Wirtschaft : Star Alliance fliegt in die roten Zahlen

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Das führende Airline-Bündnis Star Alliance um die Deutsche Lufthansa und ihren US-Partner United Airlines steht vor seiner größten Bewährungsprobe. Vermutlich alle 15 Fluggesellschaften, die sich in dem Netzwerk zusammengeschlossen haben, werden dieses Jahr in die roten Zahlen rutschen. Graham Atkinson, Senior Vice President von United Airlines und zuständiger Manager für das Bündnis, räumt ein: "Die Star Alliance sieht sich vor neue Herausforderungen gestellt."

Eigentlich sind die Gesellschaften während der schärfsten Luftfahrtkrise der Geschichte mit eigenen Problemen beschäftigt. Doch die Bedeutung der Allianz hat nach Ansicht von Experten nach dem 11. September noch zugenommen. "Gerade das Bündnis hilft den Fluggesellschaften jetzt durch die Krise zu kommen", sagt Uwe Weinreich, Luftfahrtanalyst der Hypo-Vereinsbank. So ist auch für Lufthansa-Chef Jürgen Weber die weltweite Allianz ein wichtiger Trumpf im internationalen Wettbewerb. Die Allianz spülte Lufthansa nach eigenen Angaben bisher jährlich 500 Millionen Mark in die Kassen, weil sich die Gesellschaften gegenseitig ihre Fluggäste überlassen, die über Vielfliegerprogramme miteinander verbunden werden. Synergien entstehen auch durch abgestimmte Flugpläne in der Allianz.

Die Star Alliance bildet mit ihren 15 Mitgliedern Lufthansa, United Airlines, Air Canada, Austrian Airlines, SAS, Lauda Air, Tyrolean Airways, Singapore Airlines, All Nippon Airways, Air New Zealand, Ansett Australia, Varig, Thai Airways, Mexican Airlines und British Midland das mit Abstand größte Luftfahrtbündnis. Die Konkurrenz - das von British Airways geführte achtköpfige Bündnis One World sowie das Sky Team rund um Air France mit sechs Partnern - fliegt bislang mit deutlichem Abstand hinterher.

Doch angesichts der weltweiten Branchenkrise steht auch die Star Alliance unter Druck. Mit der australischen Ansett musste bereits ein Partner des Zusammenschlusses Insolvenz anmelden. Experten legen auch bei den Star-Alliance-Partnern Varig und Air Canada die Stirn in Falten. Die Nordamerikaner sollen inzwischen auf einem Schuldenberg von zehn Milliarden Dollar sitzen. Noch wichtiger für die Zukunft des Bündnisses dürfte jedoch das Schicksal der angeschlagenen United Airlines sein, die bisher eine tragende Säule des Bündnisses bildet.

Die zweitgrößte Airline der Welt schreibt nicht erst seit dem 11. September tief rote Zahlen. Noch immer büßt die Fluggesellschaft, die bei den Terroranschlägen zwei Flugzeuge verlor, täglich viele Millionen ein. Das Ergebnis ist verheerend: Im dritten Quartal musste die Gesellschaft mit 542 Millionen Dollar den bisher größten Quartalsverlust ihrer Firmengeschichte einstecken - ein Ende der Durststrecke ist nicht in Sicht.

Der neue Vorstandschef John Creighton soll nun das Unternehmen aus der Krise führen. Creighton strich zwar nach dem 11. September bereits jeden vierten Job und kürzte die Zahl der täglichen Flüge drastisch von 2400 auf 1650. Branchenexperten halten aber die bisherigen Maßnahmen noch nicht für ausreichend. Sie erwarten, dass Creighton auch einen Sanierungsbeitrag der Mitarbeiter durchsetzt.

Die Analysten sehen United Airlines nicht in eine existenzbedrohende Krise schlittern. Dafür gilt die Finanzlage der US-Airline im Vergleich zur Konkurrenz als zu stark. Die Fluggesellschaft verfüge über 2,5 Milliarden Dollar Bargeld und weitere vier Milliarden Dollar an unbelasteten Vermögenswerten wie Flugzeugen und anderen Assets, unterstreicht United-Manager Atkinson.

Lufthansa-Chef Weber hat dies sicher mit Erleichterung vernommen. Ein Konkurs des wichtigen US-Partners wäre für die deutsche Airline ein schwerer Schlag. Allein ein Siebtel ihres 15-Milliarden-Euro-Umsatzes machte Lufthansa im vergangenen Jahr auf der Nordatlantikroute.

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