Stahlkonzern : Thyssen-Krupp baut 20.000 Stellen ab

Die Belegschaft muss bangen, aber die Aktionäre erhalten eine Dividende. Ludwigsfelde wird schon saniert

Malte Conradi

Berlin - Aktionäre vor Mitarbeitern – auf diese einfache Formel bringt eine Berliner Angestellte, was gerade bei Thyssen- Krupp geschieht. Der Stahlkonzern trennt sich nach dem schwärzesten Jahr der Firmengeschichte von weltweit 20 000 seiner derzeit noch 187 000 Mitarbeiter. Das kündigte Vorstandschef Ekkehard Schulz am Freitag bei der Vorlage der Bilanz in Essen an. Trotz der tiefroten Zahlen und dem Stellenabbau schüttet Thyssen-Krupp eine Dividende von 30 Cent je Aktie an seine Aktionäre aus. Thyssen-Krupp habe immer wert auf eine kontinuierliche Dividendenzahlung gelegt, sagte Schulz. In guten Jahren seien die Ausschüttungen eher moderat ausgefallen, dafür könnten die Aktionäre nun auch in der Krise profitieren. Insgesamt schüttet der Konzern 139 Millionen Euro aus.

In dem Ende September abgelaufenen Geschäftsjahr machte Thyssen-Krupp unterm Strich einen Verlust von 1,9 Milliarden Euro. Die weltweite Konjunkturkrise hatte die Stahlnachfrage einbrechen lassen. In der Folge schrumpfte der Konzernumsatz von 53,4 Milliarden auf 40,6 Milliarden Euro. Mit einem drastischen Sparprogramm will das Unternehmen aber schon im kommenden Geschäftsjahr wieder schwarze Zahlen schreiben.

Der größte Teil der Mitarbeiter wird durch Firmenverkäufe den Konzern verlassen. Bereits verkauft sind der Thyssen-Krupp Industrieservice mit 9000 und der Gerüstbauer Safway mit 5000 Mitarbeitern. Tatsächlich gestrichen werden 5000 Stellen weltweit, etwa die Hälfte davon in der Verwaltung.

In Deutschland, wo 81 000 Mitarbeiter beschäftigt sind, werde es bei dem Abbau einen regionalen Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen geben, sagte Konzernbetriebsratschef Thomas Schlenz dem Tagesspiegel. Er erwarte aber, dass deutsche Standorte „nur sehr marginal von Streichungen betroffen“ sein werden. Betriebsbedingte Kündigungen werde es nicht geben. Bereits im abgelaufenen Geschäftsjahr hat Thyssen-Krupp die Zahl seiner Mitarbeiter um 12 000 verringert.

Auch in Berlin und Brandenburg ist Thyssen-Krupp mit einem Dutzend Niederlassungen und Tochterfirmen vertreten, in denen etwa 1600 Mitarbeiter beschäftigt sind. Von Stellenstreichungen in der Region sei hier bislang aber nichts bekannt, wie Unternehmensvertreter und Mitglieder des Betriebsrats dem Tagesspiegel übereinstimmend sagten.

„Ich sehe keine weiteren Auswirkungen auf unser Werk“, sagte Betriebsrat Eberhard Schieweck aus der Niederlassung für Umformtechnik. Das Werk im brandenburgischen Ludwigsfelde steckt bereits seit Sommer in einer Restrukturierung. Von ehemals 425 Mitarbeitern müssen 119 gehen. Weitgehend sozialverträglich soll das vonstattengehen, sagte Schieweck. Ganz auszuschließen seien Kündigungen aber wohl nicht. Als Zulieferer von Karosserieteilen für den Automobilbau wurde das Werk von der Wirtschaftskrise hart getroffen. Ein weiterer Abbau in dem Werk sei gar nicht möglich, sagte Schieweck. Deshalb hätten die Nachrichten aus Essen auch keine Unruhe unter den Mitarbeitern ausgelöst. Dass Thyssen-Krupp Mitarbeiter abbaut und dennoch eine Dividende an die Aktionäre zahlt, hält auch Schieweck für problematisch. Die Diskussion unter den Kollegen halte sich jedoch in Grenzen, da die meisten von ihnen Inhaber von Belegschaftsaktien seien.

0 Kommentare

Neuester Kommentar