Standortwechsel : Berlin verliert Logistik-Sparte der Bahn

Rund 200 Manager der Deutschen Bahn sollen umziehen – wohin ist allerdings noch nicht klar. Dem Konzern liegt die Hauptstadt nicht zentral genug.

Carsten Brönstrup
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Und tschüs. Die Bahn-Sparte Schenker will weg aus Berlin. Im Herbst soll klar sein, wohin die Reise geht. Foto: ddpddp

Berlin - Die Deutsche Bahn plant, 200 Arbeitsplätze bei ihrer Logistiksparte DB Schenker aus Berlin abzuziehen. Sie will die Zentrale ihrer Transport- und Logistiktochter an einen anderen Standort verlagern – im Gespräch sind Frankfurt am Main und Duisburg. Die Entscheidung solle im Herbst fallen, erfuhr der Tagesspiegel am Donnerstag. Die Bahn-Zentrale werde aber langfristig in der Hauptstadt bleiben, die bislang verstreute Verwaltung auf drei Standorte konzentriert.

Schon seit Monaten sucht die Bahn eine neue Zentrale für ihre Logistiksparte. Sie ist mit 91 000 Beschäftigten der zweitstärkste Gewinnbringer des Staatskonzerns, der sich als eines der weltgrößten Transportunternehmen sieht. Bislang steuert Karl-Friedrich Rausch, der Logistik-Vorstand, die Sparte vom Leipziger Platz aus. Wegen der Finanzkrise und der Datenaffäre war es ruhig um das Thema Umzug geworden. Die 750 Leute von Verwaltung und Management bei Schenker sind über Deutschland verteilt – die Güterbahn wird von Mainz aus gelenkt, der Logistiker Schenker von Essen aus. Damit ist die Bahn seit Jahren unzufrieden. Insgesamt 500 Leute müssten sich nun bundesweit auf einen Umzug einstellen, sagte ein mit den Plänen vertrauter Manager.

Gegen Berlin als Logistik-Standort spreche vor allem die geografische Lage abseits der großen Warenströme, hieß es zur Begründung. „Wir haben hier nichts außer Verwaltung und Vorstand“, sagte eine Führungskraft. Duisburg profitiere von seinem großen Hafen, der die Stadt zu einem internationalen Logistikzentrum mache. Außerdem wolle die Stadt der Bahn attraktive Flächen in der Nähe des Hafens zur Verfügung stellen.

In Frankfurt am Main spiele der Flughafen eine wichtige Rolle. Dort hatte die Bahn erst Anfang dieser Woche ein neues Luftdrehkreuz in Betrieb genommen, in das sie 50 Millionen Euro investiert hatte. Zudem sei die Main-Metropole ein wichtiger Schienenknotenpunkt. „Für beide Standorte sprechen langfristige Gründe“, hieß es. Hamburg, das sich zwischenzeitlich auch Chancen ausgerechnet hatte, ist mittlerweile aus dem Rennen. Endgültig ist aber noch nichts. „Die Prüfungen laufen noch“, sagte der Manager.

Berlin verbindet ein schwieriges Verhältnis mit seinem größten Arbeitgeber, der 18 300 Menschen hier beschäftigt. Ex-Chef Hartmut Mehdorn wollte 2006 die komplette Zentrale nach Hamburg verlegen und hoffte im Gegenzug auf eine Beteiligung an attraktiven Firmen im Besitz der Hansestadt. Doch die Politik verhinderte dies. Aktuell liegt der Senat mit dem Konzern wegen der Probleme bei der S-Bahn über Kreuz. Gleichwohl hatte der neue Unternehmenschef Rüdiger Grube vergangene Woche bei einem Treffen mit dem Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) einen „Neustart“ in der Zusammenarbeit versprochen und ein „klares Bekenntnis“ zur Stadt abgelegt.

In der Bahn-Zentrale hieß es nun, dies drücke sich in den Investitionen der Bahn aus. So wolle man die Bügelbauten am Hauptbahnhof für einen dreistelligen Millionenbetrag ausbauen. Außerdem lasse die Bahn am Nordbahnhof einen weiteren Bürokomplex errichten. Die ehemals 15 Standorte in der Stadt sollen damit am Potsdamer Platz, am Haupt- sowie am Nordbahnhof zusammengezogen sein.

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