Wirtschaft : Starker Endspurt hellt die SAP-Bilanz auf

Softwarekonzern überrascht mit starkem vierten Quartal – Analysten erwarten jetzt langsameres Wachstum

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Berlin (mot). Der Walldorfer Softwarekonzern SAP bewältigt die Krise der HightechIndustrie besser als erwartet. Die am Donnerstag für das Geschäftsjahr 2002 vorgelegten vorläufigen Zahlen überraschten viele Analysten und die Börse positiv. SAP konnte den Umsatz leicht steigern und die operative Marge – den Anteil des Gewinns am Umsatz – um mindestens einen Prozentpunkt über den Vorjahreswert von 20 Prozent anheben. Details zum Jahresabschluss will der Vorstand am 30. Januar bekannt geben. An der Börse griffen Anleger schon am Donnerstag zu: Der SAP-Kurs sprang bis zum Börsenschluss um 5,5 Prozent auf 90,67 Euro.

SAP begründet seinen optimistischen Rückblick auf 2002 mit dem vergleichsweise erfolgreichen vierten Quartal. In den traditionell umsatzstärksten letzten drei Monaten des Jahres erlöste der Konzern 950 Millionen Euro mit Softwarelizenzen. Das waren zwar acht Prozent weniger als im Jahr zuvor, aber immer noch deutlich mehr als Analysten im Schnitt prognostiziert hatten (rund 800 Millionen Euro). Auch schnitt SAP damit besser ab als der US-Konkurrent Oracle, der im gleichen Quartal ein Minus von 14 Prozent bei den Umsätzen mit Business-Software verkraften musste. Lizenzerlöse für installierte Software gelten in der Branche als wichtiger Indikator für die Nachfrage der Kunden. Der Umsatz von SAP verschiebt sich seit einiger Zeit von Softwareerlösen zu Einnahmen aus Wartung und Beratung. Auch in diesem und im kommenden Jahr wird SAP noch von der Umstellung der R/3-Standardsoftware auf den Nachfolger mySAP.com profitieren.

Im ganzen Jahr 2002 summieren sich die Softwareerlöse auf rund 2,28 (2001: 2,58) Milliarden Euro, ein Minus von zwölf Prozent. Um seine ehrgeizigen Renditeziele zu erreichen, hatte sich SAP im vergangenen Juli ein drastisches Kostensenkungsprogramm auferlegt, das neben Kürzungen von Reisekosten auch einen Einstellungsstopp vorsieht. Frei werdende Stellen werden seither nicht wieder besetzt. Damit sollten 600 der zuletzt fast 29000 Arbeitsplätze wegfallen. In den USA hatte SAP jüngst 174 Kündigungen ausgesprochen.

Unberührt von der Branchenkrise bleiben auch die Walldorfer nicht. Im Oktober hatte SAP bei der Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal 2002 die bisherige Umsatzprognose, die von einem Wachstum zwischen fünf und zehn Prozent ausging, zurückgenommen und keine neuen Angaben gemacht. Hintergrund war die allgemein unsichere politische und wirtschaftliche Lage.

In die positiven Analystenreaktionen mischten sich am Donnerstag denn auch kritische Stimmen. Jochen Klusmann von der ING Bank warnte vor „überschäumender Euphorie“. Nach den im vergangenen Jahr deutlich reduzierten Prognosen liege SAP nun naturgemäß über den sehr vorsichtigen Schätzungen vieler Analysten. Auch bleibe SAP mit einer operativen Marge von gut 20 Prozent weit hinter Oracle (fast 40 Prozent) oder Microsoft (über 50 Prozent) zurück. Zu den Wachstumsperspektiven für 2003 sagte Klusmann dem Tagesspiegel: „Ein Umsatzplus im einstelligen Prozentbereich wäre schon ein Erfolg.“ ING beließ seine Empfehlung für die SAP-Aktie auf „halten“. J.P. Morgan stufte das Papier angesichts der „starken Entwicklung“ im vierten Quartal hingegen von „neutral“ auf „übergewichten“ hoch. Lehman Brothers korrigierte das Kursziel von 90 auf 100 Euro nach oben. Ein Niveau, das ING-Analyst Klusmann „schon nicht mehr billig“ findet.

In Berlin will SAP Anfang 2004 in Mitte seine neue Hauptniederlassung im Rosenthaler Hof nahe den Hackeschen Höfe beziehen. Die Mietverträge für das 60 Millionen Euro teure Bürogebäude, in dem vor allem ein Ausbildungszentrum und Entwicklungsabteilungen untergebracht werden sollen, wurden Mitte 2002 unterschrieben. Mit den Arbeiten am Rohbau soll nach Angaben des Bauträgers, der Hamburger Projektwerke AG, in den kommenden Wochen begonnen werden. „Kran, Betonsilo und Bauzaun stehen“, sagte Projektwerke-Vorstand Klaus Engelbrecht-Schnür dem Tagesspiegel. „Ende 2003 ist das Gebäude fertig.“ Früheren Angaben zufolge will SAP seine Berliner Mitarbeiterzahl von rund 240 künftig verdoppeln und möglicherweise weitere Konzernstandorte an der Spree ansiedeln.

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