Wirtschaft : Stahlflaute belastet Thyssen-Krupp

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Der Düsseldorfer Stahl- und Industriekonzern Thyssen-Krupp startet mit gedämpften Erwartungen ins Jahr 2002. Es sei nicht davon auszugehen, dass der Konzerngewinn aus dem Vorjahr (vor Steuern und Sondereinflüssen) auch im laufenden Geschäftjahr erreicht werden könne, sagte der Vorstandschef der Thyssen-Krupp AG, Ekkehard Schulz, am Dienstag bei der Bilanzvorlage in Essen.

Der Konzerngewinn lag im Geschäftsjahr 2000/2001 bei 500 Millionen Euro. Auch ein Verlust im ersten Quartal sei nicht ausgeschlossen. Weiterhin rechnet der Konzernvorstand im Gesamtjahr mit einem stagnierenden Umsatz von 38 Milliarden und Auftragseingängen von 39 Milliarden Euro. Schulz bezeichnete diese Zahlen als "eher anspruchsvoll". Als Folge des pessimistischen Ausblicks wurde die ThyssenKrupp-Aktie am gestrigen Handelstag mit einem Minus von rund drei Prozent auf dem Frankfurter Parkett gehandelt.

Für den verhaltenen Ausblick machte der Konzernchef die anhaltend konjunkturelle Schwäche auf dem Stahl- und Automobilmarkt verantwortlich. "Bei Stahl wird es deutlich schlechter werden, und auch der Automobilbereich hat Risiken", sagte Schulz. Darum dürften die beiden ersten Quartale des Geschäftsjahres 2001/2002 besonders schwierig werden. "Wir bemühen uns aber, im Stahlbereich rote Zahlen zu vermeiden." Das werde jedoch keine einfache Aufgabe, sage der Konzernchef. Wegen der schleppenden Auftragseingänge werde Thyssen-Krupp auch im Januar und Februar nicht ohne Kurzarbeit auskommen.

Wichtig für eine Erholung des Stahlbereiches sei die Durchsetzung von Preiserhöhungen, mit denen das Unternehmen im April rechnet. Dabei wird jedoch unterstellt, dass es zu keinen gravierenden Störungen im internationalen Stahlhandel kommt. Diese könnten eintreten, wenn die Vereinigten Staaten ihre nationalen Stahlkonzerne mit Zöllen vor Importen schützen. Präsident George Bush will darüber Anfang Februar entscheiden. Thyssen-Krupp liefert nach Angaben von Schulz jährlich etwa 300 Millionen Tonnen Stahl in die USA, zumeist als Bleche für die Autoindustrie. Wegen des schleppenden US-Geschäftes will sich Thyssen-Krupp zukünftig vor allem auch um den chinesischen Markt bemühen. Dieser sei nach Angaben des Vorstandes größer als der nordamerikanische und wachse mit zehn Prozent auch doppelt so stark.

Bereits die Bilanz des abgelaufenen Geschäftsjahres 2000/2001 (30. September) spiegelt die Probleme des Industriekonzerns mit der Konjunkturschwäche wider. Das Ergebnis vor Steuern (EBT) lag mit 876 Millionen Euro deutlich unter dem Vorjahreszeitraum (1,09 Milliarden Euro). Bedingt durch die schwachen Verkaufszahlen der US-Autohersteller schnitt vor allem die Auto-Zuliefersparte von Thyssen-Krupp schlecht ab. Hier halbierte sich das EBT auf 143 Millionen Euro.

Auch das Ergebnis des Stahlbereiches schnitt nur aufgrund von Gewinnen aus Unternehmensverkäufen besser ab als ein Jahr zuvor. Der Konzernumsatz markierte mit 38 Milliarden Euro knapp über Vorjahresniveau, die Auftragseingänge gingen hingegen um eine Milliarde Euro zurück. Positiv hingegen entwickelte sich der Konzerngewinn, der um 138 Millionen auf 665 Millionen Euro anstieg. Ausschlaggebend dafür war die Reduzierung der Ertragssteuern. Nach Angaben des Vorstandes zahlt ThyssenKrupp in Deutschland derzeit so gut wie keine Steuern.

Auf der Habenseite notieren kann Thyssen-Krupp in diesem Geschäftsjahr voraussichtlich noch 486 Millionen Euro für den Verkauf ihres 4,7-prozentigen Anteils an Deutschlands größtem Gasimporteur, Ruhrgas. Knapp die Hälfte davon könne als Nettogewinn verbucht werden, sagte ThyssenKrupp-Vorstand Heinz-Gerd Stein. Die Übernahme sei mit dem Düsseldorfer Energieversorger Eon unter Dach und Fach gebracht und werde vollzogen, wenn die Zustimmung des Bundeskartellamtes vorliege.

Eine dauerhafte Verbesserung der Gewinnmargen und der Effektivität erhofft sich Schulz in dem neu aufgelegten Konzernprogramm "Thyssen-Krupp best".

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