Wirtschaft : Starke Konkurrenz bremst Benetton

Konzern will stärker in seine Marken investieren – und sich nicht auf Preiskriege mit Billiganbietern einlassen

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Mailand (ruf). Der norditalienische Bekleidungskonzern Benetton will sich mit verbesserter Qualität und einer stärkeren Betonung seiner Markennamen gegen die Modekonkurrenz durchsetzen. „Auf simple Preiskriege werden wir uns nicht einlassen“, sagte BenettonVorstandschef Silvano Cassano in Mailand, wo der Konzern seine Geschäftsprognose für die kommenden vier Jahre präsentierte. Rund 430 Millionen Euro sollen bis zum Jahr 2007 investiert werden – davon entfallen 50 Prozent auf das Filialnetz. Das Geld soll in neue Geschäfte und die Renovierung veralteter Niederlassungen fließen. Die andere Hälfte soll für die Modernisierung der Benetton-Fabriken ausgegeben werden.

Die Benetton-Gruppe ist in den vergangenen Jahren wegen der aufkommenden Billig-Anbieter wie etwa Hennes & Mauritz aus Schweden und Zara aus Spanien in den internationalen Einkaufsstraßen unter Druck geraten. Der Ausbau des Franchising-Netzes der Benetton-Gruppe soll jetzt dabei helfen, auch in Zeiten starker Konkurrenz Gewinne zu machen. Benetton ist zurzeit mit den Marken United Colours of Benetton, Sisley, Killer Loop, Playlife und The Hip Site am Markt. „Diese einzelnen Marken müssen in Zukunft stärker betont werden“, sagte Cassano, der sich seit Mai dieses Jahres um das operative Tagesgeschäft des Unternehmens kümmert.

Im Frühjahr hatten sich die Familienmitglieder der Benettons überraschend aus der ersten Reihe ihres Imperiums zurückgezogen, um Platz für junge Nachwuchsmanager zu machen. Über die Edizione Holding, in der ihre Beteiligungen gebündelt sind, kontrolliert die Benetton-Familie jedoch nach wie vor fast 70 Prozent der Textiltochter. Doch nicht nur das: Wer seinen Urlaub in Italien verbringt und dabei Italiens Autobahnen nutzt oder bei der Fahrpause in einer der überall im Land vertretenen Raststätten von „Autogrill“ einkehrt, zahlt damit an die Familie Benetton: Über ihre Edizione Holding kontrolliert sie unter anderem auch die Mautgesellschaft Autostrade und den Raststättenbetreiber Autogrill. Autostrade bietet sich nun sogar an, die Lkw-Maut in Deutschland zu betreiben und in naher Zukunft auch für deren Funktionieren finanziell einzutreten. „Wir garantieren der Bundesregierung, dass wir ihr von Mitte 2004 an jeden Monat die erhofften Einnahmen von 156 Millionen Euro überweisen“, sagte Giovanni Castellucci, bei Autostrade verantwortlich für das operative Geschäft, der „Wirtschaftswoche“. Als Bedingung nennt Castellucci den Einstieg von Autostrade in das deutsche Mautkonsortium Toll Collect. „Wir haben kein Interesse, nur Zulieferer zu sein, sondern wollen Gesellschafter von Toll Collect werden“, sagte der Autostrade-Manager. Wir hoch der Anteil sein solle, sei „Verhandlungssache“.

Selbst in Zeiten schwacher Modekonjunktur ist der Familie der Umsatz aus ihren Autobahnaktivitäten sicher – und die lohnen sich. Setzten die Benettons im vergangenen Jahr mit Kleidung 1,99 Milliarden Euro um, werden es 2003 nach dem Verkauf der Sportmarken (unter anderem Rollerblade und Nordica) nur noch 1,85 Milliarden Euro sein. Die mautpflichtigen Autobahnen brachten 2002 dagegen 2,36 Milliarden Euro ein. Tendenz steigend: In den kommenden fünf Jahren, so schätzen Branchenexperten, soll hier der Umsatz auf fast drei Milliarden Euro wachsen. Doch auch auf dem hart umkämpften Textilmarkt wollen sich die Italiener behaupten. Bis 2007 soll der Gewinn vor Steuern und Zinsen (Ebit) der Benetton-Gruppe um 40 Prozent auf 324 Millionen Euro jährlich wachsen, der Umsatz soll im gleichen Zeitraum um 18,5 Prozent auf 2,19 Milliarden Euro steigen.

An der Börse fand der Plan der Benetton- Führung keine Gnade: „Wir haben mehr erwartet, die Prognosen sind zu vage und zu langfristig“, fasste ein Händler die Stimmung an der Mailänder Börse zusammen. Aktien der Benetton-Gruppe verloren dort bis zum Abend 8,4 Prozent auf 10,04 Euro.

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