Wirtschaft : Stars aus der zweiten Reihe

hof/HB

Manchmal befallen Alexander Kirsch Zweifel an der Funktionsfähigkeit der Börse: Fast schon gebetsmühlenartig listet der Vorstand der Centrotec die Erfolgsgeschichte des in der Kunststoff- und Umwelttechnologie tätigen Unternehmens auf: Seit Jahren zweistellige Wachstumsraten, permanente Ergebnissteigerungen, günstige Bewertung und Empfehlungen von Analysten. Und der Aktienkurs - er schlummert. Kirschs Firma ist nicht die Einzige am Neuen Markt, auf die dieses Schema passt. Die Argumente der Vorstände bleiben im Skandalgetöse ungehört.

Doch es gibt auch handfeste Gründe dafür, dass sich niemand für diese Papiere zu interessieren scheint, selbst wenn es andauernd Kaufempfehlungen gibt: Die Zahl der frei handelbaren Aktien ist zu klein, um institutionelle Anleger in die Werte zu locken.

"Für einen Fonds werden Gesellschaften erst ab einer Börsenkapitalisierung von mindestens 50 Millionen Euro bei entsprechend hohem Streubesitz interessant", bestätigen Fondsmanager. Bei der Marktkapitalisierung haben einige Firmen diese Schwellen bereits überschritten, doch zu viele ihrer Aktien sind in festen Händen. Und so lange die großen Investoren nicht einsteigen, passiert auch mit dem Aktienkurs nicht viel. Weiterer Grund für die mangelnde Bewegung: Für Zocker sind solche Papiere (Beispiele siehe Tabelle) nicht unbedingt erste Wahl, denn das Management baut meist auf eine kontinuierliche Entwicklung. Überraschende Jubelmeldungen sind selten. Wer aber Ausdauer zeigt, kann auch nach Meinung von Volker Borghoff, Aktienstratege bei HSBC Trinkaus, das ein oder andere Schnäppchen machen, "da einige Werte in den kommenden Jahren eine kritische Größe überschreiten werden". Dafür ist neben dem kontinuierlichen Wachstum allerdings auch eine Entspannung am Kapitalmarkt nötig, die es den Firmen erlaubt, ihr Wachstum über Kapitalerhöhungen abzudecken und gleichzeitig den Anteil der frei handelbaren Papiere zu erhöhen.

Die Ausgabe von Gratisaktien - etwa als Alternative zu Dividendenzahlungen - könnte die Firmen diesem Ziel ebenfalls näher bringen. Schließlich besteht noch die Möglichkeit, Akquisitionen mit Aktien zu bezahlen, was kurzfristig zwar den Kurs belasten könnte, langfristig aber die Handelbarkeit der Aktien erhöhen würde. Denn bei Tagesumsätzen von zum Teil weniger als 100 000 Euro je Papier sollten selbst Privatanleger ihre Aufträge mit einem Preislimit versehen, wollen sie vermeiden, dass selbst eine geringe Nachfrage schon auf den Kurs durchschlägt.

Centrotec-Vorstand Kirsch ist jedenfalls zuversichtlich, dass die Firma weiter in eine ansehnliche Größenordnung hineinwachsen wird. Für 2002 plant Centrotec einen Umsatzsprung auf mehr als 100 Millionen Euro, das Ergebnis pro Aktie soll auf 1,10 Euro steigen. Rückenwind erhält Kirsch von Analystenseite: So empfehlen M.M. Warburg und die BW-Bank das Papier zum Kauf.

Dass sich warten lohnen kann, haben zuletzt die SoftM-Aktionäre gespürt. Das Papier war zwar bis Ende 2000 im Strudel des Marktes auf Talfahrt, konnte sich danach aber von der negativen Entwicklung abkoppeln: In den vergangenen zwölf Monaten stieg der Kurs um fast 150 Prozent.

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