Stahlbranche : Arcelor fusioniert mit SeverStal

Im Übernahmekampf gegen Branchenführer Mittal Steel wird sich der Luxemburger Stahlkonzern Arcelor überraschend mit dem russischen Stahlkonzern SeverStal zusammenschließen.

Luxemburg/Moskau - Aus der Fusion soll der weltgrößte Stahlkonzern mit einem Umsatz von 46 Milliarden Euro entstehen. Dies teilten Arcelor und SeverStal am Freitag gemeinsam mit. SeverStal wird vom russischen Großindustriellen Alexej Mordaschow geführt, der mit einem Anteil von 32 Prozent Großaktionär bei Arcelor werden soll. Stahlaktien wie ThyssenKrupp und Salzgitter zogen am Freitag im Tagesverlauf stark an.

Arcelor wehrt sich seit Monaten gegen die Übernahmeversuche der Stahlgruppe von Lakshmi Mittal. Der britische Milliardär indischer Herkunft hatte in den vergangenen Jahrzehnten vor allem durch Zukäufe den weltgrößten Stahlkonzern geschmiedet.

Die Vereinbarung mit dem russischen Konkurrenten SeverStal bewertet Arcelor den Angaben zufolge mit 44 Euro je Aktie ohne Dividende. Zudem sehe die Vereinbarung eine Ausschüttung von 7,6 Milliarden Euro an die Arcelor-Aktionäre vor. Diese war zuvor für den Fall angekündigt worden, dass die Abwehr gegen Mittal gelingt. Die Anteilseigner von Arcelor sollen künftig 68 Prozent an dem neuen Unternehmen halten.

SeverStal ist einer der beiden größten Stahlkocher Russlands mit einer Inlandsproduktion von 10,8 Millionen Tonnen (2005). Zudem produzierte SeverStal in Nordamerika 2,5 Millionen Tonnen. Das Unternehmen erzielte im Vorjahr Einnahmen in Höhe von 7,5 Milliarden Dollar. Der Reingewinn betrug 1,4 Milliarden Dollar.

Mittal Steel hatte erst in der vergangenen Woche sein Angebot um 34 Prozent auf 25,8 Milliarden Euro angehoben und damit den Druck auf die Arcelor-Führung erhöht, der Übernahme zuzustimmen. Die Arcelor- Aktie wird mit der erhöhten Mittal-Offerte mit knapp 38 Euro bewertet. Das in Luxemburg angesiedelte Unternehmen hat sich bislang nicht offiziell zu der neuen Offerte von Mittal geäußert, sich zuvor jedoch stets ablehnend gezeigt.

Abschluss für Juli geplant

Die nun von SeverStal vorgelegte Offerte bewertet Arcelor mit einem 36,6-prozentigen Aufschlag auf den Schlusskurs vom 25. Mai (ex- Dividende), teilte Arcelor mit. Die Übernahme steht noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung seitens der Aufsichtsbehörden. Arcelor und SeverStal rechnen noch im Juli mit dem Abschluss der Transaktion.

Das neu zu gründete Unternehmen soll weltweit auch das profitabelste Stahlunternehmen werden. Geplant ist ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) in Höhe von 9 Milliarden Euro. Es sind Synergie-Effekte in Höhe von 590 Millionen Euro geplant. Auf Proforma-Basis habe die Produktion 2005 bei 70 Millionen Tonnen gelegen. Zu einem Stellenabbau bei Arcelor soll es nicht kommen, sagte Arcelor-Chef Guy Dollé im französischen Rundfunk.

Im Rahmen der Vereinbarung werde der Chef von SeverStal, Mordaschow, neben der Übertragung seiner Anteile an SeverStal 1,25 Milliarden Euro an Arcelor zahlen. Insgesamt werde Mordaschow 295 Millionen neu auszugebende Arcelor-Aktien zu einem Preis von 44 Euro pro Aktie erhalten. Der Milliardär werde damit größter Arcelor- Aktionär.

Nach russischen Medienberichten unterstützt der Kreml die Fusion. Mordaschow habe in der Vorwoche Präsident Wladimir Putin von den Plänen unterrichtet, schrieb die in Moskau erscheinende Wirtschaftszeitung «Wedomosti» unter Berufung auf Quellen im Kreml. (tso/dpa)

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