Wirtschaft : Starker Euro kostet VW 1,5 Milliarden

VW-Gewinn sinkt um 63 Prozent/Deutliche Besserung erst 2005 erwartet/Betriebsrat fordert echten Volkswagen

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Berlin (alf). Der VWKonzern hat im vergangenen Jahr noch weniger Geld verdient als befürchtet und wird gegenwärtig von enormen Überkapazitäten belastet. Vor allem wegen des hohen Euro-Kurses und verschiedener Sonderlasten sank das operative Ergebnis auf 1,78 Milliarden Euro, im Jahr zuvor hatte es noch 4,76 Milliarden Euro betragen. In einer Mitteilung über den Jahresabschluss äußert VW aber eine „mittelfristig wieder positivere Ertragserwartung“. Der VW-Betriebsrat forderte unterdessen ein Billigauto, damit der Konzern wieder einen echten Volkswagen im Angebot habe.

Unterm Strich blieb VW für 2003 ein Jahresüberschuss von 633 Millionen Euro (minus 38,9 Prozent). Davon werden 409 (505) Millionen Euro an die Aktionäre ausgeschüttet. Die Dividende für die Stammaktie sinkt um 25 Cent auf 1,05 Euro, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit. Die VW-Aktie notierte auf Vortagesniveau bei 39,33 Euro. Mit 5,015 Millionen Fahrzeugen sprang der VW-Konzern mit seinen Hauptmarken VW, Audi, Skoda, Seat und Bentley wieder über die Fünf-Millionen-Marke (2202: 4,984 Millionen). Der Umsatz erhöhte sich um 0,2 Prozent auf 87,15 Milliarden Euro. Ende 2003 beschäftigte VW 337000 Mitarbeiter, das waren 12000 mehr als ein Jahr zuvor.

Robert Pottmann, Autoanalyst bei der Investmentbank M.M. Warburg, äußerte sich „ziemlich enttäuscht“ über das operative Ergebnis. Er vermutete, VW habe im 4. Quartal „noch einige Projekte abgerechnet“, um möglichst unbelastet in das neue Jahr zu kommen. Wahrscheinlich habe VW Entwicklungsaufwendungen aktiviert und dadurch das Ergebnis belastet, meinte Pottmann auf Anfrage. Die Wolfsburger leiden Pottmann zufolge stärker als andere Autohersteller unter dem hohen Eurokurs. Im vergangenen Jahr drückte der Wechselkurs das VW-Ergebnis um 1,5 Milliarden Euro. Wenn der Euro weiter steige und womöglich sogar 1,35 Dollar koste, könnte das „sehr eng“ für VW werden, sagte Pottmann. VW-Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch hatte in den vergangenen Monaten immer wieder betont, den Konzern gegen die Wechselkursrisiken besser absichern zu wollen.

Der „Wirtschaftswoche“ sagte Pötsch am Mittwoch, VW habe „momentan Überkapazitäten von 20 Prozent“. Der Konzern habe deshalb seine ursprünglichen Planungen korrigiert, „Fertigungsanlagen zusammengelegt und so flexibilisiert, dass wir dort verschiedene Modelle nebeneinander produzieren können“. Allerdings würden die Maßnahmen erst „ab 2005 wirken“. Das sieht VW-Betriebsratschef Klaus Volkert ganz ähnlich. 2004 werde ein „Übergangsjahr“, sagte Volkert der Deutschen Presseagentur. An der Luxusstrategie des Unternehmens (Bentley, VW-Phaeton, Bugatti) äußerte Volkert zum wiederholten Mal Zweifel. VW müsse überlegen, „ob man dem Namen Volkswagen noch gerecht wird, wenn man ein großes Klientel nicht mehr bedienen kann, das keine große Kaufkraft hat“. Der Betriebsrat regte den Bau eines Autos „ohne großen technischen Schnickschnack unter 10000 Euro“ an.

Der bislang enttäuschende Verkauf des neuen Golf wird unter anderem mit dem hohen Preis begründet. Selbst für den günstigen Golf mit der bescheidensten Ausstattung muss man bereits mehr als 15000 Euro zahlen. Um den Absatz in Schwung zu bringen, gibt VW seit einigen Tagen die Klimaanlage umsonst dazu. Der Golf-Käufer spart dadurch rund 1200 Euro. Vom Golf, dem mit Abstand wichtigsten Auto des Konzerns, will VW in diesem Jahr 600000 Stück bauen. Jüngsten Äußerungen von Vorstandschef Bernd Pischetsrieder zufolge bessert sich so langsam die Auftragslage für den Golf.

Neben dem Wechselkurs hatten Sonderbelastungen aus Südamerika (vor allem Brasilien) und der schlecht laufenden Luxussparte das Ergebnis im vergangenen Jahr reduziert. Die „einmaligen Sondereinflüsse aus der Neubewertung von Vorleistungen und aus Restrukturierungsmaßnahmen“ beziffert VW mit 711 Millionen Euro. Hinzu kamen Aufwendungen für den Anlauf neuer Modelle – neben Golf unter anderem der VW Touran sowie Audi A3 und A8.

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