Stahlkrise : Arcelor-Mittal minimiert Produktion in Eisenhüttenstadt

Der weltgrößte Stahlkonzern Arcelor-Mittal drosselt angesichts der schwachen Nachfrage seine Produktion im brandenburgischen Eisenhüttenstadt erneut um die Hälfte. Der Betriebsrat sieht den Standort auf lange Sicht gefährdet.

Yasmin El-Sharif
Arcelor
Eisenhüttenstadt ist der kleinste der vier deutschen Standorte von Arcelor-Mittal. -Foto: dpa

BerlinEnde April werde die Roheisenproduktion auf nur noch 25 Prozent heruntergefahren, sagte Betriebsratschef Holger Wachsmann dem Tagesspiegel am Mittwoch nach einem Treffen des europäischen Betriebsrats mit dem Management. Was das für die rund 2600 Mitarbeiter in Brandenburg bedeutet, sei derzeit noch unklar, sagte Wachsmann. Details erwartet der Arbeitnehmervertreter in den kommenden Wochen. Am heutigen Donnerstag würden die Beschäftigten bei einer Betriebsversammlung zunächst über den aktuellen Stand der Dinge informiert, sagte Wachsmann.

Arcelor-Mittal leidet seit Monaten unter der weltweiten Stahlkrise. Der Konzern war im vierten Quartal mit einem Verlust von 2,6 Milliarden Dollar erstmals tief in die roten Zahlen gerutscht. Das Management versucht nun weltweit mit Stellenstreichungen und Kurzarbeit Teile des Nachfragerückgangs auszugleichen. Auch in Eisenhüttenstadt arbeiten derzeit 2350 Beschäftigte kurz. Zudem wurden die Verträge von rund 150 befristet Beschäftigten nicht verlängert.

Betriebsratschef Wachsmann befürchtet dennoch, dass die bisherigen Einsparungen der Konzernführung nicht reichen werden. „Ich sehe den Standort Eisenhüttenstadt auf lange Sicht gefährdet“, sagte Wachsmann. Wenn künftig nur noch der kleinere der zwei Hochöfen in Eisenhüttenstadt betrieben werde – wie am Mittwoch angekündigt wurde – sei die Produktion nicht mehr rentabel. „Auf Dauer werden wir so zu teuer“, sagte Wachsmann. Am Ende drohe womöglich die Schließung.

Diese Befürchtung hat auch Hasso Düvel, der im Konzern-Aufsichtsrat in Eisenhüttenstadt sitzt. „Eisenhüttenstadt fehlt schlichtweg eine Lobby innerhalb des Konzerns“, sagte Düvel dieser Zeitung. Neben den anderen deutschen Standorten Bremen, Hamburg und Duisburg habe Brandenburg daher die schlechtesten Karten.

Ein Konzernsprecher bestätigte am Mittwoch lediglich, dass der größere Hochofen in Eisenhüttenstadt zunächst außer Betrieb genommen werde. Aber weil zugleich der kleinere Ofen gestartet werde, könne von einer deutlichen Drosselung der Produktion keine Rede sein. Zudem sei die Kürzung nur von begrenzter Dauer und würde aufgehoben, sobald sich die Wirtschaft erhole, betonte der Konzernsprecher.

Unterdessen wurde am Mittwoch bekannt, dass auch an anderen europäischen Standorten Hochöfen stillgelegt werden. Betroffen seien je ein Ofen in Lüttich und Gent in Belgien sowie in Florange und Marseille in Frankreich, sagte ein Gewerkschaftsmitglied der Agentur Reuters. Damit seien inzwischen weniger als die Hälfte der 25 Hochöfen in Europa in Betrieb.

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