den Feldern Wirtschaftskraft, Einkommen, Arbeitslosigkeit, Verschuldung, Kriminalität, Alterung oder Qualifikation und Ausbildung der Bürger. Bewertet wurde auch die Verbesserung in den vergangenen fünf Jahren. In dieser mit „Dynamik“ bezeichneten Rubrik schnitt Hamburg als Sieger ab. In der Hansestadt habe es das zweitstärkste Beschäftigungswachstum und die drittbeste Einkommensentwicklung gegeben – getrieben durch den Ausbau des Hafens, das Wachstum der Logistik und des Flugzeugbauers Airbus sowie den Mix aus erfolgreichen Branchen, wie es hieß. Besonders dynamisch entwickelten sich auch Saarbrücken und Münster.

Der Gesamtsieger München ist führend bei der Kaufkraft, außerdem hat die Stadt die zweitniedrigste Arbeitslosenquote und den zweithöchsten Anteil an Hochqualifizierten. Die guten Werte dürften vor allem auf die vielen Firmenzentralen zurückgehen – fünf der 30 Dax-Konzerne haben ihren Sitz in der Bayern-Metropole. Verluste musste Frankfurt am Main hinnehmen, auch wegen der Finanzkrise.

Berlin schnitt vor allem im Bereich Dynamik gut ab und erreichte Platz 17, noch vor wirtschaftsstarken Kommunen wie München oder Stuttgart. In den vergangenen Jahren habe die Hauptstadt stets wegen ihrer Arbeitsmarkt- und Sozialprobleme weit hinten gelegen und nur eine schwache Aufwärtstendenz gezeigt, erklärte die INSM.

Zur Begründung hieß es, die Wirtschaftsstruktur der Stadt sei im Vergleich zu den Industrieregionen im Süden und Südwesten weniger krisenanfällig. „Berlin punktet mit viel Dienstleistung und Verwaltung sowie als guter Hochschulstandort“, urteilten die Ökonomen. Angesichts des jahrelangen Niedergangs der Industrie spielt der Export, der im globalen Wirtschaftseinbruch besonders zurückgegangen war, keine tragende Rolle mehr. Aber auch andere ostdeutsche Städte wie Leipzig, Magdeburg und Rostock erreichten aufgrund des Rückgangs der Arbeitslosigkeit enorme Verbesserungsraten – im Bereich „Dynamik“ belegten sie unter den 50 Städten die Ränge fünf bis sieben.

Makler sehen stabile Häuserpreise

Berlin - Die Immobilenmakler sehen in Deutschland keine tiefgreifende Immobilienkrise. Während in den USA die Häuserpreise in den letzten Monaten tief gefallen sind, sei der Markt in Deutschland stabil, sagte Thomas Wernicke, Vorsitzender des Rings Deutscher Makler, (RDM) am Rande des Immobilientages am Freitag in Berlin. Bei selbst genutzten Immobilien hätten sich die Preise kaum verändert. Für Immobilien als Anlageobjekt sei der Preisverfall aber erheblich. „Immobilien sind etwas, wo jeder mit wenig Geld viel gewinnen kann, wenn die Werte steigen, aber auch viel verlieren, wenn die Werte sinken“, sagte Gastredner Thilo Sarrazin. Wernicke betonte, für private Immobilienkäufer seien die Hürden bei der Kreditvergabe nicht merklich gestiegen. Im Gegenzug lockten dafür niedrige Zinsen. dg

France-Télécom-Chef gesteht Fehler

Paris - Nach Selbstmorden mehrerer France-Télécom-Mitarbeiter hat Vorstandschef Didier Lombard Fehler eingestanden. Er habe „wahrscheinlich bestimmten Anzeichen“ für die Stimmung und Lage der Beschäftigten „nicht genug Aufmerksamkeit geschenkt“, sagte Lombard dem Radiosender Europe 1 am Freitag. Beim Konzernumbau sei „eine gewisse Zahl menschlicher Faktoren unterschätzt worden“. Um das Unternehmen leistungsfähiger zu machen, habe das Management „zu schnell große Veränderungen“ durchsetzen wollen. Bei France Télécom haben sich binnen 20 Monaten 24 Mitarbeiter das Leben genommen. AFP

EU will energieeffizient sanieren

Brüssel - In Europa sollen nach Plänen der EU-Kommission 15 Millionen Gebäude bis 2020 energieeffizient saniert werden. Die Länder der Europäischen Union sollten sich zudem auf verpflichtende Ziele zur Senkung des Energiebedarfs verständigen, hieß es in einem Entwurf des „Aktionsplans Energieeffizienz“, der der Nachrichtenagentur Reuters am Freitag vorlag. Auf diese Weise entstünden rund zwei Millionen neue Stellen. Zudem sollten entsprechende Umschulungsmaßnahmen für Bauarbeiter und Architekten geschaffen werden. rtr

EU unterstützt Milchbauern

Brüssel - Die Europäische Kommission hat weitere Hilfen für Milchbauern auf den Weg gebracht. Die Brüsseler Behörde beschloss am Freitag neue Regeln, wonach EU-Staaten künftig die Milchquoten von Bauern aufkaufen können, die nicht mehr produzieren wollen. Ziel ist, die Höchstgrenzen für die Produktion flexibler zu handhaben und so einem Preisverfall besser zu begegnen. Die EU-Agrarminister müssen dem am 19. Oktober in Luxemburg noch zustimmen. AFP

Staatshilfe zur Hälfte aufgebraucht

Frankfurt am Main - Beim Bankenrettungsfonds Soffin stehen per 8. Oktober Anträge von Finanzinstituten auf Staatshilfe im Umfang von 232,9 Milliarden Euro zu Buche. Davon wurden Hilfen in Höhe von 155,6 Milliarden Euro bereits genehmigt, wie der Sonderfonds am Freitag mitteilte. Der mit 480 Milliarden Euro ausgestattete Fonds soll das deutsche Finanzsystem stabilisieren. 24 Unternehmen haben den Angaben zufolge bisher Anträge gestellt. AP

Verbraucher essen weniger Bio

Köln - Beim Lebensmittelkauf greifen deutsche Verbraucher verstärkt nach vorgekochten oder schon verzehrfertigen Produkten. „Convenience ist der massive Treiber im Markt“, sagte die Geschäftsführerin des Ernährungsindustrie-Verbands BVE, Sabine Eichner Lisboa, am Freitag vor der Eröffnung der weltgrößten Nahrungsmittelmesse „Anuga“. Convenience-Food mache das Kochen einfach, schnell und bequem oder ganz überflüssig. Dagegen scheint der Appetit auf Bio-Lebensmittel vorerst gesättigt. dpa

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