Standort : Wo Woolworth drin ist, will jetzt Schlecker rein

Fast jede vierte Filiale der insolventen Warenhauskette Woolworth könnte schon bald einen neuen Eigentümer haben. Der Drogeriediscounter Schlecker hat beim Bundeskartellamt die Übernahme von bis zu 71 Woolworth-Filialen in Deutschland angemeldet.

Corinna VisserD
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Wenig Zuspruch. Woolworth ging im April in die Insolvenz.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Berlin - Fast jede vierte Filiale der insolventen Warenhauskette Woolworth könnte schon bald einen neuen Eigentümer haben. Der Drogeriediscounter Schlecker hat beim Bundeskartellamt die Übernahme von bis zu 71 Woolworth-Filialen in Deutschland angemeldet. Eine Sprecherin des Bundeskartellamtes sagte, die Behörde würde nun in die Prüfung einsteigen, weitere Details nannte sie nicht. Für die Filialen gebe es verschiedene Interessenten aus dem Einzelhandel, sagte ein Sprecher des Woolworth- Insolvenzverwalters Ottmar Hermann. Namen nannte er jedoch nicht. Das Bieterverfahren für die rund 150 kleineren Woolworth-Warenhäuser sei aber auf gutem Wege. Wann es abgeschlossen sein wird, sagte er nicht.

Die Warenhauskette Woolworth hatte am 14. April Insolvenz angemeldet. Damals hatte das Unternehmen in Deutschland 9300 Mitarbeiter, davon 400 in der Zentrale in Frankfurt am Main, die übrigen 8900 in den deutschlandweit 310 Filialen. In den 23 Berliner Filialen arbeiteten schätzungsweise knapp 800 Mitarbeiter. Das 1926 gegründete Unternehmen gehörte seit 2007 der britischen Investmentgesellschaft Argyll Partners. Eine der Ursachen für die Schwierigkeiten der Warenhauskette sahen Handelsexperten in dem fehlenden klaren Profil der Woolworth-Geschäfte – irgendwo zwischen Discounter und Warenhaus.

Insolvenzverwalter Ottmar Hermann hat nun ein Konzept entwickelt, mit dem er möglichst viele Warenhäuser und Arbeitsplätze retten will. Rund 150 Filialen mittlerer Größe (800 bis 1500 Quadratmeter) sollen fortgeführt werden, allerdings mit verändertem Sortiment. Die Produktpalette wird gestrafft, neu hinzu kommen aber Sportartikel. Vier Filialen – zwei in Frankfurt am Main, eine in Offenbach und eine in Ludwigshafen – wurden bereits nach dem neuen Konzept umgebaut. Die Geschäftsperspektiven dieser vier Filialen seien gut, sagte Hermanns Sprecher. Für diese fortzuführenden Filialen wird ein Investor gesucht. Bereits Mitte der Woche hatte der Insolvenzverwalter erklärt, Woolworth strebe für die zweite Jahreshälfte 2009 einen Gewinn an.

Die übrigen rund 150 kleineren und besonders große Filialen sollen geschlossen werden. Für diese Standorte sucht der Insolvenzverwalter Käufer, die möglichst auch die Beschäftigten übernehmen. Neben Schlecker hatten die Drogeriekette dm und Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub Interesse an den Standorten gezeigt. Bis Ende des Jahres sind alle Woolworth-Mitarbeiter in einer Transfergesellschaft untergebracht, die ihnen 80 Prozent des letzten Nettolohns zahlt. Von dort könnten sie nach einer Übernahme an ihre alten Arbeitsplätze zurückkehren.

Die Gewerkschaft Verdi sieht das Interesse Schleckers mit Argwohn. Die Standorte passten genau in das neue Konzept der Schlecker XL-Märkte, sagte Verdi- Handelsexperte Achim Neumann. „Wir befürchten, dass Schlecker die Woolworth-Beschäftigten ebenso wie die eigenen Mitarbeiter in Dumpinglöhne treibt.“ Corinna Visser

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