Standard & Poor’s : Ratingagentur stellt Italiens Bonität infrage

Standard & Poor’s kritisiert zu schwaches Wirtschaftswachstum und droht mit Herabstufung – Regierung in Rom reagiert empört.

In Europas Schuldenkrise rückt nun auch Italien wieder in den Blick. Dem Land droht eine schlechtere Bonitätsnote der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P). Die Experten warnten am Wochenende, sollte das italienische Wirtschaftswachstum weiter schwach bleiben, werde die Regierung in Rom Probleme mit ihren Plänen zur Schuldensenkung bekommen. Das Finanzministerium reagierte darauf empört.

Die drittgrößte Volkswirtschaft in der Euro-Zone hat die Finanzkrise zwar besser verkraftet als manche andere Länder im Währungsraum. Die Konjunkturentwicklung verläuft in Italien allerdings bereits seit mehr als einem Jahrzehnt nur schleppend. Um dies zu ändern, hatten Experten des Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) dem Land jüngst weitreichende Strukturreformen empfohlen. Vor allem forderten sie Schritte zur Produktivitätssteigerung und zur Ankurbelung von Investitionen aus dem Ausland.

Die S & P-Experten gehen nicht davon aus, dass die fragile Mitte-Rechts-Koalition des durch Sex- und Korruptionsvorwürfe geschwächten Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi sich bald dazu durchringen wird. „Ein möglicher politischer Stillstand könnte zu einer Abschwächung der Fiskallage führen“, warnte S & P-Analystin Eileen Zhang. „Im Ergebnis gehen wir davon aus, dass sich Italiens Aussichten auf eine Reduzierung der Schulden der Regierung verschlechtert haben.“

Andere Experten äußern sich ähnlich. „Wegen seiner sinkenden Popularität zögert Berlusconi damit, etwas zu unternehmen, was ein sehr unpopuläres Reformprogramm wäre, das zu Arbeitsplatzverlusten und fallenden Einkommen führen könnte“, sagte Raj Badiani von IHS Global Insight. „Die Märkte waren sanft zu Italien, weil sie dessen niedrige Wachstumszahlen und hohen Staatsschulden gewohnt waren“, ergänzte er. „Wenn sich das Wachstum stark verlangsamt, dann werden die Leute die hohen Staatsschulden wieder in den Blick fassen und Italien auf einer Ebene mit Spanien einstufen.“ Die Regierung in Madrid konnte dank eines harten Sparkurses eine Flucht unter den Euro-Rettungsschirm bislang vermeiden, sieht sich aber mit umfangreichen Protesten konfrontiert.

S & P prüft nun eine Herabstufung der italienischen Staatsanleihen. Der Ausblick für das Rating wurde von „stabil“ auf „negativ“ gesenkt. Bei langfristigen Verbindlichkeiten bewertet S & P Italien schlechter als die Konkurrenten Moody’s und Fitch. Das Finanzministerium in Rom reagierte mit Unverständnis. Die Einschätzung weiche sehr stark ab von Beurteilungen internationaler Organisationen wie der OECD, des IWF und der EU-Kommission, erklärte das Ministerium.(Reuters)

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