Wirtschaft : Standort-Marketing vernachlässigt

Kritik aus den Ländern: Bonn kümmert sich zu wenig um die Investorenwerbung BERLIN/BONN (dw).Das Standortmarketing im Ausland wird von der Bundesregierung sträflich vernachlässigt.Das Jahresbudget für die Investorenwerbung im Ausland betrage lediglich 1,2 Mill.DM.Darauf wies der Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung Berlin, Hans Estermann, am Mittwoch in Bonn nach einer Konferenz der 14 deutschen Wirtschaftsförderungsgesellschaften hin."Großbritannien setzt für das Standortmarketing jährlich mindestens zwischen 60 und 70 Mill.DM ein", so der Vergleich Estermanns."Wir brauchen endlich eine umfassende Standortoffensive des Bundes auf den wichtigsten Auslandsmärkten in Europa".Erst in der vergangenen Woche hatte die Bundesregierung Zahlen veröffentlicht, wonach die ausländischen Direktinvestitionen in Deutschland im vergangenen Jahr von 18 Mrd.auf 1,1 Mrd.DM gesunken sind. Die Vertreter der Wirtschaftsfördergesellschaften der Länder kritisierten auf der von Berlin initiierten Konferenz die Versäumnisse der Bundesregierung: So gebe es in der britischen Botschaft in Tokio allein etwa 55 Mitarbeiter in der Wirtschaftsabteilung - die deutsche Botschaft habe nur drei oder vier Wirtschaftsattachés vor Ort.Die durchschnittlichen Ausgaben der meisten europäischen Staaten für die Imagewerbung im Ausland liege weit über dem deutschen Budget.Zwar versuchten die Bundesländer, mit ihren eigenen Wirtschaftsförderinstitutionen auszugleichen, seien dabei aber "total überfordert", so Estermann.Das gelte auch für Berlin, dessen Wirtschaftsförderung lediglich mit einem Jahresetat von 8,5 Mill.DM ausgestattet ist."Nordrhein-Westfalen gibt jährlich sechs Millionen alleine in Tokio aus", hielt Estermann dagegegen. Mit seinen Kollegen aus den anderen Bundesländern forderte Estermann den Bund auf, die vorhandenen Kräfte in einer übergeordneten, international ausgerichteten und professionell umgesetzten Marketingstrategie zu bündeln."Eine solche Strategie muß mittelfristig und kontinuierlich ausgerichtet sein und sich finanziell in einer Größenordnung bewegen, die sich an den Wettbewerbern in Europa orientiert", betonte Estermann.Es müßten noch in diesem Jahr zusätzliche Mittel bereit gestellt werden, ab 1998 aber mindestens zehn Mill.DM pro Jahr.Estermann bezeichnete diese Forderung "noch als sehr moderat". Die Wirtschaftsförderungsgesellschaften bieten dem Bund ihre Mitarbeit und ihr Know-how bei der Erarbeitung und Umsetzung eines solchen Konzeptes an.Eine neue Institution brauche man nicht.Ziel müsse es sein, ein gemeinsames "Corportate Identity" aller Bundesländer zu schaffen und nach außen ein einheitliches Erscheinungsbild zu vermitteln."Wir müssen an die Entscheidungsträger ran", betonte Estermann.Eine erste, schnell umsetzbare Lösung stehe bereits fest: Noch in dieser Woche werden Bund und Länder mit einer gemeinsamen Homepage im Internet weltweit für den Wirtschaftsstandort Deutschland werben. Mitverantwortlich für das sich zunehmend verschlechternde Bild des Wirtschaftsstandortes Deutschland seien auch die ausländischen Medien.Fernsehbilder aus Deutschland seien in Asien etwa kaum zu sehen - und wenn doch, dann über amerikanische Nachrichtensender", kritisierte Estermann.Die Medien müßten weltweit besser über das politische Geschehen in Deutschland informiert werden.Zum Beispiel sei das weitverbreitete Bild Deutschlands als Hochsteuerland nicht richtig, sagte Estermann.Lediglich die nominale Abgabenlast in Deutschland sei hoch, die reale Belastung sei hingegen vielfach geringer als selbst in den USA.Für ihn sei es bezeichnend, erklärte Estermann, wenn ein hartrechnender Konzern wie Daimler-Benz sich entscheide, die Motoren für den Mercedes-Kleinwagen in Berlin fertigen zu lassen und nicht im Ausland.

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