Start-up Monitor : Gründer wollen Vorfahrt

Die Start-up-Szene beleuchtet sich selbst und erklärt, was junge Unternehmen für ein schnelleres Wachstum brauchen.

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Erfolgreiches Start-up aus Berlin: Der Online-Brillenshop Mister Spex hat schon ausländische Investoren gewinnen können.
Erfolgreiches Start-up aus Berlin: Der Online-Brillenshop Mister Spex hat schon ausländische Investoren gewinnen können.Foto: Mister Spex


Start-ups sind echte Jobmaschinen. „Bereits im Jahr der Gründung beschäftigen Start-ups viermal so viele Mitarbeiter wie in klassischen Gründungen“, hat Sven Ripsas, Professor für Unternehmertum an der Hochschule für Wirtschaft und Recht in Berlin, ermittelt. Sein Lehrstuhl hat gemeinsam mit dem Bundesverband Deutsche Startups (BVDS) eine Bestandsaufnahme der deutschen Gründerszene erstellt.

Besonders hohe Beschäftigungswirkung haben demnach die Start-ups in der Hauptstadt. Die befragten Firmen hier beschäftigen durchschnittlich 15,3 Mitarbeiter und damit fast 50 Prozent mehr als Start-ups im Rest der Republik. Dort sind es 9,2 Mitarbeiter. Doch nach wie vor fehlt es hierzulande an Wachstumskapital. Während Gründer in Deutschland in der ersten großen Finanzierungsrunde (Series A) im Schnitt knapp eine Million Dollar von Risikokapitalgebern einsammeln, sind es in den USA sieben Millionen Dollar. „Die Unternehmen in den USA erhalten damit einen ganz anderen Wachstumsschub“, konstatiert Ripsas. Immerhin hat der Start-up Monitor ergeben, dass es etwa 6,5 Monate dauert, bis eine Finanzierungsrunde abgeschlossen ist. Deutsche Start-ups müssen also mehr Zeit für die Beschaffung neuer Mittel aufbringen und haben somit weniger Zeit, sich um das Geschäft zu kümmern.

Start-ups sind Unternehmen, die Wert auf Wachstum und Innovationen legen

Nach der Definition der Studie, die unter anderem von Google und der Beratungsfirma KPMG unterstützt wurde, sind Start-ups junge (jünger als zehn Jahre) Unternehmen auf der Suche nach einem nachhaltigen Geschäftsmodell, wobei sie besonders starken Wert auf Wachstum (Mitarbeiter, Kunden oder Umsatz) und Innovationen legen. Der BVDS geht davon aus, dass es in Deutschland derzeit etwa 5000 Firmen gibt, die unter diese Definition fallen. Der Verband gründete sich erst im vergangenen Herbst in Berlin und hat den Monitor zum ersten Mal erstellt, will dies aber nun jährlich tun. 454 Personen aus der Gründerszene wurden online befragt, wobei die Schwerpunkte auf Berlin und den Start-ups aus dem Bereich Informations- und Kommunikationstechnik lagen.

Für die Zurückhaltung ausländischer Investoren nennt Ripsas vor allem zwei Gründe. Erstens fehlt es schlicht an attraktiven Exit-Szenarien. Wer Risikokapital in ein Start-up steckt, will nach einigen Jahren mit Gewinn wieder aussteigen. In Deutschland aber fehlen nicht nur große Internetkonzerne wie Google, Facebook oder Yahoo, die auch mal für eine Milliarde oder mehr erfolgversprechende Start-ups aufkaufen, es fehlt auch ein entsprechendes Segment an der Börse, wo sich junge Firmen Kapital beschaffen können. „Wir brauchen diese Exit-Kanäle, damit Start-ups schneller wachsen können“, meint Ripsas. Der Bundesverband habe bereits Kontakt zur Deutschen Börse in Frankfurt aufgenommen, berichtet BVDS-Vorstand Florian Nöll. Allerdings haben deutsche Anleger nach den schlechten Erfahrungen mit dem Neuen Markt noch immer große Vorbehalte gegen so ein Börsensegment. Die Deutsche Börse sei aber durchaus gesprächsbereit, sagte Nöll.

Start-ups leiden unter zu vielen Regularien

Der zweite Grund, warum ausländische Investoren sich scheuen in Deutschland zu investieren, seien die regulatorischen Rahmenbedingungen – etwa das Arbeitsrecht, das Steuerrecht, der Datenschutz oder die Regeln zur Beschäftigung von Nicht-EU-Bürgern. Dies sehen übrigens auch die Start-ups selber als Hindernisse für ihr Wachstum an. Deutschland zeige sich in vielen Bereichen als „Regulierungsstreber“, sagte Nöll. Dabei sei es die Summe der regulatorischen Hürden, die den deutschen Start-ups das Leben schwer mache und ihre Unternehmensperformance begrenze. Nöll fordert „Vorfahrt für Gründer“ und meint, dass bestimmte Regeln wie etwa Arbeitnehmerrechte für Gründer nicht von Anfang an, sondern zum Beispiel erst nach fünf Jahren gelten sollten.

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