Wirtschaft : Starker Dax: Autoaktien retten die Börse vor dem Sommerloch

Veronica Csizi

Während ganz Deutschland über den verregneten Juli murrte, konnten sich Besitzer von Dax-Papieren zumindest über ein paar Sonnenstrahlen freuen. Unter dem Strich beendete der deutsche Index für Standardwerte die vergangenen vier Wochen positiv. Krebste der Dax zu Monatsbeginn noch an der 6900-Punkte-Marke umher, so hatte er bis zum gestrigen Nachmittag wieder über 7160 Punkte auf dem Konto: Von einer Sommerrallye zwar weiter keine Spur, aber immerhin ein kleines Plus, wobei auch das Verhältnis von Gewinnern zu Verlierern positiv ist: Nur sechs Dax-Werte beendeten den Juli im Minus, darunter Preussag, Hypo-Vereinsbank und Adidas-Salomon.

Der Herzogenauracher Sportartikler konnte demnach nicht von der Fußball-WM-Entscheidung für Deutschland profitieren. Der kleine Kursanstieg nach der Bekanntgabe blieb ein Strohfeuer. Während Preussag ohne größeren Hintergrund leicht schwächer tendierte, zeigte das Kursbarometer der Hypo-Vereinsbank bis auf kurzes Aufbäumen über die 71 Euro zu Montagsbeginn ins Negative, zuletzt wieder an die Marke von 63 Euro. Der Grund: Viele Anleger bemängelten den hohen Kaufpreis für die Bank Austria. Während die Hypo die Übernahme vor allem mit der Osteuropa-Präsenz der Wiener Großbank begründete, urteilte unter anderem das US-Investmenthaus Lehman Brothers, ein Marktanteil von fünf Prozent erbringe keine bedeutende Wertschöpfung.

Mit Ausnahme von Branchenprimus Deutsche Bank tendierte der Finanzsektor im Dax nur marktkonform. Vor allem die zweite Banken-Fusionsschlappe setzte den Sektor unter Druck. Gescheitert war die Banken-Ehe zwischen Dresdner und Commerzbank dem Vernehmen nach an der Allianz, die 22 Prozent an der Dresdner hält und auf eine stärkere Gewichtung ihrer Beteiligung drängte. Commerzbank-Chef Martin Kohlhaussen lehnte dies und weitere Verhandlungen ab, wovon das Papier allerdings nicht nachhaltig profitierte. Unterm Strich tendierte die Aktie im Monatsverlauf unverändert. Die Allianz beendete den Juli zwar im Plus, bekam aber zum Monatsende noch einen Seitenhieb. Eine Gewinnwarnung der Allianz-Sachversicherungsgruppe verstimmte die Anleger: Statt eines Anstiegs erwartet die Gruppe für 2000 einen Rückgang des Gesamtergebnisses vor Steuern um 25 Prozent. Die Münchener Rück belasteten Gerüchte, das Papier werde anlässlich der Neuordnung des Euro Stoxx 50 am 18. September aus dem wichtigen europäischen Standardwerte-Index fliegen - aus einem einfachen Grund: Zu diesem Zeitpunkt sollen die einzelnen Papiere nicht mehr nach ihrer Marktkapitalisierung, sondern nach dem Anteil frei handelbarer Anteilsscheine gewichtet werden. Die Münchener Rück wird dann, ebenso wie die Allianz und die Telekom, mit geringerem Gewicht vertreten sein. Siemens und die Deutsche Bank dagegen profitieren von der Neuregelung.

Die Deutsche Telekom erreichte im Juli einen neuen Negativrekord und unterschritt zeitweise die 46 Euro. Hier kamen die gegenwärtig ablehnende Haltung des Marktes und der geplante Kauf des US-Mobilfunkers Voicestream zusammen. Die T-Aktie hat ihre Abwärtsspirale damit auch im Juli nicht aufhalten können. Zur Erinnerung: Noch im März kostete das Papier knapp 104 Euro.

Gas gegeben haben in den letzten vier Wochen die Autowerte - mit einer Ausnahme: Daimler-Chrysler. Beflügelt haben dürften die starke Absatzsteigerung auf dem US-Markt ebenso wie die jüngsten Halbjahresergebnisse. BMW verkaufte in den ersten sechs Monaten 14, VW fast 20 Prozent mehr Fahrzeuge in den USA. Nach dem Verkauf von Rover, urteilte ein Analyst, gehe es jetzt bei BMW wieder aufwärts. Auch bei VW schienen die negativen Nachrichten schnell verdaut. Zu Monatsbeginn hatte der Europäische Gerichtshof die Wolfsburger zur Zahlung von 90 Millionen Euro Strafe verurteilt, weil sie systematisch günstige Reimporte aus Italien an deutsche Endkunden verhindert hätten. Positiv bewerteten Anleger auch die Ankündigung von VW-Chef Piëch, der Konzern werde keine weiteren Autohersteller oder -marken übernehmen.

Die Daimler-Chrysler-Aktie trat weiter auf der Stelle - trotz der erneuten Unterstützung mehrerer Investmenthäuser, darunter Goldman Sachs, die ihr Kaufvotum erneuerten. Daimler-Chrysler-Chef Jürgen Schrempp verschreckte potenzielle Käufer mit der Mitteilung, er rechne für das Jahr 2000 mit leicht sinkenden Gewinnen.

Satt im Plus schlossen Konsumwerte den Monat, vor allem Metro. Hier brodelte die Gerüchteküche über mögliche Übernahmen weiter. Karstadt schoss neun Prozent in die Höhe, nachdem der langjährige Vorstandschef Walter Deuss seinen Rücktritt angekündigt hatte. Viele Investoren hatten Deuss für den Kursverlust und die enttäuschenden Jahresergebnisse verantwortlich gemacht.

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