Wirtschaft : Standort Deutschland: "Uns ging es viel zu lange viel zu gut"

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Zu viele Studenten, zu viele Universitäten, zu lange Studienzeiten und zu wenig Qualität. Kurz und schmerzvoll fasste Rolf Breuer, Vorsitzender der Alfred Herrhausen Stiftung, am Donnerstag die Hauptprobleme zusammen, die der Standort Deutschland seiner Meinung nach hat. Am Rande des Bildungsgipfels in der Deutschen Bank, sagte er, das Gefühl, da entwickle sich etwas in die falsche Richtung, habe die Stiftung dazu bewogen, das Thema Bildung anzufassen. In Deutschland werde qualifizierter Nachwuchs für die Ansprüche von gestern ausgebildet. Die Folgen seien schon sichtbar. So habe die Deutsche Bank zum Beispiel keinen einzigen deutschen Investment Banker, es gäbe einfach keine guten. Und auch auf internationalen Konferenzen sei zu beobachten, dass kaum deutsche Wirtschaftswissenschaftler eingeladen würden. Mit einer Ausnahme, habe es in den letzten Jahren auch keinen einzigen Nobelpreis für einen Deutschen gegeben.

Die Ursache dafür sieht Breuer in erster Linie im Wohlstand, in dem Deutschland seit Jahrzehnten lebt. "Uns ging es einfach zu gut. Es bestand keine Not, uns zu messen und am internationalen Wettbewerb teilzunehmen", sagte Breuer. Zum anderen verhindere die föderale Struktur Deutschlands eine wirksame Hochschulreform. Die Professoren dürften sich zum Beispiel nicht länger sträuben, in der Qualität ihrer Lehre bewertet zu werden, sagte Breuer. Es müsse Wettbewerb und Auswahl, sowohl in der Lehre, als auch bei den Studenten geben, erst dann würden die deutschen Studierenden wieder für die Wirtschaft interessant und erst dann würde die Wirtschaft auch mehr Geld in die Universitäten investieren. Ein weiteres Übel für die deutsche Mittelmäßigkeit sieht Breuer in der ZVS, der Zenralen Vergabe von Studienplätzen. Verwaltung statt Wettbewerb. "Auf solch eine groteske Idee, konnte man wirklich nur in Deutschland kommen", sagte Breuer. Auch inhaltlich müssten sich die Hochschulen ändern. Bislang paukten die Studenten zwar Fachwissen, sie lernten aber nicht, wie man ein Problem aufarbeitet und Lösungen dazu formuliert. Fachwissen veralte schnell, die Fähigkeit strukturiert zu denken nicht. Einige kleine Veränderungen gäbe es aber schon, sagte Breuer. Angefangen damit, dass man endlich ungestraft das Wort Eliten in den Mund nehmen dürfte, bis zu der Tatsache, dass einige Universitäten mittlerweile auch Menschen aus der Wirtschaft in ihre Hochschulräte berufen. Breuer etwa sitzt im Rat der Universität Frankurt.

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