Stahlindustrie : Übernahmekampf geht weiter

Die Übernahmeschlacht zwischen dem Stahlkonzern Mittal Steel und dem Konkurrenten Arcelor geht in eine neue Runde. Mittal will sein Angebot an Arcelor erhöhen, sofern eine einvernehmliche Fusion diskutiert wird.

Rotterdam/Luxemburg - Mittal stellte den Anteilseignern des in Luxemburg beheimateten Unternehmens ein höheres Angebot als die bis jetzt bereit gestellten 18,6 Milliarden Euro in Aussicht. Für den Fall, dass der sich hartnäckig wehrende Arcelor-Vorstand eine Übernahme doch noch akzeptiert, werde Mittal das Angebot überdenken, hieß es anlässlich der Jahreshauptversammlung in Rotterdam. Eine Verbesserung werde es aber nicht geben, wenn der Arcelor-Vorstand bei seiner ablehnenden Haltung gegen die Übernahme bleibt. Arcelor wollte sich dazu nicht äußern.

Ein höheres Angebot im Fall von Verhandlungen bedeute auch nicht, dass das bisherige unzureichend sei, betonte Konzernchef Lakshmi Mittal. Aber schon das Angebot selbst habe die Aktienkurse beider Unternehmen steigen lassen. Nächste Woche werde es offiziell gemacht. «Wir sind sehr zuversichtlich hinsichtlich der Fusion», sagte Mittal in Rotterdam, wo sein von London aus geführtes Unternehmen offiziell residiert. «Wir werden auch die beteiligten Regierungen überzeugen», sagte er mit Blick auf Abwehrreaktionen der Politik vor allem in Frankreich.

Beide Seiten bestätigten, dass Mittal in den vergangenen Monaten mehrfach um ein Gespräch mit dem Verwaltungsratsvorsitzenden von Arcelor, Joseph Kinsch, gebeten habe. Kinsch habe jedoch abgelehnt, weil Mittal nicht genügend Informationen über seine Absichten vorgelegt habe. «Das überrascht mich», sagte Mittal in Rotterdam. Sein Unternehmen sei vielmehr bereit, in beispielloser Weise Informationen zu teilen.

Nach Darstellung von Arcelor hat Kinsch die Bereitschaft zu einem Gespräch mit Mittal erklärt, sofern dieser «hinreichende Informationen über die Absichten von Mittal Steel, dessen Geschäfts- und Sozialmodell sowie dessen Wert und die strategische Logik einer Kombination der beiden Gruppen» vorlege. Mittal hat nach eigenen Angaben bereits Vorschläge für die Struktur eines fusionierten Unternehmens gemacht, unter anderem über die Struktur des Vorstandes.

Arcelor sieht den Konzern mit dem Mittal-Angebot unterbewertet und startete eine Reihe von Abwehrmaßnahmen. So kündigte der Konzern Anfang April eine hohe Sonderausschüttung an seine Aktionäre an, wenn sie ihm die Treue halten. Zudem will er Mittal den geplanten Weiterverkauf der kanadischen Arcelor-Neuerwerbung Dofasco an ThyssenKrupp unmöglich machen, indem die Kanadier in eine Stiftung überführt werden. Mittal kritisierte solche «Blockaden». Er zeigte sich jedoch auf der Hauptversammlung zuversichtlich, dass der Verkauf von Dofasco an Thyssen bei einer Übernahme von Arcelor über die Bühne gehe. Anwälte überprüften derzeit die Möglichkeiten dafür. In den nächsten Tagen wird grünes Licht für die Übernahme von den sechs Regulierungsbehörden der Länder erwartet, in denen die Aktien beider Unternehmen gehandelt werden - allen voran Luxemburg. Mittal rechnet mit positiven Ergebnissen. Sobald die Behörden die Angebotsunterlagen freigeben, will Mittal Steel das Übernahmeangebot offiziell machen. Dann haben die Aktionäre von Arcelor sieben Wochen Zeit, zu entscheiden, ob sie die Offerte annehmen. (tso/dpa)

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