Starker Euro : Im Export schmelzen die Gewinne

Flugzeugbauer Airbus fürchtet Kosten bis zu einer Milliarde Euro durch den starken Euro. US-Unternehmen wie Nike hingegen profitieren von der aktuellen Entwicklung.

Christoph Giesen,Stefan Kaiser
Airbus-Montage Foto: ddp
Teure Arbeit: Der starke Euro treibt die Preise für Produkte aus den deutschen Airbus-Werken. -Foto: ddp

Berlin - Der steigende Euro-Kurs macht den europäischen Unternehmen schwer zu schaffen und kostet sie möglicherweise Milliardenbeträge. Am Freitag stieg der Eurokurs weiter und übersprang kurzzeitig sogar die Marke von 1,41 Dollar. Die Europäische Zentralbank setzte den Referenzkurs auf 1,4049 Dollar fest. Angesichts des Höhenflugs muss der Flugzeughersteller Airbus sein Sparprogramm „Power 8“ womöglich verschärfen. „Wenn der Kurs dauerhaft bei 1,45 Dollar liegt, dann müssten wir eine Milliarde Euro zusätzlich aufbringen“, sagte der Airbus-Vizechef Fabrice Brégier am Freitag dem französischen Radiosender BFM. Mit „Power 8“ will Airbus bis 2010 fünf Milliarden Euro sparen und anschließend zwei Milliarden pro Jahr. Die bisherigen Kalkulationen für das Programm gingen von einem Eurokurs von 1,35 Dollar aus.

Airbus gehört zu den Unternehmen, die die Euro-Stärke besonders hart trifft. Der europäische Konzern, an dem auch Daimler-Chrysler beteiligt ist, produziert im Euro-Raum, die Flugzeuge werden jedoch in Dollar bezahlt.

Doch auch anderen Konzernen macht der hohe Wechselkurs des Euro zu schaffen. „Besonders betroffen sind Unternehmen, deren Hauptkonkurrenten im Dollar-Raum oder in Japan sitzen“, sagt Ralph Wiechers, Chefvolkswirt des Maschinenbauverbandes VDMA. Denn auch gegenüber dem japanischen Yen ist der Euro zuletzt deutlich teurer geworden.

Das bekommt etwa der Maschinenbauer König & Bauer aus Würzburg zu spüren, dessen größte Konkurrenten aus Japan kommen. „Das bedeutet bei großen Aufträgen einen enormen Preisdruck“, sagt Sprecher Bernd Heusinger. Besonders problematisch wird es bei Lieferungen in den Dollar-Raum, die knapp ein Viertel des Geschäfts bei König und Bauer ausmachen. „Wenn ein Kunde in den USA früher fünf Millionen für eine Maschine bezahlt hat und heute 5,5 Millionen bezahlen soll, ist das für ihn erklärungsbedürftig.“ Dann müsse man entweder den Preis senken und eine niedrige Marge akzeptieren oder den Kunden davon überzeugen, warum er mehr bezahlen soll.

Probleme, mit denen man bei Porsche in Zuffenhausen derzeit nicht zu kämpfen hat. „Wir haben Anfang der 90er Jahre Lehrgeld zahlen müssen und sichern uns seitdem ab“, sagte Konzernsprecher Frank Gaube. Porsche investiert an der Börse in Finanzderivate, die dem Unternehmen einen stabilen Wechselkurs garantieren. Bei jährlich 100 000 verkauften Nobelautos ein sinnvoller Schritt. Für Massenhersteller oder auch für kleinere Unternehmen ist eine solch weitgehende Absicherung aber kaum bezahlbar.

Beim Porsche-Konkurrenten BMW hat der schwache Dollar bereits im vergangenen Jahr die Bilanz verhagelt. Durch Währungsschwankungen hatten sich Belastungen in Höhe von rund 660 Millionen Euro angesammelt. Und auch in diesem Jahr erwartet der bayrische Autokonzern ähnlich hohe Ausfälle. „Höher wird es aber auf keinen Fall“, sagt BMW-Sprecher Marc Hassinger. Bei Volkswagen sieht man sich „momentan gut aufgestellt“. Was bei einem Euro-Kurs von 1,45 Dollar wird, könne man aber nicht sagen.

Der Berliner Autozulieferer Körber hat schlechte Erfahrungen mit dem starken Euro gemacht und will das Problem nun offensiv angehen. Vor zwei Jahren ist das USA-Geschäft des Mittelständlers völlig eingebrochen. „Momentan haben wir keine Aufträge aus den USA“, sagt Geschäftsführer Martin Niggemeier. Deshalb plant die Firma ein neues Werk im Südosten der Vereinigten Staaten. Im Januar 2008 soll die Produktion aufgenommen werden.

Das Leid der Europäer ist also die Freude der Amerikaner. Der schwache Dollar zieht nicht nur Investitionen an, sondern sorgt auch für billige Exportpreise. Davon profitiert zum Beispiel der Sportartikelhersteller Nike. Sein Gewinn ist im abgelaufenen Quartal um mehr als die Hälfte auf 570 Millionen Dollar (405 Millionen Euro) gestiegen. Durch den schwachen Dollar liefen vor allem die Exporte nach Europa besser als zuvor.

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