• Stammzellforschung: Mit frischen Zellen. Die kalifornische Firma Geron will Medikamente gegen bislang unheilbare Krankheiten entwickeln

Wirtschaft : Stammzellforschung: Mit frischen Zellen. Die kalifornische Firma Geron will Medikamente gegen bislang unheilbare Krankheiten entwickeln

Sandra Louven

Bill Gates hat den Grundstein für sein Imperium in einer Garage gelegt. Thomas Okarma, Chef des Biotechnologie-Unternehmens Geron, startet in ähnlich unspektakulären Bungalowbauten: Sein Firmensitz im Gewerbegebiet von Menlo Park in Kalifornien lässt durch nichts darauf schließen, dass hinter den unscheinbaren Mauern möglicherweise revolutionäre medizinische Entwicklungen stattfinden. Das 1992 gegründete Unternehmen entwickelt therapeutische und diagnostische Produkte, die als Waffe gegen Krebs und altersbedingte Krankheiten eingesetzt werden sollen. "Sollen" ist dabei ein wichtiges Wort, denn ein marktreifes Medikament ist noch lange nicht in Sicht.

Zum Thema Online Spezial: Die Debatte um die Gentechnik Vorstands-Chef Thomas Okarma hat sich auf drei Bereiche spezialisiert: Die Manipulation von embryonalen Stammzellen, Klonen und die Erforschung von Stoffen gegen die Zellalterung. Dem für Geron tätigen Biologen James Thomson von der Universität in Wisconsin war es 1998 zum ersten Mal gelungen, menschliche Stammzellen zu isolieren und zu züchten. Obwohl Unternehmen in den USA die Zellen - anders als in Deutschland - ungehindert produzieren und verwerten dürfen, stehen ethische Debatten über die Folgen solcher Experimente auf der Tagesordnung. Menlo Park wird regelmäßig von Abtreibungsgegnern und militanten Tierschützern heimgesucht. In Deutschland hat die Meldung für Unruhe gesorgt, dass Wi-Cell - ein von Geron unterstütztes Forschungsinstitut, das von James Thomson geleitet wird - in der Vergangenheit bereits Stammzellen an mehrere deutsche Forschungslabore geliefert hat.

Geron wird vielleicht eines Tages in der Lage sein, Medikamente für bislang unheilbare Krankheiten herzustellen. Die Geron-Wissenschaftler wollen für die Forschung nach eigenen Angaben nur Stammzellen benutzen, die als Nebenprodukt einer künstlichen Befruchtung anfallen. In den Gefrierschränken amerikanischer Labors lagern derzeit 80 000 bis 100 000 solcher embryonalen Zellklumpen. "Wir benötigen nur einige davon, um Hunderttausenden von Kranken zu helfen", sagt Okarma.

Geld wird das Unternehmen mit der Stammzellforschung noch lange nicht verdienen. Im ersten Quartal 2001 standen Einnahmen in Höhe von 1,8 Millionen Dollar Ausgaben von 10,6 Millionen Dollar gegenüber - Grundlagenforschung ist teuer. Sämtliche Einnahmen stammen aus Lizenz- und Forschungsverträgen mit Partnerfirmen. Denn Geron verfügt über ein wertvolles Gut: Es besitzt die Patentrechte für die derzeit wohl umstrittensten Gentechnikverfahren der Medizin. "Wir haben mehr als 80 Patente erworben und mehr als 400 eingereicht", sagt Finanzvorstand David Greenwood. So arbeiten etwa der Schweizer Pharmakonzern Roche und der US-Genom-Spezialist Celera mit den Kaliforniern zusammen.

Anleger haben Vertrauen in das Potenzial des an der Nasdaq gelisteten Biotech-Unternehmens: Der Kurs ist seit Anfang April dieses Jahres im Aufwärtstrend. Der Grund liegt vermutlich in den gewaltigen Chancen, die Gerons Forschung bietet. Vor einigen Monaten hat es Geron geschafft, menschliche Herz-, Leber- und Nervenzellen zu züchten. Nervenzellen werden wahrscheinlich am schnellsten am Patienten angewendet, vermutet Okarma - allerdings erst in mehreren Jahren. Sie können dazu dienen, Schäden am Rückenmark zu beheben oder Parkinson zu bekämpfen.

Das Klonen geht noch einen Schritt weiter. Geron hat 1999 Roslin Bio-Med erworben - das Unternehmen, das das legendäre Klon-Schaf Dolly erschaffen hat. Nach eigenen Angaben erlaubt es Gerons Technik etwa "genetisch identische Tiere zu züchten, die über hochwertige kommerzielle Eigenschaften verfügen" wie etwa besonders krankheitsresistente Schweine. Der dritte große Geschäftsbereich des Unternehmens ist die Erforschung der Zellalterung. Geron-Wissenschaftler haben ein Enzym entdeckt, das sowohl den Alterungsprozess aufhalten als auch Krebs bekämpfen könnte. Jetzt müssen sie nur noch beweisen, dass sie daraus auch umsatzstarke Produkte machen können.

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