Wirtschaft : Starkes Auftragsplus für den Maschinenbau

Deutlich mehr Bestellungen im Januar / Euro unter Druck

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Berlin (brö). Der Maschinenbau in Deutschland steuert auf Erholungskurs. Der Auftragseingang sei im Januar um neun Prozent gewachsen, teilte der Verband VDMA am Dienstag in Frankfurt (Main) mit. Auch der Einzelhandel meldete gute Zahlen. Derweil stürzte der EuroWechselkurs zum Dollar so stark wie noch nie an einem einzigen Tag. Am späten Abend wurde er bei 1,2225 Dollar gehandelt, 1,74 Prozent weniger als am Vortag.

Der Maschinenbau, eine der wichtigsten Branchen in Deutschland, profitierte vor allem von höheren Bestellungen aus dem Inland. Sie kletterten um 23 Prozent, während aus dem Ausland nur zwei Prozent mehr Orders eingingen. Trotzdem warnte der Verband VDMA vor Euphorie. „Es wird nicht in diesem Tempo weitergehen“, sagte der VDMA-Konjunkturexperte Olaf Wortmann. Viele Unternehmen seien gezwungen, jetzt zu investieren, nachdem die Anschaffungen für Ausrüstungen drei Jahre lang zurückgegangen waren. „Das dritte gute inländische Monatsergebnis in Folge belegt, dass viele Unternehmen – nach dreijährigem Rückgang der Ausrüstungsinvestitionen – investieren müssen, wenn sie nicht den Anschluss an den Stand der Technik verlieren wollen.“

Auch dem Einzelhandel geht es besser, der seit Jahren über sinkende Umsätze klagt. Im Januar stiegen die Umsätze um 3,1 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte. Das Weihnachtsgeschäft war für den Einzelhandel mit einem Minus von 2,3 Prozent noch enttäuschend ausgefallen. Besonders der Lebensmittel-Einzelhandel, Getränke und Tabakwaren seien verstärkt gekauft worden, teilten die Statistiker mit. Beleg für eine steigende Kauflaune der Leute ist auch eine Umfrage der Gesellschaft für Konsumforschung – sie hatte ermittelt, dass die Deutschen wieder mehr und teurere Waren kaufen wollten. Die Schwäche der Binnennachfrage gilt seit Jahren als eine der größten Konjunkturprobleme hier zu Lande.

Von einer Trendwende nach den guten Zahlen zum Jahresanfang wollten Experten indes noch nicht sprechen. Das Plus habe vor allem mit der schwachen Lage im Dezember zu tun, sagte Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Fondsgesellschaft Invesco. „Angesichts der weiter schrumpfenden Beschäftigtenzahl ist ein Aufschwung im Handel unwahrscheinlich“, kommentierte er. Auch der Verband BAG, in dem Großbetriebe wie Kaufhäuser organisiert sind, ist noch skeptisch. „Mit dem Start ins neue Jahr kann der Einzelhandel nicht zufrieden sein“, erklärte BAG-Hauptgeschäftsführer Johann Hellwege. Die Verunsicherung der Verbraucher sei durch die Belastungen etwa im Gesundheitsbereich verstärkt worden.

Wechselkurs auf Talfahrt

Derweil sorgt der steigende Dollarkurs für bessere Konjunkturaussichten in Deutschland. Der Euro fiel am Dienstag zeitweise mehr als 2,35 US-Cent auf 1,2195 Dollar. Das ist in absoluten Zahlen der stärkste Kursverlust der Gemeinschaftswährung an einem Tag seit ihrer Einführung Anfang 1999. Im Februar war der Euro noch auf einen Spitzenwert von 1,2929 Dollar gestiegen. Verantwortlich für die Bewegungen sind die Hoffnung auf gute Arbeitsmarkt-Daten aus den USA am kommenden Freitag. Zudem hoffen Händler auf eine überraschende Leitzinssenkung durch die Europäische Zentralbank am kommenden Donnerstag.

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