Stahlkonzern in der Krise : Thyssen-Krupp macht fünf Milliarden Euro Verlust

Im Jahr des 200. Krupp-Jubiläums steckt der Konzern tief in der Krise. Wieder haben Fehlinvestitionen in Übersee ein tiefes Loch in die Konzernkasse gerissen. Nun werden Schuldige gesucht.

ThyssenKrupp ging es schon mal besser. Der Konzern hat starke Verluste eingefahren.
ThyssenKrupp ging es schon mal besser. Der Konzern hat starke Verluste eingefahren.Foto: Reuters

Milliardenschweren Fehlinvestitionen in Übersee haben neue Löcher in die Bilanz des angeschlagenen Industriekonzerns Thyssen-Krupp gerissen. Das Unternehmen schrieb weitere 3,6 Milliarden Euro auf die erst vor kurzem fertiggestellten Anlagen in der Brasilien und den USA ab, wie es am Montagabend in Essen mitteilte. Das führte zu einem Verlust von 5 Milliarden Euro im Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr. Bereits vor einem Jahr hatte der Konzern wegen hoher Wertberichtigungen einen auf die eigenen Aktionäre anfallenden Verlust von 1,8 Milliarden Euro verbucht.

Der Horror-Verlust führt zu einem Novum in der Geschichte von Thyssen-Krupp - die Dividende fällt aus. Der Einzelabschluss weise kein ausschüttungsfähiges Ergebnis aus, erklärte das Unternehmen. Die Stahlwerke in Übersee standen zuletzt noch mit einem Wert von sieben Milliarden Euro in den Büchern. Diese Einschätzung erklärte der Konzern nun als unrealistisch.

In den Verkaufsverhandlungen zeichnete sich schon früh ab, dass Thyssen-Krupp nur zwischen drei und vier Milliarden Euro für die Anlagen erlösen kann. Einen Käufer präsentierte Thyssen-Krupp noch nicht. Der Prozess verlaufe planmäßig, erklärte Thyssen-Krupp. Thyssen-Krupp hatte nach früheren Angaben rund 12 Milliarden Euro in die Werke gesteckt - hinzu kam ein weiterer operativer Verlust von rund einer Milliarde Euro im vergangenen Geschäftsjahr.

Inzwischen läuft im Konzern die Suche nach den Schuldigen. Der Aufsichtsrat bestätigte den in der vergangenen Woche angekündigten Rauswurf des halben Vorstands. Der für gute Unternehmensführung (Compliance) zuständige Jürgen Claassen muss ebenso wie Technologiechef Olaf Berlien und Stahlchef Edwin Eichler zum Jahresende gehen. Hintergrund sind neben den drohenden Verlusten bei den Stahlwerkprojekten in Übersee auch zahlreiche Fälle von unsauberen Geschäftspraktiken. Den Vorständen wird vorgeworfen, bei den Problemen nicht richtig durchgegriffen zu haben.

Auch im rein operativen Geschäft erlebte Thyssen-Krupp wegen der Konjunkturschwäche und der Verluste in Übersee einen herben Gewinneinbruch. Das um Sondereffekte wie Abschreibungen bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern sackte um rund drei Viertel auf 399 Millionen Euro ab. Dazu trug auch das schwächelnde Stahlgeschäft in Europa bei. Wegen der unsicheren Wirtschaftsaussichten ist die Nachfrage schwach. Das drückt auf die Preise. Bei Thyssen-Krupp arbeitet deshalb ein Teil der im Stahlbereich tätigen Beschäftigten seit dem Sommer kurz.

Ausgeklammert aus den Berechnungen des operativen Gewinns ist das defizitäre Edelstahlgeschäft, das Thyssen-Krupp derzeit an den finnischen Konkurrenten Outokumpu verkauft. Thyssen-Krupp betrachtet die Sparte seit der im Januar getroffenen Grundsatzvereinbarung mit den Finnen als nicht-fortgeführte Aktivität. Nach der Genehmigung durch die EU im November soll der Verkauf bis zum Jahresende abgeschlossen sein. Der Verkauf soll rund 2,7 Milliarden Euro in die leeren Thyssen-Krupp-Kassen spülen.

Im laufenden Geschäftsjahr rechnet Thyssen-Krupp mit weiterem Gegenwind aus der Konjunktur und wegen der ungelösten Schuldenkrise. Der Umsatz - ohne Edelstahl und die Stahlwerke in Übersee - dürfte von 42,3 Milliarden auf etwa 40 Milliarden Euro sinken. Das bereinigte EBIT aus fortzuführenden Geschäften soll bei einer Milliarde Euro liegen - im abgelaufenen Geschäftsjahr lag der Vergleichswert 1,4 Milliarden Euro. (dpa)

5 Kommentare

Neuester Kommentar