Wirtschaft : Starker Euro macht Urlaub in den USA billiger

Kurs der Gemeinschaftswährung nähert sich der Marke von 1,30 Dollar – Zentralbank ist besorgt, Reiseveranstalter senken Preise

Henrik Mortsiefer

Berlin - Der fortgesetzte Anstieg des Euro-Kurses alarmiert die deutschen Exporteure – und freut viele Verbraucher. Während sich deutsche Produkte in den USA verteuern und damit schwieriger verkaufen lassen, werden Reisen in die USA oder Importwaren aus dem Dollarraum billiger. Volkswirte warnen dennoch: „Der Saldo aus positiven und negativen Effekten des Euro-Anstiegs ist für die deutsche Wirtschaft insgesamt negativ“, sagte Reinhard Kudiß, Volkswirt des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), dem Tagesspiegel. „Das ist natürlich Besorgnis erregend und belastet den Export und vor allem die Margen“, sagte BDI-Präsident Michael Rogowski. Auch Jean-Claude Trichet, Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), äußerte sich besorgt. „Die jüngsten Schwankungen, die im Devisenhandel des Euro zum Dollar schon fast brutal sind, sind vom Standpunkt der EZB aus nicht willkommen“, sagte er am Montag.

Die Äußerungen, die als verbale Intervention des Notenbankchefs gewertet wurden, zeigten am Devisenmarkt Wirkung. Nachdem der Euro am Morgen Kurs auf die Marke von 1,30 Dollar genommen hatte, gaben die Notierungen am Nachmittag etwas nach. Am Abend kostete ein Euro 1,2929 Dollar. „Trichet wollte den Kursanstieg offenbar kurzfristig bremsen“, sagte Analyst Christian Pohl vom Devisenbroker FX-Direkt. „Längerfristig will der Markt 1,30 Dollar sehen.“

Das Szenario steigender Euro-Kurse ist angesichts der Rahmenbedingungen plausibel (siehe Kasten) – zur Freude der Verbraucher, die eine Reise nach Amerika planen. Die Veranstalter Dertour und FTI kündigten am Montag Preissenkungen für die Sommersaison 2005 an. „Die Preise purzeln noch einmal“, sagte eine Sprecherin des Marktführers Dertour dem Tagesspiegel. Der kürzlich für den Sommer-Katalog kalkulierte Dollarkurs sei im Vergleich zum Vorjahr deutlich gesunken. „Alle Reisen in dollarabhängige Zielgebiete werden deshalb billiger – also auch in die Karibik sowie einige Länder in Asien und im Orient.“ Auch FTI gewährt 2005 Nachlässe: „Reisen nach Nordamerika werden günstiger“, kündigte eine Sprecherin an. Damit setzt sich der Trend aus diesem Jahr fort, das wegen des günstigen Dollars „ein Jahr der Fernreisen“ war, wie es beim Reisebüroverband heißt.

Die Folgen des Euro-Anstiegs für die exportabhängige deutsche Wirtschaft bleiben indes gravierend. „Wir sollten zwar nicht dramatisieren“, warnte BDI-Volkswirt Kudiß. 60 Prozent aller Ausfuhren würden in Euro abgerechnet. Aber: „Der Euroraum wächst nur schwach. Die größten Impulse für unseren Export stammen aus dem boomenden Dollarraum.“

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