Wirtschaft : STANDPUNKT

VOLKMAR STRAUCH

Vor nunmehr sieben Jahren hat der Senat das "Industrieflächensicherungskonzept" (ISK) vorgelegt.Es umfaßt 21 Schwerpunktbereiche mit insgesamt etwa 3000 Hektar.Der Senat verfolgte damit folgende Ziele: die Umnutzung von Produktionsstandorten in Büro- oder Einzelhandelsstandorte zu begrenzen, den Verdrängungsdruck auf Betriebe des produzierenden Gewerbes abzubremsen, Nutzungskonflikte zwischen Produktionsstandorten und hineinwachsenden Nutzungen zu vermindern, Preissteigerungen abzufangen und den produzierenden Unternehmen an ihren Standorten Planungssicherheit zu verschaffen.

Das Konzept machte zum damaligen Zeitpunkt Sinn: In den ersten Jahren nach der Vereinigung schossen in Berlin die Preise für Grundstücke und speziell Gewerbegrundstücke in eine Höhe, die für die meisten Betriebe des produzierenden Gewerbes nicht verkraftbar war.Hier war das Industrieflächensicherungskonzept ein Instrument, um Nutzungsabsichten und den damit verbundenen Preissteigerungen einen Riegel vorzuschieben.Noch wichtiger war vielleicht das Signal der Politik an die produzierenden Betriebe, daß Berlin trotz der zweifelsohne wachsenden Bedeutung des Dienstleistungsbereichs weiterhin auch auf produzierende Betriebe setzt.Denn auch Dienstleistungen, insbesondere natürlich produktionsorientierte Dienstleistungen, sind auf die Nähe zum produzierenden Gewerbe angewiesen.

Das Flächensicherungskonzept wies aber von Anfang an auch einige unübersehbare Schwächen auf: einige Flächen waren im Hinblick auf Nutzungen im Umfeld für industrielle Nutzungen von vornherein nur wenig geeignet; Senat und Bezirke haben sich zu viel Zeit gelassen, die vorgesehene Nutzung auch planungsrechtlich abzusichern, so daß es immer wieder zu Auseinandersetzungen wegen des noch geltenden "alten" Planungsrechts und der politisch gewollten, aber rechtlich nicht abgesicherten Nutzung kommt; vor allem aber war das ISK - wie schon der Name ausweist - zu statisch und rigide angelegt."Sicherung" wird allzuschnell zum Stillstand.Die IHK Berlin hat deshalb schon vor Jahren dafür plädiert, aus dem statischen Sicherungskonzept ein dynamisches, flexibles Entwicklungskonzept zu machen, um neuen Trends und den Gegebenheiten jedes einzelnen Standorts besser Rechnung zu tragen, statt alle 21 Gebiete über einen Kamm zu scheren.

Im übrigen ist es irreführend, von einem Sicherungskonzept für die "Industrie" zu sprechen.In einer modernen arbeitsteiligen Wirtschaft werden viele ehemals im Industriebetrieb erbrachte Leistungen mittlerweile von verselbständigten Dienstleistern erbracht, wie zum Beispiel Ingenieur-, Transport-, Bewachungs- und andere Service-Leistungen.Zudem gibt es Betriebe in anderen Branchen, insbesondere im Bau- und Transportgewerbe sowie im Großhandel, die im Hinblick auf Lage, Preis und eventuelle Konflikte mit Nutzungen in der Nachbarschaft ähnliche Standortforderungen wie klassische Industriebetriebe haben.Auch diese Betriebe müssen eine Entwicklungschance auf den Flächen des ISK haben.

Schließlich müssen die spezifischen Profile einzelner Standorte deutlicher herausgearbeitet werden.Das könnte bis hin zu einem "Standortpaß" mit Angaben über Entwicklungsziele und Branchenschwerpunkte gehen.Auch wäre denkbar, zur besseren Einbindung der Standorte und zur Abpufferung von möglichen Nutzungskonflikten in den Randbereichen einzelner Gebiete ergänzende nicht produktionsorientierte Nutzungen zu ermöglichen.

Die Vorarbeiten für die Weiterentwicklung des ISK zu einem Standortentwicklungskonzept sind abgeschlossen.Das entsprechende Gutachten von Regioconsult ist längst fertig, aber noch nicht in die politische Praxis umgesetzt.Berlin sollte nun schnell die Chance nutzen, seine Gewerbestandorte in profilierter Form im Rahmen der Unternehmensbetreuung und Wirtschaftsförderung zu präsentieren.

Volkmar Strauch ist bei der Industrie- und Handelskammer zu Berlin zuständig für Stadtentwicklung.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben