Wirtschaft : Stark bei Turbinen und Motoren

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Berlin - Noch um 1900 rauchten in der Stadt so viele Fabrikschlote, dass Berliner Bürger in die Randbezirke zogen. Der Krieg und die Teilung der Stadt führten dann aber zum Niedergang der Industrie. Siemens und AEG verlagerten ihre Zentralen nach Westdeutschland. Fortan sicherten Subventionen im Westteil und Planwirtschaft im Ostteil den verbleibenen Betrieben das Überleben. Nach der Wende zeigte sich zudem, dass viele Fabriken ohne Subventionen nicht überlebensfähig waren. Mehr als jeder zweite industrielle Arbeitsplatz ging seit 1990 verloren – insgesamt waren es 250 000.

Dieser Trend hat sich zuletzt verlangsamt. Im vergangenen August gab es in den 355 Industriebetrieben mit mehr als 50 Beschäftigten insgesamt 84 122 Arbeitsplätze. Hinzu kommen die Kleinfirmen, so dass knapp 100 000 Menschen in der Industrie arbeiten.

2002 war bei der Entwicklung der Wertschöpfung die Talsohle erreicht, seitdem steigt sie kontinuierlich. Die Produktivität der Beschäftigten ist doppelt so hoch wie 1991. Die Exportquote stieg zwischen 2000 und 2006 um 8,4 auf 32,4 Prozent. Die Aussichten sind vorerst gut: In den ersten sieben Monaten dieses Jahres gingen bei den Unternehmen 12,2 Prozent mehr Bestellungen als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Die Umsätze stiegen um 0,7 Prozent. Allerdings sieht die Lage in den wichtigsten Branchen unterschiedlich aus.

Metall- und Elektroindustrie: Kraftwerksturbinen von Siemens und Motoren von Mercedes zählen zu den bekanntesten Berliner Produkten. Etwa 50 000 Berliner arbeiten in der M+E-Industrie. Nach der Wende stark gebeutelt, florieren heute einzelne Branchen. Im Juli stiegen die Auslandsbestellungen im Maschinenbau um 63 Prozent gegenüber dem Vorjahr, die Inlandsbestellungen der Elektroindustrie um 32 Prozent. Die Medizintechnik verzeichnete in diesem Jahr 13 Prozent mehr Umsatz und 11 Prozent mehr Beschäftigte.

Chemische Industrie: Berliner Pharmaunternehmen sind seit Jahren auf Wachstumskurs. Im ersten Halbjahr 2007 stiegen die Umsätze um 10,1 Prozent, die Aufträge um 26,4 Prozent. Von 11 215 Beschäftigten des Sektors arbeiten 4340 bei der Bayer Schering Pharma AG.

Ernährungs- und Tabakgewerbe: Firmen wie Storck, Bahlsen und Philip Morris profitierten jahrelang von Subventionen. Jeder dritte Euro des Industrie-Umsatzes wird mit Lebens- und Genussmitteln gemacht. In den letzten Jahren ist ein Abwärtstrend der Branche mit 9912 Beschäftigten zu beobachten. Im ersten Halbjahr 2007 sank der Umsatz um 5,4 Prozent. Jüngst verlagerte Reemtsma 200 Arbeitsplätze nach Polen. awr

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